Lebhafter Gedankenaustausch zu Europa am Weissensee

Weissensee - Über die Herausforderungen für Politik und Wirtschaft in einem Europa der Regionen wurde heute, Freitag, 28. September 2018 im Techendorfer Weissensee-Haus debattiert.

An der Podiumsdiskussion nahmen neben Landeshauptmann Peter Kaiser und Landesrat Daniel Fellner auch Weissensees Bürgermeister Gerhard Koch, Erhard Juritsch vom KWF, Siegfried Huber, Vorstandsdirektor der Kärntner Sparkasse AG, Sozialgeografin Heike Egner sowie Gertraud Berka-Schmid von der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst teil.

„Landschaft des Wissens“

Die Diskussion fand im Rahmen der dreitägigen Veranstaltungsreihe „Landschaft des Wissens“ statt, die seit 2013 jährlich vom Universitätsclub Kärnten, gemeinsam mit der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und weiteren Kooperationspartnern, am Weissensee veranstaltet wird. In diesem Jahr stand die Reihe unter dem Motto „Wage zu denken! Europa der Regionen? Herausforderungen für Politik und Wirtschaft!“.

Starkes, gemeinsames Europa

Landeshauptmann Peter Kaiser sprach sich dezidiert für ein starkes Europa der Regionen aus. „Wir brauchen mehr denn je ein gemeinsames Europa!“, appellierte Kaiser. Denn obwohl die europäische Ebene stetig an Bedeutung gewinne, sei das größte politische Engagement der Menschen im kommunalen Bereich zu spüren. Hier seien die unmittelbaren Auswirkungen der EU täglich bemerk- und erlebbar, so etwa durch die Umsetzung von grenzüberschreitenden Projekten durch die EU-Regionalpolitik. Kaiser erklärte, mit einer Forcierung der interregionalen Zusammenarbeit könne man auch als relativ kleine Region sehr viel erreichen. Im Ausschuss der Regionen, der EUREGIO, der Alpen-Adria-Allianz und mit weiteren außenpolitischen Kontakten zu anderen Regionen sei Kärnten sehr aktiv in der interregionalen und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Kaiser hielt es in diesem Zusammenhang mit dem Autor Robert Menasse: Der Nationalismus habe Europa zweimal in Schutt und Asche gelegt, die Zukunft gehöre dem Regionalismus. Im Verlauf der Diskussion skizzierte Kaiser die Strategische Landesentwicklung Kärntens, die besonders für die Regionen des Bundeslands hohe Bedeutung habe. Denn hier würden regionale Bedürfnisse aufgenommen und in eine Gesamtstrategie für die Entwicklung Kärntens eingebettet. Die Strategische Landesentwicklung müsse einerseits sehr flexibel sein, andererseits aber vor allem drei strategische Konstanten immer im Blick haben: Bildung, Infrastrukturen sowie Kunst und Kultur seien zentrale Eckpfeiler der Landesentwicklung, so Kaiser.

Wichtige interkommunale Zusammenarbeit

Landesrat Daniel Fellner betonte als zuständiger Gemeinde- und Raumordnungsreferent, dass es gerade auf kommunaler und regionaler Ebene Politiker mit Weitsicht benötige. Nur wenn zukünftige Entwicklungen vorhergesehen werden können, sei es auch möglich, langfristige und nachhaltige Entscheidungen zum Wohl einer Region zu treffen. Es brauche daher politisch Verantwortliche, die sich vor allem Gedanken um die Entwicklungen der Zukunft machen, so der Landesrat. Fellner skizzierte ebenso die Möglichkeiten in der interkommunalen Zusammenarbeit. „Wir haben uns politisch dazu entschieden, das Budget für Fördermöglichkeiten in der interkommunalen Zusammenarbeit massiv zu steigern, denn gemeindeübergreifende Kooperationen werden immer wichtiger – sei es im Hochwasserschutz, in der Kultur, der Wirtschaft oder in anderen Bereichen“, so Fellner.

Touristische Regionen vermarkten

Weissensees Bürgermeister Gerhard Koch sprach sich vor allem im Bereich des Tourismus dafür aus, Regionen zu bilden und diese gemeinsam zu vermarkten. Nur so sei es möglich, erfolgreich zu sein. Hier sei auch die Unterstützung des Landes notwendig und dankenswerterweise sehr gut vorhanden, so Koch. Erhard Juritsch definierte den KWF als Schnittstelle zwischen Politik und Unternehmen. Seit 25 Jahren sei der Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds darum bemüht, heimische Unternehmen mit Förderungen zu unterstützen, besonders auch in den Kärntner Regionen. Kooperation sei eine Haltung, es brauche für Zusammenarbeit aber auch immer Spielregeln, denn nur so seien Kooperationen langfristig und nachhaltig. Sozialgeografin Heike Egner stellte die Frage, welche Vorstellung man vom Begriff „Region“ habe. Denn der Regionsbegriff werde vor allem dann wichtig, wenn Entwicklungsunterschiede bestünden. Es brauche immer eine Anstrengung, Regionen zu definieren und zu kreieren. Gerade für die Regionalentwicklung brauche es Kooperationen, es müsse aber vorab geklärt werden, wer zu einer bestimmten Region gehöre und wer nicht. Gertraud Berka-Schmid sprach sich dafür aus, Regionen müssten zuerst Ziele zu definieren. Daraufhin gelte es, Strategien zu entwickeln um diese Ziele zu erreichen. Wirtschaftlichkeit umfasse heutzutage zwar immer die Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit, aber man dürfe auch die Sinnfrage nicht vergessen. Kreativität in Organisationen und Regionen könne nur dann entstehen, wenn eine gewisse Flexibilität vorhanden sei, erklärte Berka-Schmid.

Finanzielle Unterstützung gehört dazu

Für Sparkasse-Vorstandsdirektor Siegfried Huber ist die Unterstützung von regionalen Entwicklungen alltägliches Geschäft. Nachdem die Sparkasse zu 75 Prozent über einen gemeinnützigen Eigentümer verfüge und Gewinne zum Teil sozialisiert werden, sei für sein Unternehmen ein Beitrag zur Regionalentwicklung selbstverständlich, so Huber. Es brauche Tatkraft um die Attraktivität einer Region zu steigern. Diese Tatkraft würde seitens der Sparkasse auch regelmäßig unterstützt, sei es im Sport, der Kultur oder im Bildungsbereich.