Die Casino-Industrie und Corona: Chance oder Krise?

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Die Corona-Pandemie hat weiterhin massive Auswirkungen auf die Wirtschaft. Während manche Branchen kaum von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen sind, leiden andere massiv unter den staatlichen Einschränkungen zur Virusbekämpfung sowie dem veränderten Konsumverhalten. Doch in welchem Maße hat Corona eigentlich die Casino-Industrie beeinflusst?


Zur Beantwortung dieser Frage muss zunächst einmal zwischen landbasierten Casinos und Online-Casinos unterschieden werden. Ein Blick auf die landbasierten Casinos zeichnet ein düsteres Bild. So waren die Casinos ähnlich wie die Gastronomie am stärksten von den Einschränkungen betroffen und litten beispielsweise unter den Sperrstunden, Maskenregeln und der Zurückhaltung vieler Spieler. Casinos Austria, der größte Casino Betreiber in Österreich, sah sich deshalb zu Beginn der Pandemie auch gezwungen, alle Standorte vollständig zu schließen.

Eingeschränkter Spielbetrieb

Erst Ende Mai war dann eine Wiedereröffnung unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben wieder möglich. Allerdings handelt es sich um einen eingeschränkten Spielbetrieb, der unter anderem die Einhaltung des Mindestabstands garantieren soll. Casinos Austria reagierte nun auf diese Entwicklung und entließ 600 Mitarbeiter. Dabei verwies der Vorstand auf die Tatsache, dass mit massiven Gewinneinbrüchen zu rechnen sei und nicht an das Rekordjahr 2019 angeschlossen werden könne. Dieser Trend zeichnet sich bereits deutlich ab. Während Casinos Austria im ersten Halbjahr 2019 noch knapp 90 Millionen Euro Spieleinnahmen verzeichnen konnte, fiel dieser Wert im Vergleichszeitraum 2020 auf nur rund 50 Millionen Euro ab.

Verhalten der Bundesregierung abzuwarten

Des Weiteren bleibt abzuwarten, wie die Regierung auf die aktuelle Fallzahlentwicklung reagiert. Aktuell übersteigt die Anzahl der täglichen Neuinfektionen die Höchstwerte zu Beginn der Pandemie und die Virusausbreitung kann weiterhin nur bedingt verlangsamt werden. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob unter Bundeskanzler Kurz bald weitere Restriktionen wie Sperrstunden oder komplette Schließungen beschlossen werden, welche den Casinobetrieb weiter einschränken würden. Die Situation für landbasierte Casinos bleibt damit weiterhin angespannt, wenngleich einem Casinobesuch derzeit nichts im Wege steht. Damit sind die österreichischen Casinos aber nicht alleine. Selbst in Las Vegas, der weltweit berühmtesten Spielstadt, kämpfen inzwischen viele Anbieter um die wirtschaftliche Existenz.

Situation Online-Casinos

Anders gestaltet sich die Situation bei den Online-Casinos. Auch hier lohnt sich zunächst der Blick auf ein österreichisches Unternehmen, um die nationale Lage besser bewerten zu können. So wirbt der 1999 in Wels gegründete Anbieter bet-at-home mit dem Slogan „stay cool – bet at home“ und fasst damit die Lage der Online-Casinos trefflich zusammen. Letztere profitieren einerseits von den Ausgangsbeschränkungen, die viele Spieler dazu veranlassen, online und eben nicht mehr im landbasierten Casino zu spielen. Andererseits dürften viele Spieler die Zeit der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen auch mit der Nutzung digitaler Unterhaltung verbracht haben, zu denen natürlich auch das virtuelle Glücksspiel gehört. Diese Umstände spiegeln sich auch im Unternehmenswert von bet-at-home wider. Zwar fiel der Aktienkurs des Unternehmens zu Beginn der Pandemie von seinem Jahreshöchstwert von etwa 55 Euro auf den Tiefstand von 18 Euro. Daran schloss sich aber eine schnelle Erholung an, die sich bei rund 36 Euro in den letzten Monaten stabilisierte. Die Anleger und Branche zeigen sich demnach weiterhin vorsichtig und dürften vor allem die sinkende Kaufkraft vieler Haushalte im Blick haben.

Gleichzeitig wird aber auch klar, dass die Corona-Pandemie keine direkten Auswirkungen auf die virtuelle Glücksspiellandschaft hat. Daneben profitieren viele Online-Casinos auch von der Tatsache, dass europaweit Sportveranstaltungen und damit auch Sportwetten wieder möglich sind. Schließlich verfügen viele Online-Casinos auch über einen eigenen Sportwettenbereich und können nun wieder entsprechende Wetten anbieten. Doch auch unabhängig von Corona gibt es positive Nachrichten für die Glücksspielbranche zu vermelden. So wurde bei unseren deutschen Nachbarn eine Glücksspielreform beschlossen, nach der 15 Online-Casinos eine offizielle deutsche Lizenz erhalten. Damit wurde die Grundlage gelegt, um das virtuelle Glücksspiel im deutschsprachigen Raum in rechtlich geordnete Bahnen zu lenken.

Welche Folgen also hat die Corona-Pandemie abschließend auf die Spieler selbst?

Einerseits können Glücksspieler in Österreich landbasierte Casinos weiterhin nur eingeschränkt besuchen und müssen damit rechnen, dass es im Verlauf des Winters erneut zu einer vollständigen Schließung kommen könnte. Zudem ist zu befürchten, dass sich einige Anbieter aus dem Markt zurückziehen und ihr Casino schließen. Gleichzeitig steht Spielern aber auch jederzeit die Alternative des Online-Casinos zur Verfügung. Letztere konnten im Laufe der Pandemie ihre Marktstellung festigen und ihr Angebot weiter ausbauen. Damit stellen Online-Casinos für Glücksspieler eine interessante Alternative zur Spielbank dar. Es bleibt demnach abzuwarten, inwiefern Covid-19 den nationalen Glücksspielmarkt weiter verändert.