VCÖ zu Lkw-Sicherheitsgipfel: Weitergehende Maßnahmen gegen "toten Winkel" nötig

Auch mit „Trixi-Spiegel“ bleibt Gefahr des „toten Winkels“ bestehen

VCÖ - Wien, 19. Februar 2019 – Die heute nach dem Lkw-Sicherheitsgipfel präsentierten Maßnahmen sind höchstens ein kleiner Schritt, dem noch weitere und vor allem wirksamere Schritte für mehr Sicherheit folgen müssen, betont der VCÖ.

Gefahr toter Winkel

Wichtig ist, die gesetzliche Grundlagen zu schaffen, dass nach Londoner Vorbild ein innerstädtisches Fahrverbot für gefährliche Lkw umgesetzt werden kann. Um die Sicht im Kreuzungsbereich zu verbessern, ist das Halte- und Parkverbot vor Schutzwegen von derzeit fünf auf zehn Meter auszudehnen. Österreichs Regierung und EU-Abgeordnete können durch ihren Einsatz erreichen, dass die verpflichtende Ausrüstung von neuen Lkw mit Abbiegeassistenten früher als derzeit geplant in Kraft tritt.  

Freiwilligkeit bei der Nachrüstung mit Abbiegeassistenten reicht nicht aus

Das hat die Vergangenheit bewiesen. Obwohl es seit Jahren elektronische  Abbiegeassistenten gibt, sind nur wenige Lkw damit ausgerüstet – und das in einer Zeit, in der selbstfahrende Autos getestet werden, drängt der VCÖ auf eine verpflichtende Nachrüstung der Lkw. Die gesetzlichen Grundlagen dafür sind zu schaffen. „Auch in anderen Bereichen werden gesetzliche Grundlagen für Maßnahmen geschaffen. Wo ein Wille, da auch ein Weg“, betont VCÖ-Experte Markus Gansterer. Was London schafft, sollte auch Österreich gelingen. In London gibt es ab dem Jahr 2020 ein Fahrverbot für Lkw, die einen zu großen „toten Winkel“ haben und damit für Fußgänger, Radfahrer, Moped- und Motorradfahrer sehr gefährlich sind.

Schwer kontrollierbares Verbot

Bei der angekündigten Regelung, dass für Lkw ohne Abbiegeassistenten bei einzelnen Kreuzungen rechts abbiegen verboten werden kann, sieht der VCÖ das Problem, dass dieses Verbot schwer kontrolliert werden kann.   Die ins Auge gefassten so genannten „Trixi-Spiegel“ können höchstens eine zusätzliche Maßnahme sein. Die 160 in Freiburg eingesetzten „Trixi“-Spiegel wurden von der Technischen Universität Kaiserslautern evaluiert. Ergebnis: Lkw-Fahrer beurteilten die Spiegel als hilfreich, aber der Leiter des Forschungsprojekts Prof. Dr. Martin Haag stellte fest: „Der Trixi-Spiegel ist nur für einen speziellen Unfalltyp relevant. Er hilft vor dem Abbiegevorgang, aber während des Abbiegens verschafft er dem Lkw-Fahrer keine zusätzliche Sicht. Auch mit Trixi-Spiegel bleibt die Gefahr des „Toten Winkels“ aufrecht.“

Kindersicherheit?

Wichtig für die Sicherheit von Fußgängern, insbesondere für Kinder und ältere Menschen, dass die Sicht im Kreuzungsbereich verbessert wird. Eine rasch umsetzbare Maßnahme dafür ist die Ausweitung des Halte- und Parkverbots vor Schutzwegen von fünf auf zehn Metern. Aufgrund des boomenden Online-Handels nimmt die Zahl der Klein-Transporter massiv zu, zudem werden die Autos insgesamt größer und höher. Dadurch wird Autofahrern die Sicht auf Fußgänger und dabei insbesondere auf Kinder, die die Straße überqueren möchten, durch parkende Autos verstellt.   Gefordert sieht der VCÖ auch Österreichs Regierung und die Abgeordneten des EU-Parlaments, dass sie sich mit ganzer Kraft für eine beschleunigte Einführung der Abbiegeassistenten bei neuen Lkw einsetzen. Auch die Vorgaben für eine verbesserte Rundumsicht der Lkw-Fahrer müssen früher als geplant in Kraft treten.

Petition

Die von Eltern initiierte Petition für verpflichtende Nachrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten haben bereits mehr als 69.000 unterstützt (https://mein.aufstehn.at/petitions/verpflichtende-nachrustung-von-abbiegeassistenten-fur-lkws-jetzt-1  ) und kann weiter unterstützt werden.