Das Team von Frau in der Wirtschaft besuchte UnternehmerInnen aus der Region

„G’lernt is g’lernt“: Erfolgsbeispiele aus dem Bezirk Hermagor

Bezirk Hermagor -

Vor dem Zusperren retten: In den nächsten Jahren stehen in Kärnten viele kleine und mittlere Betriebe vor einem Wendepunkt. Unternehmerinnen gehen in Pension und suchen für ihr Business mit bestehendem Kundenstock und gutem Renommee eine Person, die den Betrieb weiterführt. Gerade das kann für Menschen mit einem Lehrabschluss eine Chance sein.


Mutig eigene Wege gehen

Bestes Beispiel ist Sonja Simschitz vom Friseurstudio Kopfkunst aus Hermagor. Sie übernahm den Betrieb von ihrem ehemaligen Chef und ist heute erfolgreiche Unternehmerin. Die Lehre ebnete den Weg.

Mitarbeiterin, Betriebsübernehmerin, Lehrlingsausbildnerin: Sonja Simschitz vom Friseurstudio Kopfkunst aus Hermagor hat eine beeindruckende Karriere gemacht. (c) FiW / Anita Aneitz

Modern, hell, einladend und kreativ

Wer das Friseurstudio Kopfkunst von Sonja Simschitz in Hermagor betritt, ist sofort begeistert von der freundlichen Atmosphäre. Mitten in der Stadt werden hier bei Groß und Klein trendige Frisuren geschnitten und es ist immer Zeit für ein Gespräch. „Erfolg bedeutet für mich zufriedene Kunden und Mitarbeiterinnen“, sagt Sonja Simschitz, die selbst 2002 den Lehrabschluss als Friseurin und Perückenmacherin (Stylistin) machte und seit 2021 das Friseurstudio führt. „Ich wurde Unternehmerin, weil mein damaliger Vorgesetzter in Pension ging und ich die Chance ergreifen wollte“, erzählt sie. Damit schaffte sie mit einer Lehre die Betriebsübernahme und bildet heute selbst im eigenen Friseurstudio zwei Lehrlinge aus.

Lehrlinge fordern und fördern

Ihre Berufswahl und die Entscheidung für eine Lehre hat Simschitz bis heute nicht bereut. „Mein großes Glück bestand darin, dass ich in einem sehr guten Betrieb meine Lehre absolvieren durfte. Wir wurden als Lehrlinge stets gefördert und gefordert.“ In ihrer Jugendzeit war ihr bereits klar, dass ihr kreatives Arbeiten mit Menschen sehr große Freude bereitet. 

Der Weg zu Mitarbeitern

Bei unserer Tour durch den Bezirk Hermagor lernten wir aber auch die Malerei Wieser im Gitschtal kennen, die inzwischen über 60 Lehrlinge ausbildete und damit etwas aktiv gegen den Arbeitskräftemangel tut. 
 
Arbeitskräftemangel kennt Ernst Wieser von der Malerei Wieser aus dem Gitschtal nicht. Denn er bildet seit Jahren Lehrlinge aus und setzt sich für den Handwerksberuf ein. (c) FiW / Anita Aneitz

„Wenn wir nicht selbst Lehrlinge ausgebildet hätten, hätten wir heute keine Mitarbeiter“, sagt Ernst Wieser von der Malerei Wieser im Gitschtal. Jedes Jahr nimmt der kreative Betriebe Lehrlinge auf – und jedes Jahr müssen interessierten Bewerbern auch Absagen erteilt werden. Im Betrieb sind zwischen 20 und 25 Mitarbeiter beschäftigt, im Schnitt davon zwei bis vier Lehrlinge. Überwiegend wird hier im klassischen Handwerk des Malers und Beschichtungstechnikers gearbeitet, aber es gibt auch eine Kreativ-Abteilung mit Digitaldruck. Der Chef selbst liebt Airbrush, Graffiti und Bodypainting.

Kreativität auf Augenhöhe

„Bei uns darf Kreativität ausgelebt werden und wir arbeiten mit jedem auf Augenhöhe. Das Spannende an dem Beruf ist sicher die Vielseitigkeit und die Abwechslung“, verrät Wieser. Das junge Team geht mit der Zeit und bietet unter anderem auch eine Lehre mit Matura an. Die Bewerbungsgespräche laufen sehr persönlich ab. „Jeder angehende Lehrling kommt auch eine Woche Probearbeiten, damit er oder sie sieht, ob es das Richtige für ihn ist“, sagt Wieser.

Sie hat E-Commerce im Griff

Lena Kronhofer brachte uns den neuen Lehrberuf E-Commerce-Kauffrau näher und hat Spaß bei ihrer Ausbildung bei Maschinen Gailer in Kötschach-Mauthen.

Lena Kronhofer ist der erste weibliche E-Commerce-Lehrling bei Maschinen Gailer und kümmert sich um den Online-Shop.

Vielseitiger Aufgabenbereich

Bilder und Beschreibungen von Produkten für den Onlineshop, Newsletter gestalten, Social-Media-Kanäle betreuen, Produkte für den Versand vorbereiten, Blogbeiträge für die Webseite schreiben, Rechnungen und Lieferscheine erledigen, Aktionen und Gewinnspiele vorbereiten – der Aufgabenbereich von Lena Kronhofer als E-Commerce-Lehrling ist vielfältig und abgestimmt auf die Bedürfnisse der digitalen Wirtschaft. Nach dem Besuch der dreijährigen Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Hermagor startete sie im Sommer 2022 ihre E-Commerce-Lehre bei Maschinen Gailer in Kötschach-Mauthen. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Betriebe 80 Lehrlinge ausgebildet, aber Lena Kronhofer ist die erste als E-Commerce-Kauffrau.

Auszeichnung als einer der besten Lehrbetriebe

„Als familienfreundlicher Betrieb engagieren wir uns schon lange in der Lehrausbildung und unterstützen die Ausbildung voll und ganz. Unsere Lehrlinge besuchen unter anderem die Karnische Lehrlingsakademie und lernen während ihrer Ausbildungszeit verschiedene Stationen im Betrieb kennen“, erzählt Stefan Gailer stolz, der inzwischen von Tochter Viktoria Gailer unterstützt wird. Regelmäßig nehmen seine Lehrlinge an Wettbewerben teil und räumen dort Stockerlplätze ab. Für die qualitativ hochwertige Lehrausbildung wurde der Betrieb 2022 auch als einer der Top 15 bei der Kategorie Ausbildungspraxis beim Staatspreis „Beste Lehrbetriebe – Fit for Future 2022“ ausgezeichnet.