„Schönfärbereien und Sonntagsreden gibt es von allen anderen“

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Gail-, Gitsch- und Lesachtal -

Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer im aktuellen Interview über Angst, Macht und Kontrolle.

Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer zeigt auf was vielen am Herzen liegt

Gailtal Journal: Herr Köfer, Sie nehmen sich kein Blatt vor den Mund, warum?

Gerhard Köfer: Schönfärbereien und Sonntagsreden gibt es ohnehin von allen anderen. Wir wurden gewählt, um den Bürgern die Wahrheit zu sagen. Das wird von uns erwartet und wir werden niemanden enttäuschen. Wir lassen uns auch sicher keinen Maulkorb verpassen.

Sie fordern eine Kommission für die lückenlose Aufarbeitung aller medizinischen und politischen Fehleinschätzungen im Zuge der Corona-Krise?

Obwohl hunderte Krankenhausbetten monatelang unbelegt waren, wurden Nicht-Corona-Patienten nicht ausreichend behandelt oder therapiert. Schwere gesundheitliche Schäden waren die Folge. Sogar die Patientenanwaltschaft wurde auf den Plan gerufen. Wir kennen derzeit nur die Spitze des Eisbergs, daher verlange ich, dass eine Expertenkommission eingesetzt wird. Diese Kommission soll das politische Versagen auf Landesebene – keine Schutzausrüstung, zu wenig Testungen, leere Spitalsbetten, etc. – beleuchten, um daraus auch für die Zukunft zu lernen.


Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Kärntner Landtagsparteien aus?

Die Kärntner SPÖ/ÖVP-Verzweiflungs-Koalition liegt intern permanent im Clinch. Die Einflüsterer von Landeshauptmann Kaiser attackieren in den sozialen Medien die völlig kompetenzbefreite ÖVP-Ministerin Köstinger, weil diese auf Terminanfragen keine Antwort gibt. Den guten Draht von Kärnten nach Wien gibt es nur in den Wahlkampfreden der Koalition. Leider ist das schwache Standing Kärntens gegenüber der Bundesregierung weiterhin vorhanden.

Der Kontakt zwischen Bundes- und Landes-ÖVP ist also noch schlechter geworden?

Noch schlechter wird schwer möglich sein. Während des österreichischen EU-Rats-Vorsitzes gab es bezeichnenderweise keine einzige diesbezügliche Veranstaltung für Kärnten und das obwohl jedes andere Bundesland mit zumindest einem Projekt bzw. einem Event betraut wurde. Auch bei der Abwicklung von Hypo/Heta und bezüglich einer Nachbesserungs-Klausel, die uns vermutlich viele Millionen Euros erspart hätte, wurde Kärnten kalt im Regen stehen gelassen. Solche Beispiele gibt es noch viele mehr.

Hat sich Peter Kaiser bei der Auswahl des Koalitionspartners verschätzt?

Kaiser spekulierte offensichtlich damit, dass die stets schwache Kärntner ÖVP einen direkten und guten Draht nach Wien hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wie müssen miterleben, dass es keine Verhandlungsbasis auf Augenhöhe gibt.