Hochzeit   auf   Türkisch

Kirchbach -   Eine Hochzeit ist wohl einer der wichtigsten Tage im Leben eines Paares. Jede Braut ist aufgeregt und im „vorhochzeitlichen Stress“, wenn es um die Vorbereitungsarbeiten geht. Doch wie laufen diese bei rund 1000 Gästen ab? Wir blicken hinter die Kulissen einer türkischen Hochzeit.

Romantisch - das zukünftige Ehepaar hat sich auf einer Hochzeit kennengelernt...
Im Leben der 21-jährigen Kirchbacherin Eda Orhan geht es derzeit „rund“. Eda ist Gailtalerin mit türkischen Wurzeln und wird Ende des Jahres nach Holland auswandern. Doch nicht deshalb ist sie schon seit knapp einem halben Jahr im „Vorbereitungsstress“. Eda wird am 10. November heiraten – und zwar im großen Stil. Eine spannende Zeit.  

Hochzeit im großen Stil

„Bei uns Türken wird nicht im kleinen Kreis geheiratet“, erzählt sie. In Kärnten liegt die durchschnittliche Gästeanzahl bei ca. 60 Personen. Bei Eda waren es schon beim „Bewilligungsbesuch“, eine alte Sitte, bei der sich die engste Familie näher kennenlernt, rund 80 Personen.  

Klischee „arrangierte Ehe“

Zum ersten Mal gesehen haben sich Eda und Gökan, der in Holland lebt, bei der Hochzeit von Edas Cousin vor drei Jahren. Die Mütter der beiden kennen sich noch von damals und trafen sich zufällig auf genau jener Hochzeit wieder. Beim Nachwuchs hat es sofort gefunkt. „Das Klischee ‚arrangierte Ehe‘ ist heutzutage nicht mehr denkbar und ich würde es mir auch nicht gefallen lassen“, so die selbstbewusste junge Frau. Seit drei Jahren sind die zwei ein Paar, im vergangenen Sommer hielt Gökan am Kirchbacher Marktplatz um Edas Hand an.  

Die Qual der Wahl

Die Verlobungsfeier, welche im August 2017 in der Türkei stattfand, glich einer, für unsere Verhältnisse, großen Hochzeitsfeier. Rund 300 Personen waren dabei, als die beiden die Ringe austauschten. Doch das ist noch nicht alles! Zu den weiteren drei bevorstehenden Anlässen benötigt Eda jeweils ein eigenes Kleid. Beim Shoppen hat sie also die „Qual der Wahl“. „Der Kleiderkauf ist ein aufwändiges Prozedere, ich brauch ja auch die passenden Accessoires“, lacht sie.
Sie hat „evet“ (Ja) gesagt. Den Antrag bekam Eda in ihrem Heimatort Kirchbach

Henna-Abend

Nun steht der zukünftigen Braut noch der Henna-Abend bevor. Diesen wird sie am 20. Oktober im Beisein von 400 Freunden und Familienmitgliedern im Hermagorer Rathaussaal feiern. Der Henna-Abend ist vergleichbar mit dem „Poltern“, er dient als symbolischer Abschied der Braut von ihrer Familie. Das Brautpaar wird mit Farben bemalt, der rote Schleier soll Glück für die weitere Zukunft bringen.  

Keine Location  im Gailtal

Nach der standesamtlichen Trauung kommt es zur eigentlichen „Hauptattraktion“. Über 1000 Gäste werden gemeinsam mit dem Paar feiern, tanzen und lachen. Jeder Gast bringt ein Geschenk mit, die Braut bekommt Gold von der Familie ihres Zukünftigen. „Eine Feier in diesem Rahmen wäre bei uns nicht möglich gewesen“, erzählt sie, „außerdem ist es Brauch, diese beim Bräutigam auszurichten.“ Dort sind Firmen auf Hochzeiten dieser Art spezialisiert. Der Saal muss ein Jahr zuvor reserviert werden, für Mai z.B. hätten die beiden einen Raum für „nur“ 800 Personen bekommen.
Eda mit ihren Eltern…
 

Planungszeit einberechnen

Rund 50.000 Euro ist ihnen der wohl schönste Tag ihres Lebens wert, natürlich inklusive Hochzeitsreise nach Dubai. Es gilt noch einiges zu organisieren, die Planung obliegt Eda. „Vielen Dank an meine Familie, die mich dabei so unterstützt. Wer türkisch heiraten will, sollte schon eineinhalb Jahre zuvor mit der Vorbereitung beginnen“, schmunzelt sie.
… und Bruder Mehmet

Zukunftspläne

Wenn die ganzen Feierlichkeiten abgeschlossen sind, wird Eda dem Gailtal „Lebewohl“ sagen. Da ihre Eltern fest in Kirchbach verwurzelt sind, wird die gelernte Friseurin, die plant, sich als Visagistin selbstständig zu machen, sicher zu Besuch kommen. Eine Familie gründen, ein eigenes Haus €¦ das Paar hat viele schöne Pläne. Wir wünschen Eda und ihrem Verlobten von Herzen eine glückliche, gemeinsame Zukunft.