Zuhause ist, wo die Geschichte beginnt

So residieren „Präsidentin“ und „Präsident“

Grafendorf -

Diesmal war Redakteurin Iris Zirknitzer bei Ingrid Plozner (63) und Luigino Plozner (63) zu Gast und hat sich umschauen dürfen, wie die Präsidentin des Soroptimist Clubs Hermagor und der Präsident der Golfanlage „Nassfeld Golf“ wohnen.

La dolce vita: Ingrid und Luigino genießen in der Küche einen Cappuccino

Auf der Gailtaler Sonnenseite, im beschaulichen Örtchen Grafendorf, bin ich bei der Familie Plozner angekommen. Durch ein prächtiges, schmiedeeisernes, doppelflügeliges Tor führt der Weg zur Haustür. Diese öffnet sich – die Dame des Hauses bittet mich herein. Wir machen es uns in der Küche im charmanten Landhausstil bequem. 30 Jahre tut das gute Stück aus Buchenholz schon seine Dienste. Ingrid ist mit Hingabe Köchin. In der heimeligen Sitzecke aus purpurrotem Stoffbezug nehmen am runden Tisch, ausgestattet mit einer immens schweren dunkelgrünen Granitplatte, gerne Familie und Freunde Platz. Das Fenstersims ziert ein hübsches Dekor: drei weibliche Figuren aus Keramik in unterschiedlichen Größen – das Werk einer Künstlerin aus Cividale. An der Wand erspähe ich ein, in satten grün-braunen Farben getränktes Landschaftsbild von Franz Kaplenig und eine orientalische Hängelampe. Diese hat die gebürtige Gundersheimerin 2019 bei einem Chorausflug nach Bosnien auf einem arabischen Markt entdeckt.

Freiluft – Familientreffpunkt

Ich erfahre, dass Ingrid und Gatte Luigino das Haus erbauen ließen und Ende der 80er Jahre eingezogen sind. Beim Bau haben Luigino und die Familie mit vereinten Kräften mitgeholfen. Praktikabel: von der Küche geht es, ebenso wie vom Wohnzimmer aus, auf die großzügige, in Grautönen gepflasterte Terrasse – mit weitem Blick über den groß angelegten Garten. Ein Hingucker ist der imposante Feuertisch – handgefertigt von Sohn Alois. An dem Stück hat er seine Schweißkunst unter Beweis gestellt. An lauen Sommerabenden wird darauf gegrillt. Daneben steht ein wetterfester, rechteckiger Gartentisch, der Platz für sechs bis acht Personen bietet. Sobald die Temperaturen wieder steigen, werden im Hause Plozner die Schmankerln draußen aufgetischt. Der Pavillon aus Schmiedeeisen ist ebenso von Hand gemacht. Er trägt Luiginos Handschrift. Italienisches Flair macht sich im Flur breit. Der Marmorboden in den Farbnuancen Creme, Ivory und Champagner ist aus Sardinien importiert. Er erstreckt sich vom Vorraum im Erdgeschoss über die schön geschwungene Treppe bis in den gesamten Vorraum im oberen Stock sowie in das Kellergeschoss. Das elegante, rabenschwarze schmiedeeiserne Geländer setzt einen stilvollen Kontrast zum hellen Marmor. An den Wänden treppauf- und treppabwärts sind Bilder angebracht: moderne Kunstdrucke in den Grundfarben Rot, Grün, Blau und Gelb, sowie einige Landschafts-Radierungen.

Für die Theke im Partyraum hat das Holz aus der ehe- maligen Volksschule eine Wiederverwendung gefunden

Partyraum mit Multi-Kulti- Charme

Ich folge Ingrid und Luigino die Stiege hinab. Im Keller angelangt, offenbart sich das „Geheimkämmerchen“ und mir entfährt bei dessen Anblick ein Ah und Oh. Den Partyraum hat das Paar vor einigen Jahren eingerichtet. Die Türe ist aus Brettern gezimmert. Sie entstammen der ehemaligen Volksschule Gundersheim und waren in den Klassenzimmern als Holzboden verlegt. Die Tintenkleckse der Schüler sind noch sichtbar. Auch das honigfarbene Holz der Theke, das Gebälk sowie die terrakottafarbenen Ziegel an den Wänden zählten ehemals zum Inventar der Schule. Der große Tisch bietet reichlich Platz. Für behagliche Wärme sorgt ein dunkelgrauer Holzofen – ein waschechter Ire, der den Weg über den Atlantik ins Gailtal gefunden hat. „Wir haben das Stück vor 25 Jahren bei einer Irlandreise entdeckt. Der Ofen findet einen selbst“, sagt Ingrid. An der Wand über dem Esstisch hängt ein Schwarz-Weiß-Foto von der Traditions-Fleischerei in Timau, die 1959 eröffnet worden ist. „Dort gehen wir heute noch gerne einkaufen“, berichtet das Ehepaar. Auf der gegenüberliegenden Wand entdecke ich Autokennzeichen aus Tasmanien und Australien – es sind Mitbringsel vom Sohn, der einige Monate im Ausland unterwegs war. Nach der Besichtigung des technischen Herzstücks im Haus, dem Heizraum plus moderner Wärmepumpe, geht es die Treppen hinauf ins Wohnzimmer. Mein Blick streift über den hellen Parkettboden, die Sitzgarnitur aus dunkelgrünem Leder, den Wohnzimmerschrank aus Holz und bleibt beim Sekretär und der hübschen Kommode aus dunklem Holz hängen. Darüber: ein Akt von Richard Kaplenig, eines seiner Frühwerke. Auch hier ist die Wand im Ziegeldekor gestaltet – es sind Konglomeratsteine, erklärt Luigino. Ein Lieblingsstück von Ingrid ist die hübsche Tiffanylampe in Grüntönen – diese ist in aufwendiger Arbeit unter der Hand der 63-Jährigen entstanden. Noch ein abschließendes Plauscherl in der Küche, dann verlasse ich die „Präsidentenresidenz“, steige bei strahlendem Sonnenschein ins Auto und düse wieder talabwärts.