Die Statistik ist da!

Kärnten - Das erste Halbjahr 2019 wurde bereits abgeschlossen und Kärnten verzeichnet nach der Steiermark den zweitgrößten Rückgang in puncto Firmeninsolvenzen. Diese sind nämlich um 12% gesunken. Im ersten Halbjahr 2019 mussten in Kärnten insgesamt 162 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das bedeutet einen Rückgang um 12 Prozent gegenüber 2018 und damit eine Fortsetzung des Trends des 1. Quartals 2019.

Größte Pleite

Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 55 Mio. Euro. Die Insolvenz der Haustechnikfirma a.zoppoth gmbh mit Passiva in der Höhe von rund 15 Mio. Euro ist in Kärnten bislang die größte und bundesweit die zehntgrößte Pleite des Jahres. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 wurden 84 Insolvenzverfahren über Kärntner Unternehmen eröffnet. Weitere 78 Insolvenzanträge führten mangels Vermögens der Schuldner zu nicht eröffneten Verfahren. „In Summe waren 162 Unternehmen mit Verbindlichkeiten von 55 Mio. Euro insolvent. Dabei ist die Insolvenz der Haustechnikfirma a.zoppoth gmbh für ein Viertel der Passiva in Kärnten verantwortlich“, berichtet Mag. Barbara Wiesler-Hofer, Leiterin des KSV1870 Klagenfurt.  

Bundesländer im Vergleich: Die Unterschiede könnten nicht größer sein

Im österreichweiten Durchschnitt sind die Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gleich geblieben (+0,1 %). Auf Bundesländer-Ebene sind die Unterschiede allerdings durchaus gegeben: Einem Minus von 15 Prozent bei der Anzahl der Fälle in der Steiermark steht ein Plus von fast 29 Prozent im Burgenland gegenüber. Mit Ausnahme der Steiermark, Kärnten und Wien verzeichnen alle Bundesländer Steigerungen. Im Bundesländervergleich verzeichnet die Steiermark (- 14,8 %) den größten Rückgang. Kärnten befindet sich in diesem Ranking auf Position 2.  

Bauwirtschaft, unternehmensbezogenen Dienstleistungen und Gastronomie betroffen

Das Kärntner Insolvenzgeschehen wird von kleinen Betrieben aus der Bauwirtschaft, dem Bereich der unternehmensbezogenen Dienstleistungen und der Gastronomie dominiert. 388 Dienstnehmer sind bis dato von den Pleiten direkt betroffen – ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018. Ein großer Teil dieser Dienstnehmer stammt aus dem Insolvenzfall der a.zoppoth haustechnik gmbh aus Gundersheim. Ohne diese 165 Arbeitnehmer wäre die Anzahl der betroffenen Dienstnehmer gegenüber 2018 sogar um 38 Prozent gesunken.

Privatinsolvenzen

Anders sieht es im Bereich der Privatkonkurse aus: +3% stiegen diese in Kärnten an. In Österreich ist die Zahl der Privatkonkurse um 7 Prozent gesunken nur die Steiermark, Kärnten und Salzburg verzeichnen ein Plus. Im ersten Halbjahr 2019 sind in Kärnten die Insolvenzen auf 381 Fälle gestiegen, das bedeutet ein Plus von 3 Prozent.

Ein Blick auf die Statistik zeigt:

Die Schulden sind um 27 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018 gesunken. Gleichzeitig ist auch die durchschnittliche Einzelverschuldung pro Fall rückläufig. Waren es 2018 noch 221.621 Euro, sind es nunmehr im Schnitt 157.480 Euro. „Im 1. Halbjahr 2019 wurden im südlichsten Bundesland Österreichs  insgesamt 381 Insolvenzverfahren über natürliche Personen eröffnet. Das bedeutet eine Steigerung um 3 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2018“, berichtet Mag. Barbara Wiesler-Hofer, Leiterin des KSV1870 Standortes Klagenfurt.  

Steiermark, Kärnten und Salzburg gegen den Österreich-Trend

Im österreichischen Durchschnitt sind die Privatkonkurse im 1. Halbjahr 2019 um rund 7 Prozent gesunken. Steiermark, Kärnten und Salzburg stemmen sich dabei  gegen den Österreich-Trend, denn sie liegen im Plus. Kärnten: Das Bundesland weist einen Zuwachs von 3 Prozent auf und wird – was die prozentuelle Steigerung betrifft – nur von der Steiermark (5,4 %) übertroffen.  

Männer, Städter und Selbständige

Durchschnittlich 63 Prozent aller Privatkonkurse gehen auf das Konto von Männern, in 37 Prozent der Fälle sind Frauen betroffen. Im Bereich der ehemaligen Selbständigen (25 Prozent)  machen Frauen rund ein Drittel der Betroffenen aus. Zudem hat sich gezeigt, dass der Privatkonkurs ein stark urbanes Phänomen ist. Etwa jeder Zweite lebt in der Landeshauptstadt oder in den Bezirksstädten.  

Rückgang der Einzelverschuldung

Im Vergleich zum Vorjahr sind auch die Verbindlichkeiten um 27 Prozent gesunken – sie betragen nunmehr 60 Mio. Euro. Gleichzeitig ist auch die durchschnittliche Einzelverschuldung pro Fall rückläufig. Waren es 2018 noch 221.621 Euro, sind es nunmehr im Schnitt 157.480 Euro.    

Ausblick auf das Jahr 2019

„Die Zahlen befinden sich noch immer deutlich über dem statistischen Mittelwert der vergangenen beiden Jahre. Die Novelle ist aber zweifelsohne in der Realität angekommen. Es ist mit keinem weiteren markanten Anstieg der Zahlen zu rechnen“, so die Einschätzung von Barbara Wiesler-Hofer. „Ich gehe davon aus, dass das zweite Halbjahr noch einige Eröffnungen bringen wird. Ein weiterer Rückgang der Insolvenzen ist mittelfristig nicht zu erwarten. Insgesamt werden die Insolvenzen des Jahres 2019 daher keinesfalls unter 2018 zu liegen kommen“, fasst Barbara Wiesler-Hofer ihre Einschätzung zusammen.