Jede zweite Kärntner Familie kann bei einer Schulschließung die Betreuung nicht sicherstellen

AK-Goach: „Es muss endlich ein Betreuungskonzept auf den Tisch!“

Kärnten -

Die Ergebnisse aus einer aktuellen AK-Umfrage unter 326 Eltern in Kärnten sind alarmierend: Während den Schulschließungen im Frühling hatte fast jeder zweite Elternteil zeitliche Probleme, das Kind beim Lernen zu unterstützen. Für fast ein Drittel war die fachliche Hilfe sehr schwierig. Jede zweite Familie gibt an, dass sie die Kinderbetreuung bei erneuten Schulschließungen nicht sicherstellen kann. „Die Coronakrise belastet Schüler wie Eltern immens! Es muss endlich ein Betreuungskonzept auf den Tisch, wenn es zu Schulschließungen im Pflichtschulbereich kommen soll“, fordert AK-Präsident Günther Goach.


„Während dem Lockdown im Frühling ist die Lernschere noch weiter aufgegangen. Und zwar zwischen jenen Kindern, denen die Eltern beim Lernen helfen können und jenen, wo das leider nicht der Fall ist. So etwas darf sich nicht noch einmal wiederholen“, so Goach und fordert: „Wir begrüßen die Ankündigung, dass die Schulen offen bleiben werden, doch das Bildungssystem muss auf die coronabedingten steigenden Lernrückstände reagieren. Es braucht ein Nachhilfe- und Unterstützungswesen mit regelmäßigen Präsenzblöcken sowie eine kontinuierliche Information an Eltern und Schüler.“

Unter dem Titel: „Auswirkungen auf Familien durch Corona“ startete das Forschungsinstitut SORA, im Auftrag der AK, zwischen 7. und 15. Oktober 2020 eine Befragung unter 2.064 Eltern mit 4.059 Schulkindern. 326 Eltern aus Kärnten beteiligten sich. Die Ergebnisse aus Kärnten im Detail:

Keine Zeit für Homeschooling

Während der letzten Schulschließung hatten 47 Prozent der Eltern zeitliche Probleme, ihr Kind beim Lernen zu unterstützen. Für 31 Prozent war die fachliche Unterstützung sehr schwierig. „52 Prozent der befragten Eltern geben an, dass sie die Kinderbetreuung bei erneuter Schulschließung nicht sicherstellen können. Auch Eltern mit älteren Kindern schildern diese Probleme. Hervorsticht, dass 89 Prozent angeben, dass sie im Frühling keinen Sonderbetreuungsurlaub genommen haben“, weist Goach auf einige der prekären Ergebnisse der aktuellen Umfrage hin.

Stressfaktor Finanzen

Die finanzielle Situation in den Familien ist durch Corona ein weiterer Stressfaktor: 32 Prozent der Kärntner Familien haben größere Geldsorgen als noch vor einem Jahr. 14 Prozent geben an, dass sie sich derzeit die ursprünglich geplante Ausbildung ihres Kindes nicht mehr leisten können.  „Das bedeutet, dass im Schnitt mindestens drei Kinder – pro Schulklasse von 25 Kindern – eine geplante Ausbildung aufgrund der angespannten finanziellen Lage in der Familie nicht absolvieren können“, zeigt sich Goach entsetzt angesichts dieser Zahlen. Auch die erforderlichen technischen Anschaffungen fürs Homeschooling belasten die Eltern.

39 Prozent psychisch belastet

Dass sich diese Situation auf das psychische Wohlbefinden sowohl von Eltern als auch von Kindern auswirkt, bestätigt die SORA-Studie: Für 39 Prozent hat sich die eigene psychische Gesundheit seit Beginn der Coronakrise verschlechtert. Bei den Kindern geben rund ein Drittel der Eltern einen verschlechterten psychischen Zustand an. Seit Beginn der Coronakrise nehmen die Eltern ihre Kinder wahr als: gereizter (37 Prozent), nervöser (31 Prozent), verängstigter (33 Prozent) oder einsamer (24 Prozent). Jeder dritte Erwachsene (31 Prozent) fühlt sich von den Belastungen im Frühling noch immer erschöpft.

Rund ein Drittel der befragten Eltern gibt an, dass sich die Beziehung zum Kind seit Beginn der Coronakrise verbessert hat. 23 Prozent der Eltern meinen, dass ihr Kind ehrgeiziger geworden ist. 71 Prozent geben an, dass sie sich durch die Schule gut informiert fühlen. 72 Prozent meinen, dass die Schulleitung ihre Sorgen ernst nimmt und drei viertel der Eltern (72 Prozent) sehen die Schule sehr gut bzw. ziemlich gut auf neuerliches Homeschooling vorbereitet.

Schule als wichtigster Lernort

Es braucht den Lernort Schule für gelungenes Lernen. Neun von zehn Schülern gehen „sehr oder ziemlich gerne“ zur Schule. Dieser außergewöhnlich hohe Wert muss im Zusammenhang einer drohenden Schulschließung gesehen werden.

Auf Basis dieser Ergebnisse fordert die AK Kärnten:

  • Die klare Planbarkeit für Eltern. Bei einer Schulschließung braucht es ein Betreuungskonzept, das bereits vorab den Eltern Planungssicherheit geben kann.
  • Ein kostenloses Nachhilfe- und Unterstützungswesen. Regelmäßige Präsenzblöcke und tägliche Erreichbarkeit für Schüler und Eltern.
  • Rasche finanzielle Hilfe für einkommensschwächere Eltern, hinsichtlich technischer Anschaffungen für das Homeschooling inklusive technischem Support.
  • Kontinuierliche Betreuung durch beispielsweise Vertrauenslehrer während der Homeschoolingphase.

Vom Lockdown ebenfalls stark betroffen sind aktuell nicht nur Oberstufenschüler, sondern auch Lehrlinge. Auf die Fachkräfte von morgen darf nicht vergessen werden!

  • Lehrlinge dürfen zu keinen Verlierern des zweiten Lockdowns werden. Die Berufsausbildung in den Fachberufsschulen muss weiterhin Hand in Hand mit dem jeweiligen Lehrjahr passieren – die allgemeinbildende aber vor allem die berufspraktische Ausbildung muss sichergestellt sein.
  • Aufgrund der Situation, dass z.B. die Gastronomie und Hotellerie eingeschränkt bzw. behördlich geschlossen wurden, muss in der Zwischensaison die Ausbildung in der Berufsschule ermöglicht werden, sodass den Lehrlingen kein Lehrjahr verloren geht und der anstehende oder laufende Lehrgang zu Ende geführt werden kann.