Diskussion um Wolfsmanagement: Landwirtschaftskammer äußert sich zur Kritik

Kärnten -

Die Landwirtschaftskammer Kärnten weist die in der Pressekonferenz mehrerer NGOs geäußerte Kritik am rechtlichen Umgang mit dem Thema Wolf in Kärnten zurück. Die unkontrollierte Ausbreitung der Wölfe, gerissene Rinder, Schafe und Ziegen, verängstigte Tiere, massive Mehrkosten und ein dramatischer Rückgang der Almbewirtschaftung sind bittere Realität.

LK Kärnten und Almwirtschaftsverein verwehren sich gegen Kritik von NGOs an der Kärntner Wolfsverordnung sowie am Alm- und Weideschutzgesetz.

Ebenso Realität ist die Tatsache, dass der Wolf in Europa längst nicht mehr
vom Aussterben bedroht ist, wie die Absenkung des Schutzstatus in der Berner Konvention
und in der Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie der EU beweist, heißt es seitens der Landwirtschaftskammer. 

Hohes Konfliktpotenzial bestätigt 

Das hohe Konfliktpotenzial – nicht nur für die Almwirtschaft, sondern auch für die
Freizeitwirtschaft – wurde kürzlich von der Universität für Bodenkultur mit der Studie
„Lebensraum- und Konfliktpotential für den Wolf in Österreich“ auch wissenschaftlich bestätigt. Unter dem Strich gilt: Eine Koexistenz zwischen Wolf und Almwirtschaft ist in Kärnten nicht möglich. „Unsere Almbäuerinnen und Almbauern brauchen keine Belehrungen von Organisationen, die nicht wissen, wie Almwirtschaft in der Praxis funktioniert und Herdenschutz als Lösung propagieren“, betont LK-Präsident Siegfried Huber. Besonders empörend ist für Huber der aus der Distanz Wiener Großstadtbüros erhobene Anspruch, Kärntner Betrieben vorzuschreiben, wie sie ihre Tiere zu halten hätten. Die Almwirtschaft sei kein Versuchslabor für praxisfremde Herdenschutzmodelle sondern Lebensgrundlage für viele Betriebe. Zudem zeigen Erfahrungen aus der Schweiz, dass Herdenschutz eine Sackgasse ist. Obwohl dort viele Millionen Franken in derartige Maßnahmen gepumpt wurden, finden die meisten Risse auf „geschützten“ Almen statt.

Striktes Wolfsmanagement unumgänglich

Im Jahr 2022 wurden in Kärnten 400 Nutztiere nachweislich von Wölfen gerissen,
Almbäuerinnen und Almbauern hatten große Sorge um die zukünftige Bewirtschaftung ihrer
Almen. Mit der Umsetzung der Wolfsverordnung und des Kärntner Alm- und
Weideschutzgesetzes ging die Zahl der Risse signifikant zurück. Josef Obweger, Obmann
des Kärntner Almwirtschaftsvereins und der Almwirtschaft Österreich, bezieht hier klar
Stellung: „Mit der Umsetzung der Wolfsverordnung und des Kärntner Alm- und
Weideschutzgesetzes konnten die Nutztierrisse in den letzten drei Jahren um ca. 75%
reduziert werden, obwohl die Anzahl der nachgewiesenen Wölfe im gleichen Zeitraum
zugenommen hat. Dies ist der praktische Beweis dafür, dass eine Bejagung von Wölfen, wie
sie bei anderen Wildtieren ja auch üblich ist, die einzige flächendeckend wirksame Methode
darstellt, unsere Nutztiere auf Almen einigermaßen zu schützen. Ich will mir gar nicht
vorstellen, wie die Situation auf unseren Almen aussehen würde, wenn nicht die Landespolitik mit einstimmigen Beschlüssen die gesetzlichen Möglichkeiten für eine Bejagung geschaffen hätte. Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass ausgerechnet Tierschutzorganisationen mit ihrem Aktionismus für den Schutz von Wölfen die Alm- und Weidehaltung in Frage stellen. Diese ist nämlich unbestritten jene Form der Tierhaltung, die unseren Nutztieren die höchstmögliche Stufe an Tierwohl bringt!“

Forderung nach klarem Schutz für Alm- und Weidetiere

Die Landwirtschaftskammer Kärnten und der Almwirtschaftsverein Kärnten fordern daher zum Schutz der Alm- und Weidetiere weiterhin ein striktes Wolfsmanagement, wie es derzeit mit der Risikowolfsverordnung und dem Alm- und Weideschutzgesetz der Fall ist. Nur so ist eine rasche und rechtssichere Entnahme von Problemwölfen möglich. Alles andere wäre verantwortungslos gegenüber den gealpten Tieren und den Almbäuerinnen und Almbauern, die unsere Kulturlandschaft erhalten, unsere Almen bewirtschaften und hochwertige Lebensmittel produzieren.