Die Firmeninsolvenzen stiegen im Jahr 2018 in Kärnten wieder an

2018: Ein Viertel mehr Dienstnehmer von Pleiten betroffen!

Kärnten -
327 insolvente Firmen mit Verbindlichkeiten von 114 Millionen Euro werden in Kärnten im Jahr 2018 verzeichnet. Mit der Steigerung von 2,2 Prozent liegt Kärnten nicht im Bundestrend. Österreichweit sind die Zahlen mit minus 1,9 Prozent rückläufig. Besonders auffällig ist, dass 2018 in Kärnten viele Dienstnehmer von Pleiten betroffen sind – die KSV1870 Analyse weist ein Plus von 24,5 Prozent aus.  

Im Jahr 2018 wurden 153 Insolvenzverfahren über Kärntner Unternehmen eröffnet. Zusätzlich führten 174 weitere Insolvenzanträge mangels Vermögens der Schuldner nicht zu eröffneten Verfahren. „In Summe sind 327 Unternehmen mit Verbindlichkeiten von 114 Millionen Euro insolvent“, berichtet Mag. Barbara Wiesler-Hofer, Leiterin des KSV1870 Kärnten. Die Insolvenzexpertin analysiert: Die Abweisungen mangels kostendeckenden Vermögens sind um 4 Prozent gestiegen. Die Zahl der Eröffnungen ist gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben. Bei den Eröffnungen ist seit Anfang des Jahres eine Zurückhaltung bei den Eigenanträgen beobachtbar. Es zeigt sich, dass die Gläubiger die Firmen in die Insolvenz schicken. Die Hälfte der Fälle wurden aufgrund ihrer Anträge eröffnet.  

Kärnten verzeichnet zweitgrößte Steigerung

Im österreichischen Durchschnitt sind die Unternehmensinsolvenzen um knapp 2 Prozent gesunken. Mit Ausnahme von Niederösterreich, Kärnten und Vorarlberg verzeichnen alle Bundesländer Rückgänge. Kärnten hat im Bundesländervergleich mit 327 insolventen Firmen ein Plus von 2,2 Prozent – das entspricht 7 Fällen.  

Starker Anstieg bei den betroffenen Mitarbeitern

Die Insolvenzverbindlichkeiten von 114 Millionen Euro sind um mehr als 3 Prozent gesunken. Von den Pleiten direkt betroffen sind 824 Dienstnehmer. Das bedeutet eine Steigerung von mehr als 24,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Es sind mehr Kleinunternehmen, als Betriebe mit 10-49 Dienstnehmern betroffen“, berichtet Barbara Wiesler-Hofer. Nimmt man die Zahl der betroffenen Dienstnehmer als relevante Maßgröße für die Bedeutung eines Insolvenzfalles, zeigt sich, dass im Jahr 2018 pro eröffnetem Verfahren durchschnittlich 5 Dienstnehmer betroffen waren, wogegen es im Vorjahr 4 Dienstnehmer waren.  

Branchen: Unternehmensbezogene Dienstleistungen, Gastronomie und Bauwirtschaft

Nach wie vor dominieren kleine Betriebe aus dem Bereich der unternehmensbezogenen Dienstleistungen, der Gastronomie und der Bauwirtschaft das Kärntner Insolvenzgeschehen. Die 3 größten Insolvenzfälle sind die Ritter & Stark GmbH (Konkurs) aus Feistritz/Rosental mit Verbindlichkeiten von 9,4 Millionen Euro, die ESTO Lighting GmbH (Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung) aus Velden mit Verbindlichkeiten von 8,6 Millionen Euro und die EZ 393 St. Oswald GmbH (Konkurs) aus Bad Kleinkirchheim mit Verbindlichkeiten von 6,3 Millionen Euro.  

Resümee und Ausblick

„Das Insolvenzgeschehen verhielt sich 2018 bei den Unternehmensinsolvenzen wie erwartet. Das Insolvenzgeschehen ist sehr stark von Konjunktur und Zinsniveau bestimmt. Für die Konjunktur ist für 2019 derzeit mit keiner Eintrübung zu rechnen. Eine Zinsanhebung soll frühestens in 2020 erfolgen, sodass in 2019 mit keinem besonderen Zuwachs an Insolvenzen gerechnet werden muss“, fasst Barbara Wiesler-Hofer ihre Einschätzung zusammen.  

Unternehmensinsolvenzen I.-IV. Quartal 2018

Hochrechnung  
Kärnten 2018 2017 Veränderung
Eröffnete Insolvenzen 153 153 0,0 %
Nichteröffnete Insolvenzverfahren (mangels kostendeckenden Vermögens) 174 167 + 4,2 %
Gesamtinsolvenzen 327 320 + 2,2 %
Geschätzte Insolvenzverbindlichkeiten in EUR 114 Mio. 118 Mio. 3,4 %
Betroffene Dienstnehmer 824 662 + 24,5 %
Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten dürfen nicht mit den tatsächlichen Verlusten aus Insolvenzen gleichgesetzt werden. Zu berücksichtigen sind Quotenzahlungen im Rahmen von Sanierungsplänen, Ausschüttungen aus Verwertungen von Konkursmassen sowie Sonderrechte aufgrund von Aus- und Absonderungsrechten.
 

Privatkonkurs

Doch auch im privaten Bereich explodieren die Schulden.Die Hochrechnung des KSV1870 zeigt für das Jahr 2018 in Kärnten einen Anstieg der eröffneten Privatkonkurse um ca. 62 Prozent auf 755 Fälle. Die Verbindlichkeiten betragen 130 Millionen Euro. Das ist ein Rekordwert. Den höchsten Schuldenstand verzeichnete der KSV1870 bisher im Jahr 2015 mit 108 Millionen Euro.

Enormer Schuldenstand

Im Jahr 2018 wurden insgesamt 755 Insolvenzverfahren über natürliche Personen eröffnet, die kein Unternehmen betreiben. Das ist ein Plus von ca. 62 Prozent gegenüber 2017. Was wir hier sehen, ist ein Nachholbedarf aus dem Vorjahr und für niemanden überraschend. „Dennoch ist der Schuldenstand enorm“, berichtet Mag. Barbara Wiesler-Hofer, Leiterin des KSV1870 Standortes Klagenfurt.

Schuldner mit hohen Verbindlichkeiten

Die Verbindlichkeiten betragen 130 Millionen Euro und haben sich fast verdoppelt. „Man erkennt deutlich, dass viele Schuldner mit sehr hohen Verbindlichkeiten zugewartet haben, bis die neue und für sie günstigere Rechtslage einmal in Kraft getreten ist, bevor sie ihre Schuldenregulierung beantragten. Es sind vor allem die ehemaligen Selbständigen, die mit sehr hohen Schulden in das Verfahren gehen. Sie treiben den Schuldenstand in der Statistik nach oben“, so Barbara Wiesler-Hofer. Die durchschnittliche Einzelverschuldung in Kärnten pro Fall stieg von 143.776 Euro auf nunmehr 172.185 Euro.

Kärnten bei der Steigerung an fünfter Stelle

Die eröffneten Privatkonkurse legen 2018 österreichweit um 46 Prozent auf 10.118 Fälle zu. Alle Bundesländer verzeichnen Zuwächse.  Das Burgenland ist mit einem Plus von 125 Prozent Spitzenreiter. Kärnten liegt mit 755 eröffneten Privatkonkursen und einem Plus von 62 Prozent ( 289 Fälle) Fällen bei der Steigerung auf Platz 5.  

Ausblick auf das Jahr 2019

„Bislang werden die Erwartungen eingehalten und ein Nachholeffekt ist zu beobachten. Wir gehen davon aus, dass sich die Zahlen wieder einpendeln werden, sobald die Fälle aus dem aktuellen Ansturm abgewickelt sind. Im Jahr 2019 rechnen wir mit einem Rückgang zu 2018“, so die Einschätzung von Barbara Wiesler-Hofer.