Ein Lesachtaler mit Geradlinigkeit, Bodenständigkeit und Konsequenz

Liesing/ Klagenfurt - Gabriel Stabentheiner (53) wuchs auf einem Bauernhof in Stabenthein bei Liesing im Lesachtal auf und ist Betriebsratsobmann im Bereich Ordinariat/Finanzkammer der Diözese Gurk. Bis zum Jahr 2016 war er auch hauptverantwortlich für die gesamte Kirchenbeitragseinhebung in Kärnten. Seine Frau Aloisia (geborene Ortner) stammt aus Maria Luggau und es gibt zwei gemeinsame Kinder, Melanie (geb. 1991) sowie Manuel (geb. 1993). Bekannt wurde der gebürtige Lesachtaler durch das Forum „Mündige Christen“ – mit rund 6000 Unterschriften im Gepäck ging es in den Vatikan.

Bei der Verabschiedung in Klagenfurt und Aufbruch zur Fahrt nach Rom

Gailtal Journal: Herr Stabentheiner, hat sich die Situation innerhalb der Katholischen Kirche in Kärnten etwas beruhigt?

Gabriel Stabentheiner: Ich glaube, dass die Ernennung von Josef Marketz zum neuen Bischof ein gutes Zeichen war. Er wird von der Bevölkerung als die richtige Antwort auf die Vergangenheit betrachtet. Es wird auch „wohltuend“ empfunden, dass ein Kärntner – also einer von uns – Bischof geworden ist. Das schafft eine gewisse Identifikation und ein Gefühl der Vertrautheit. Offen ist natürlich noch die Klärung bezüglich der Amtszeit von Alois Schwarz. Der Bericht der Visitation liegt schon seit langem in Rom. Leider gibt es bis heute keine Stellungnahme dazu und etwaige Konsequenzen daraus.

Rund 5800 Christen sind im Jahr 2019 aus der Kirche in Kärnten ausgetreten?

Natürlich tut einem das weh. Besonders schmerzt mich, dass viele aufgrund der mangelnden Glaubwürdigkeit aus der Kirche austreten. Der Kirchenbeitrag spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wenn dann in der eigenen Diözese Machtmissbrauch durch einen Bischof zu Tage kommt, dann muss man auch verstehen und akzeptieren, dass sich Menschen angewidert abwenden und aus dieser Gemeinschaft austreten.

Nach der Absetzung des Diözesanadministrators Engelbert Guggenberger riefen Sie zu einer Solidaritätskundgebung auf?

Engelbert Guggenberger hat sich, was die Aufarbeitung der Causa Schwarz betraf, von oberen Instanzen halt nicht „biegen“ lassen. Für ihn war klar, dass man die Glaubwürdigkeit nur durch Ehrlichkeit und Transparenz wiederherstellen kann. Ich sah es als meine Pflicht an – gerade auch als kirchlicher Angestellter – dem Protest eine Form bzw. eine Ausdrucksmöglichkeit zu geben. Gekommen sind dann Leute aus dem ganzen Land. Der Dom war übervoll mit Menschen und es war eine eindrucksvolle Solidaritätsbezeugung für Engelbert Guggenberger und das Domkapitel.
Nach einer Woche wurden die Unterschriften persönlich übergeben

Daraus ist dann das Forum „Mündige Christen“ entstanden, wo Sie als Sprecher neben Gerda Schaffelhofer fungieren?

Es galt einfach eine Initiative zu setzen, damit man aus diesem Ohnmachtsgefühl gegenüber der Kirchenobrigkeit in Wien und Rom herauskommt. Ich hätte selbst nicht geglaubt, dass so etwas möglich ist. Dass man ohne Geld und Organisationsapparat so viel bewegen kann. Nur mit einer Handvoll „Gleichgesinnten“ und einem gemeinsamen Traum von einer Kirche, die im 21. Jahrhundert ankommt. Das war eine tiefe persönliche Erfahrung, dass mit Engagement sowie Glaubensüberzeugung viel möglich ist. Das man eine Petition mit 5.890 Unterschriften organisieren kann und ein wöchentliches Gebet für die Diözese über sieben Monate durchhält.

Sie fuhren mit dem Rad von Klagenfurt nach Rom, im Gepäck die Unterschriften – wie ist es Ihnen dabei gegangen?

Ich habe schön öfters gemeinsam mit meiner Frau längere Radtouren unternommen. Vor zwei Jahren sind wir in 17 Tagen von Wien bis ans Schwarze Meer an der Donau entlanggefahren. Das Radfahren ist für mich kein Problem, sieben bis acht Stunden im Sattel, dies halte ich schon aus. Ich habe mich aber kilometer- mäßig ein wenig verschätzt. Ausgegangen bin ich von 750 Kilometern und geworden sind es dann schließlich 940, richtige Radwege gibt es in Italien ja nicht. Nachdem meine Ankunft nach sieben Tagen medial bereits angekündigt war, musste ich einen Tag im Regen fahren. Rückblickend würde ich sagen: Es war sehr schön und sehr heiß.
Der Stabentheinerhof bei Liesing ist die Heimat des heutigen Klagenfurters

Wie oft kommen Sie noch ins Lesachtal – wie beschreibt man einen typischen Lesachtaler?

Zwei- bis dreimal im Jahr komme ich schon von Klagenfurt in meine Ursprungsheimat. Mit meiner Mutter telefoniere ich aber fast jeden Tag, so bin ich natürlich sehr gut informiert. Ich würde für die Lesachtaler und damit auch für mich selbst ein sehr hohes Maß an Geradlinigkeit, Bodenständigkeit und Konsequenz proklamieren. Dies wird oft als eine gewisse Sturheit bezeichnet. Ich sehe das aber durchaus als positive Eigenschaft.

Verraten Sie uns noch etwas Privates von sich?

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich im Lesachtal aufwachsen konnte. Mein Vater ist ja 1969, als ich eineinhalb Jahre alt war, mit einem meiner Brüder verunglückt. So hat dann meine Mutter allein mit uns drei Buben den Bergbauernhof weitergebracht. Wahrscheinlich aus dem Vorbild meiner Mutter heraus habe ich heute so viel Respekt vor der Leistung, die Frauen erbringen. Vom älteren Bruder Johann habe ich gelernt, dass man alles schaffen und erlernen kann, wenn man es nur angeht und probiert. Die Erfahrung des gemeinsamen Arbeitens am Bauernhof hat mir sehr geholfen und diese Vielseitigkeit bezeichne ich heute als meinen persönlichen „Mythos“ Lesachtal.
Stabentheiner mit seiner Frau Aloisia, sie kommt aus Maria Luggau