Jahresrückblick: Rat auf Draht verzeichnet deutliche Zunahme bei Gewalt- und Angstberatungen

Österreich -

Im Jahr 2025 wandten sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in rund 40.500 Gesprächen an Rat auf Draht, Österreichs Notrufnummer für junge Menschen. Dabei stieg nicht nur die Anzahl der Anfragen, sondern auch die Dauer der Beratungsgespräche im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent – ein Zeichen dafür, dass die Belastungen bei vielen jungen Menschen hoch sind. „Besonders bei Themen wie Gesundheit, Familie, Gewalt oder dem eigenen Befinden dauert es länger, bis sich Ratsuchende öffnen“, erklärt Birgit Satke, Leiterin des Beratungsteams.

Jahresrückblick: Rund 40.000 Gespräche führte Rat auf Draht mit jungen Menschen 2025. Deutliche Zuwächse gab es unter anderem beim Thema Gewalt - auch bei hilfesuchenden Eltern.

Zunahme bei Angst und Gewalt

Die größten Anstiege im Beratungsaufkommen zeigten sich 2025 bei Angst (+29,5 %), körperlicher Gewalt in der Familie (+19,2 %) und psychischer Gewalt in der Familie (+16,9 %). Auch Gespräche zum Thema Suizidalität nahmen um 13,2 Prozent zu. Die häufigsten Anfragen auf der Notrufnummer 147 betrafen weiterhin Informationen zur psychosozialen Versorgung, gefolgt von familiären Problemen. „Die psychischen Belastungen bleiben hoch, aber es gibt auch positive Entwicklungen“, so Satke. So nahm die Zahl der Beratungen zu klassischen Teenager-Themen wie Freundschaft, Peer Group oder Liebeskummer im Vergleich zum Vorjahr um rund acht Prozent zu.

Krisenhilfe nach School Shooting in Graz

Ein besonders herausforderndes Ereignis war das School Shooting in Graz im Juni 2025. Zwischen dem 10. und 22. Juni stiegen die Beratungen um über 15 Prozent auf 1.824 Gespräche an. Viele Anrufer:innen suchten Unterstützung, um ihre Angst zu bewältigen, den Umgang mit den Medienberichten und Social-Media-Bildern zu verarbeiten und das Erlebte einzuordnen. Aus dieser Situation entstand in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium das digitale Chatangebot „Chateria Speciale“, das jungen Menschen speziell bei Fragen zur mentalen Gesundheit zur Seite steht.

Trusted Flagger und Elternberatung

Seit 2025 ist Rat auf Draht auch Trusted Flagger: Kinder und Jugendliche können rechtswidrige Inhalte auf Online-Plattformen direkt über die Website melden, die dann priorisiert bearbeitet werden. Dieses Angebot wurde bereits 157 Mal genutzt. Auch für Eltern war 2025 ein anspruchsvolles Jahr: rund 1.200 Videochatberatungen über elternseite.at zeigten, dass vor allem Fragen zu Erziehung, Pubertät und Alltagsanforderungen im Vordergrund standen. Besonders deutlich stiegen die Beratungen zu Gewalt, die um mehr als 34 Prozent zunahmen. „Jeden zweiten Tag meldet sich ein Elternteil, weil sein Kind Mobbing, psychische oder körperliche Gewalt erlebt“, erklärt Satke.

Blick nach vorne: 2026 bleibt herausfordernd

Für 2026 erwartet Rat auf Draht erneut einen hohen Beratungsbedarf. Psychische Belastungen und mentale Gesundheit werden weiterhin ein zentrales Thema sein, ebenso wie Herausforderungen im digitalen Bereich, inklusive KI. Daneben dürften Zukunftsängste, Leistungsdruck in Schule und Ausbildung sowie globale Krisen wieder wichtige Themen für junge Menschen werden.