Luftbelastung in Kärnten: Forderung nach verstärkten Maßnahmen gegen Feinstaub und Stickstoffdioxid

Kärnten -

Auch wenn die gesetzlichen Grenzwerte für Luftschadstoffe in Kärnten im vergangenen Jahr eingehalten wurden, war die Luftqualität aus gesundheitlicher Sicht weiterhin unzureichend. Eine aktuelle Analyse des VCÖ auf Basis vorläufiger Daten des Umweltbundesamts zeigt, dass die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Richtwerte deutlich überschritten wurden.

Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Belastung in Kärnten war im Vorjahr aus Gesundheitssicht zu hoch

Die höchste PM2,5-Belastung wurde in Kärnten an der Messstelle Klagenfurt Sterneckstraße mit einem Jahresmittelwert von 11,1 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen, gefolgt von Wolfsberg Hauptschule (11 Mikrogramm) und Klagenfurt Völkermarkter Straße (10,5 Mikrogramm). Laut WHO sollte die PM2,5-Feinstaubbelastung im Jahresmittel maximal fünf Mikrogramm betragen.

Feinstaubbelastung über den WHO-Richtwerten

Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien weist darauf hin, dass Feinstaub, insbesondere Ultrafeinstaub, schwere Atemwegs-, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen verursachen kann. Zudem zeigen Studien Zusammenhänge mit Schwangerschaftskomplikationen sowie Erkrankungen des zentralen Nervensystems und Stoffwechselstörungen, darunter erhöhtes Risiko für Demenz und Diabetes. Auch die Stickstoffdioxid-Belastung war aus gesundheitlicher Sicht in Kärnten vielerorts zu hoch. Am stärksten belastet war die Messstelle Klagenfurt Nordumfahrung A2 mit einem Jahresmittel von 20,8 Mikrogramm. Sechs weitere Messstellen überschritten ebenfalls die notwendigen WHO-Richtwerte.

Verkehr als Schlüssel für saubere Luft

Der VCÖ unterstreicht, dass der Verkehr einen entscheidenden Beitrag zu sauberer Luft leisten kann. Besonders wirksam seien Maßnahmen im Pendelverkehr, etwa Mobilitätsmanagement in Unternehmen, bei dem Beschäftigte Anreize erhalten, öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder oder Fahrgemeinschaften zu nutzen. Dies könne gleichzeitig Staus im Frühverkehr reduzieren. Kurzstreckenfahrten verursachen besonders viele Schadstoffe, da der Motor kalt ist – rund jede zehnte Autofahrt findet in fußläufiger Distanz statt, vier von zehn Fahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Städte und Gemeinden könnten durch Verkehrsplanung dazu beitragen, dass mehr Strecken mit dem Fahrrad, E-Bike oder zu Fuß zurückgelegt werden.

Tempolimits als schnellste und günstigste Lösung

Als kurzfristig umsetzbare und kostengünstige Maßnahme nennt der VCÖ niedrigere Tempolimits. Sie reduzieren nicht nur die Abgase von Verbrennungsmotoren, sondern auch den Reifen- und Bremsabrieb aller Fahrzeuge. Insgesamt betont die Expertin Jaschinsky, dass im Interesse der Gesundheit der Menschen der Verkehr sauberer gestaltet werden muss, um die Belastung durch Feinstaub und Stickstoffdioxid zu senken.