Rabenvögel (er)kennen lernen: Faszinierende Intelligenz und Mythen der schwarzen Vögel

Österreich/ Kärnten -

Es sind häufig jene Vögel, die man in der kalten Jahreszeit bereits in den frühen Morgenstunden schreien hört: die Rabenvögel. Dabei sind sie nicht nur gut hörbar, sondernbesonders in der weißen Jahreszeit – auch gut sichtbar. Aber nicht alle Vögel die dunkel sind und krächzen, sind Raben: So tummeln sich neben Raben auch Rabenkrähen, Saatkrähen, Dohlen und einige mehr auf den winterlichen Feldern. Der Naturschutzbund erklärt, wie man Rabenvögel voneinander unterscheidet und was sie so besonders macht.

Rabenvögel, wie beispielsweise die imposanten Kolkraben, treten häufig in großen "Trupps" auf. Sie spielen aufgrund ihrer Vorliebe für Aas eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht.

Schwarzer Vogel ist nicht gleich Rabe

In Österreich leben viele Rabenvögel: Neben dem stattlichen Kolkraben (Corvus corax) mit dem typischen breiten Schnabel – dem größten unserer Rabenvögel, meist sogar größer als ein Mäusebussard – sieht die kleinere Rabenkrähe (Corvus corone), auch Aaskrähe genannt, viel schmaler und zierlicher aus. Verwandt mit der Rabenkrähe ist die Nebelkrähe (Corvus cornix), die sich eher im österreichischen Süd-Osten aufhält, während die Rabenkrähe im Nord-Westen zu finden ist. Neue DNA-Analysen zeigen, dass es sich bei den beiden letzteren nicht etwa um Unterarten – wie früher beschrieben – sondern um zwei eigenständige Arten handelt, die dennoch Hybride bilden. Auch nicht unweit verwandt mit Raben- und Nebelkrähe ist die Saatkrähe (Corvus frugelius). Neben diesen „typischen“ Rabenvögeln, gehören auch beispielsweise die uncharakteristisch gemustert-bunten Eichelhäher und Tannenhäher, oder die Gebirgsarten mit farbigen Schnäbeln und Füßen wie Alpendohle und Alpenkrähe zur Gruppe der Rabenvögel.

Wer hat Angst vorm schwarzen Raben?

Viele Mythen und Sagen ranken sich rund um den Raben: So ging er als Todesvogel oder auch als Unheilbringer in die Kulturgeschichte ein. Diesen Ruf hat ihnen eingebracht, dass sie z.B. auf Schlachtfeldern und bei Seuchenausbrüchen als erstes zur Stelle waren, um sich am frischen Aas zu bedienen. Dabei verminderten sie die Ausbreitung von Krankheitserregern. Die Saatkrähe sieht man im Winter besonders häufig – einfacher Grund dafür: Viele Saatkrähen kommen im Winter aus Nord-Osteuropa nach Österreich, überwintern hier zusammen mit den hier heimischen Individuen und ziehen im Frühjahr wieder ab. „Die Vogelzahl erscheint so subjektiv gesehen viel höher, als sie tatsächlich ist. Das ist jedoch kein Grund zur Sorge – im Gegenteil: Als Aasfresser spielen Rabenvögel eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht“, sagt Carolina Trcka-Rojas, Expertin beim Naturschutzbund Österreich.

Intelligent & sozial

Rabenvögel gehören weltweit zu den intelligentesten Vögeln und sogar zu den intelligentesten Tieren überhaupt. Besonders in Sachen Problemlösung und Werkzeuggebrauch lassen sie die meisten anderen Tierarten alt aussehen. Rabenvögel sind in der Lage, aktiv Werkzeuge zu bedienen, sie können diese auch als Waffen und Abwehrgegenstände verwenden. Ebenso sind sie fähig, physikalische Rätsel, wie z.B. das „Wasserrätsel“ zu lösen. Die Vögel sind auch durchaus sozial intelligent: Sie leben in Gruppen mit hochkomplexen Sozialstrukturen zusammen, der Familienzusammenhalt ist groß, die Dynamik innerhalb der Gruppe ausgefeilt. So können sie gemeinsam Angreifer in die Flucht schlagen, Jungvögel belehren und kranke Gruppenmitglieder schützen.