Isabella Theuermann- I tua wohl…

Kärnten -

Eine Hommage an eine der großen Literatinnen Kärntens sollte es werden. Wie so vieles andere änderte die Corona-Pandemie auch dieses Vorhaben. So kam es, dass das neue Lied von Isabella Theuermann nicht nur der Komponistin des ersten in Moll verfassten Volkslieds – Ottilie Freiin von Herbert – huldigte, sondern zudem zu einem Mahnmal für die unsichtbaren Folgen von COVID-19 wurde.

"I tua wohl…" von Isabella Theuermann

„I tua wohl” wurde von Ottilie Freiin von Herbert kurz vor ihrem Tod verfasst. Über den Tag ihres Verschwindens ranken sich viele Mythen. Am 26. September 1847 fuhr sie nachts alleine mit einem Boot auf den Wörthersee hinaus und kehrte nie mehr zurück. Ihre Leiche wurde nie gefunden, es ist daher ungewiss, ob sie aus unglücklicher Liebe den Freitod wählte oder mit einem unstandesgemäßen Bauernburschen durchbrannte. Vielleicht verunglückte sie aber auch einfach. In “I tua wohl” besingt sie jedenfalls eine unglückliche Liebe. Dies ist das erste Zeugnis eines Volkslieds in Mollton. Es klingt düster, schwer und traurig. Es ist somit nichts, das man schunkelnd auf einem Volksfest grölen würde. Es ist ein Lied, das uns ein Weckruf sein soll und gleichzeitig auch Zeugnis über das aktuelle Stimmungsbild vieler Menschen wiedergibt“, findet Isabella, die als studierte Psychologin immer wieder mit emotionalen Ausnahmezuständen konfrontiert ist.

Unter Liebeskummer leiden, ist eine enorme Belastung

„Unter Liebeskummer leiden, ist eine enorme Belastung, die viele kennen, ebenso können bspw. schulischer oder beruflicher Druck auf die Psyche einwirken. Die meisten von uns haben das Gefühl emotionaler Überlastung schon mindestens einmal in ihrem Leben erlebt, und in der aktuellen Situation erkranken die Menschen vermehrt darunter. Corona ist für viele Menschen definitiv ein Ausnahmezustand. Menschen, die unter psychischen Erkrankungen leiden, stellt Corona vor eine enorme Herausforderung. Corona ist eine “Veränderungskrise”, die mit einem noch nie dagewesenen Kontrollverlust einhergeht. Um diese Krise zu bewältigen, ziehen sich viele Menschen ins Private zurück, was vermehrt zu sozialer Isolation und Vereinsamung führt. Nach Außen hin “tuan diese Menschen jo wohl ois wia won nix war” – sie funktionieren – in ihren Inneren brodelt es jedoch. Es ist ein Leiden der Leisen, und genau das ist die Gefahr. Ottilie von Herbert hat sich auch still und heimlich aus ihrem Leben gestohlen – unabhängig davon, ob sie den Freitod gewählt hat oder nicht. Sie hat es in der Welt, die man ihr zugemutet hat, nicht mehr ausgehalten. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Belastungen durch Corona derart untragbar für psychisch Kranke werden, dass sie versucht sind, sich aus dieser Welt zu stehlen“, erklärt die Sängerin.

Psychisches Leiden kann jeden von uns treffen

Das Lied, das bereits mehrfach und auch sehr erfolgreich vertont wurde – unter anderem vom Musiker Fuzzman – ist für die Wolfsbergerin gerade wegen seiner besonderen Dramatik perfekt, um auf einen Umstand hinzuweisen, über den gerne hinweggesehen wird: „Psychisches Leiden gibt es und es kann – wie Corona auch – jeden von uns treffen. Wir müssen diese Krankheitsbilder vermehrt berücksichtigen, denn dem physischen Tod geht meist ein soziales Sterben voraus“, so Isabella, die hofft, mit “I tua jo wohl” zu mehr Sensibilisierung für die psychischen Folgen der Corona-Einschränkungen beitragen zu können.