Als es in Hermagor noch eine Schanze gab…

Hermagor -

Nicht im Skispringerdorf Achomitz gab es die erste Skisprungschanze, sondern in Hermagor. Sie wurde bereits 1948 gebaut und bekam den Namen „Wulfeniaschanze“.


Fritz Sölle, der im März seinen 94. Geburtstag feiert, war der eigentliche Ideenbringer, dass es dazu kam. „Ich fuhr bereits Skirennen und habe bei Jugendmeisterschaften in Hall/Tirol und Semmering teilgenommen. Es gab zur damaligen Zeit im alpinen Rennlauf auch eine Dreierkombination aus Slalom, Riesenslalom und Sprunglauf. Da bin ich zum Hermagorer Sportclubpräsidenten Dr. Wolf Zimek gegangen und hab gefordert ,Wir brauchen eine Schanze!‘“. Der Hausarzt reagierte sofort und hat am Fuße des Eggforstes ein Grundstück dafür gefunden. Es gehörte Tischlermeister Willi Domainko, der beim SC Hermagor auch Funktionär war. Praktisch: Auf diesem Domainko-Grund war für Beobachtungen des Luftraumes aus der Kriegszeit ein relativ hoher Holzturm vorhanden.

Die ehemalige Sprungschanze in Hermagor

Holzturm diente als Anlauf

So kam es 1948 mit vielen freiwilligen Helfern – auch aus der Altgemeinde Egg – zum Bau der sogenannten Wulfeniaschanze. Der bestehende Holzturm wurde entsprechend saniert und als Anlauf verwendet.

Internationaler Dreiländerwettkampf

Die offizielle Einweihung erfolgte erst später und zwar im Feber 1951 – danach gab es viele Wettbewerbe. Höhepunkt war 1954 mit dem ersten, großen internationalen Jugend-Dreiländerkampf mit Teilnehmern aus Italien, Jugoslawien und Österreich. Die letzte große Dreierkombination fand 1960 mit der Kärntner-Jugendmeisterschaft statt.

Schanzenrekord war 45 Meter

Der K-Punkt der Schanze lag bei 40 Metern und der Schanzenrekord von 45 Metern wurde von einem gewissen Hans Baumgartner aus Villach aufgestellt. Ein guter Skispringer war auch Walter Sölle, der Bruder von Fritz. Die Skier wurden von Vater Hans hergestellt, der in Kühwegboden wohnte und dort auch seine Tischlerei hatte. Übrigens haben in Hermagor auch einige Villacher trainiert und hatten natürlich schon einiges mehr an Erfahrung, weiß Fritz Sölle.

Mit Schlepplift versank die Schanze

Mit dem Bau des ersten Schleppliftes 1955, bekannt damals als „Kaltenhofer-Hang“ und der späteren Trennung des alpinen sowie nordischen Bereiches versank die Schanze in einen Dornröschenschlaf. Laut Chronik der Skisektion Hermagor wurde die Schanze in weiterer Folge 1962 abgetragen.

In den 50er Jahren war Fritz Sölle einer der besten Skirennläufer

Ein Pionier des Skisports und erfolgreicher Rennläufer

Fritz Sölle war ein Pionier des Skisports und hat maßgeblich zur Entwicklung des Skigebietes Nassfeld beigetragen und die „Wörld of Sölle“ mitbegründet. In den 1950er Jahren war der Unternehmer einer der besten Skifahrer Österreichs. Sölle gewann unter anderem das Gartnerkofel-Rennen und nahm auch an den legendären Glockner-Rennen teil. Dort traf er auf Größen wie Toni Sailer.

Gründung der ersten Skischule

Später gründete Sölle die Skischule am Nassfeld und war viele Jahre Chef des Kärntner Skischulverbandes. Mit seinem Team bildete er hunderte von Skilehrern aus und nutzte internationale Kontakte, um die österr. Skifahrtechnik weltweit zu verbreiten.