Evangelischer Glaubensbote für den Sonntag „Lätare“, den 4. Sonntag der Passionszeit

Treßdorf - Veronika Ambrosch ist Evangelische Pfarrerin im Oberen Gailtal. Ihre Predigt für diesen Sonntag Lätare“ soll auch in schweren Krisenzeiten in jedes  Haus gelangen:

Das Foto der Evangelischen Kirche in Tressdorf wurde uns am 22.12. von (c) Werner Buchacher übermittelt
Deshalb grüsse ich euch, meine liebe Pfarrgemeinde und alle die meine Predigt lesen, zwar aus der Ferne, aber umso herzlicher im Glauben verbunden mit dem biblischen Spruch für die neue Woche aus dem Johannesevangelium Kapitel 12, Vers 24:
Pfarrerin Veronika Ambrosch möchte auch in dieser schwierigen Krise den Menschen mit ihrer Predigt Trost und Hoffnung geben
  • „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.  (Psalm 124,8) Der Friede des Herrn sei mit Dir! Amen Hoffnung und Trost bekommen wir durch die Worte des wohl vertrauten Liedes EG 447 Lobet den Herren alle, die ihn ehren.
  1. Lobet den Herren alle, die ihn ehren; lasst uns mit Freuden seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen.Lobet den Herren!
  1. Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket: Lobet den Herren!
  1. Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!
  1. Dass Feuerflammen uns nicht allzusammen mit unsern Häusern unversehns gefressen, das macht’s, dass wir in seinem Schoß gesessen. Lobet den Herren!
  1. Dass Dieb und Räuber unser Gut und Leiber nicht angetast’ und grausamlich verletzet dawider hat sein Engel sich gesetzet. Lobet den Herren!
  1. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, ach lass doch ferner über unser Leben bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben. Lobet den Herren!

Wir beten mit Worten von unserem Wochenpsalm 84 (EG 734)

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln Wenn sie durchs dürre Tal zieh wird es ihnen zum Quellgrund und Frühregen hüllt es in Segen.Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion. Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet, vernimm es, Gott Jakobs! Gott, unser Schild, schaue doch; sieh doch an das Antlitz deines Gesalbten! Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in der Gottlosen Hütten. Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet: Du, Gott der Barmherzigkeit, so oft beschenkst mich mit Momenten des Glücks und der Unbeschwertheit.Es gibt aber auch Tage wie diese, da lebt es sich nicht gar so leicht. Du, Gott der Barmherzigkeit, mutest mir auch solche Zeiten der inneren Unruhe, der Krankheit und der Verunsicherung zu.Ja, es gibt solche Tage, da fällt es mir schwer, im Glauben zuversichtlich zu sein. Dann spüre ich im alltäglichen Leben nichts von der Freude, die du in mir wecken willst. Ich danke dir aber, mein Gott, dass du gerade in solch schweren Zeiten bei mir bist. Deshalb rufe ich zu dir: Verwandle meine Trauer in Freude und erbarme Dich meiner! Der Psalmbeter ist sich gewiss:
  • „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.“(Psalm 126, 5-6).

Predigt-Gedanken über 2. Korinther 1, 1-6

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn! Die Freude mitten im Leid ist das Thema des heutigen Sonntages „Laetare“ („Freuet euch mit Jerusalem!“ Jesaja 66,10). Zur Freude werden wir gerade heute mitten in der Passionszeit und inmitten der wohl größten Krise der Neuzeit aufgefordert! Ist das überhaupt möglich? Die Zuversicht und die Hoffnung zu behalten, isoliert von sozialen Kontakten, die über die engste Familie hinausgehen, ohne den gewohnten Tagesablauf? Können wir das? Ich denke, es ist schon möglich, denn: Jesus Christus gibt uns die nötige Kraft dazu! Davon ist auch der Apostel Paulus überzeugt. Seiner Gemeinde in Korinth schreibt er mitten in Zeiten von Auseinandersetzungen und Konflikten einen Brief des Trostes. Und gerade solch einen Trost brauchen auch wir in diesen Tagen:
  • Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil.“  (2. Korinther 1, 1-6).
  • Ich habe den Eindruck: Paulus spricht hier mitten hinein in die Realität unseres Lebens: Schwere Tage von massiven Einschränkungen unserer Freiheit, den Verlust der Arbeit und unserer sozialen Kontakte, Zukunftsängste, Trübsal und Leid. Und wir stehen erst am Anfang dieser Krise!
  • Paulus selbst litt unter einer Krankheit. Wir wissen nicht genau, unter welcher, aber gerade daraus gewinnt der Apostel Kraft, weil er Christus, seinen Herrn, umso stärker in ihm wirken lassen kann: Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn, wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ (2. Kor.12, 7-10).
  • Ja, ich denke und wage hier den aktuellen Transfer: Wir haben in diesen Tagen durchaus etwas mit Paulus und mit den vielen Menschen auf der ganzen Welt gemeinsam: Unser Leben ist aus den Fugen geraten! Wir erleben eine Virus-Pandemie, eine weltweite Katastrophe. Fast nichts mehr ist und wird mehr sein, wie es vorher war. So viel steht fest! Das. Ist. So. Und das ist nur schwer auszuhalten; zumindest geht es mir persönlich so. Das, was uns eventuell Trost spenden kann, ist da die Beziehung zu Gott! Unsere Glaubensväter haben es im Heidelberger Katechismus (verfasst im Jahr 1563) ganz treffend und prägnant formuliert: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Mein einziger Trost im Leben wie im Sterben ist, dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.“
  • Und ich denke: Auch für den Apostel Paulus sind sein größter Trost und seine größte Hoffnung seine Beziehung zu Christus. Durch sein Leiden fühlt er sich ihm besonders nahe. Und genau das tröstet ihn und schenkt ihm neue

Hoffnung: „Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.“  (2. Kor.1,5).

„Geteiltes Leid ist halbes Leid“ sagt uns die Lebenserfahrung

Wenn ich in meinem Leben und in meinem Leid nicht allein nicht gelassen bin, tröstet mich das. Im Zentrum steht die Beziehung. Aber was, wenn mich die gute Freundin, das kleine Enkerl, der eigene Sohn nicht mehr besuchen und in den Arm nehmen darf? Wer füllt dann diesen Leerraum aus, unsere Sehnsucht nach Nähe? Auch da lesen wir bei Paulus eine Antwort auf unsere Frage heraus: Er erlebt Gott als seinen Freund. Nicht als einen Freund in heutigem Sinne. Er begegnet ihm im Gebet, im Reden mit Gott und im Hören auf Gott, d.h. im Lesen der heiligen Schriften. Auch, wenn der soziale Aspekt, das Teilen von Brot und Wein und die Gemeinschaft mit Menschen im Moment wegfallen, so kehrt Gott doch gerne bei uns ein und lässt uns seine Nähe und Liebe spüren. Und dieses Gespür für Gottes Gegenwart ist der Glaube. Die Freundschaft zu Christus ist keine sichtbare. Wir sehen ihn nicht und glauben doch. So ist Christus für uns da, und wir dürfen erfahren, dass wir gerade im Leid reichlich getröstet werden. Gott hat zu Paulus gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2.Kor 12,9) Amen.

EG 398 In dir ist Freude in allem Leide

  1. In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ! Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist; hilfest von Schanden, rettest von Banden. Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja. Zu deiner Güte steht unser G’müte, an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.
  2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.

Fürbittengebet in Krisenzeiten

  • Herr, wir bringen dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung: Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden, und tröste all jene, die jetzt trauern.
  • Herr, wir bringen dir alle, die in Quarantäne sein müssen, und alle, die sich einsam fühlen und verlassen: Berühre du ihre Herzen mit deiner Sanftheit.
  • Herr, wir bringen dir alle, die in Panik und von Angst überwältigt sind: Lege ihnen Frieden in ihre Herzen inmitten des Sturms.
  • Herr, wir bringen dir alle, die großen materiellen Schaden befürchten oder um ihre Existenz bangen: Schenke ihnen Zuversicht und Hoffnung, dass alles doch wieder gut wird.
  • Herr, wir bringen dir unsere Ärztinnen und Forscher, Krankenschwestern und Pfleger: Schenke ihnen Weisheit und Energie und Kraft in dieser extremen Belastung.
  • Herr, wir bringen dir unsere Politiker und Menschen in Schlüsselpositionen:Gib ihnen Besonnenheit und Weisheit.
  • Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit und lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist.Mach uns dankbar für so vieles, was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen. Dir vertrauen wir auch in diesen Zeiten. Amen.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Gott segne euch mit festem Vertrauen und besonnenem Herzen. 
  • Eure Pfarrerin Veronika Ambrosch