Lkw-Verkehr nimmt massiv zu

Hermagor/Wien - Was Autofahrer subjektiv empfinden, wird nun durch die Daten einer aktuellen VCÖ-Analyse bestätigt.

Starke Zunahme des Schwerverkehrs in Kärnten
Der Lkw-Verkehr auf Kärntens Autobahnen hat in den vergangenen fünf Jahren massiv zugenommen. Auf der A2 bei Villach nahm der Schwerverkehr um ein Viertel zu, auf der A11 um fast ein Drittel. Der VCÖ fordert verstärkte Lkw-Kontrollen, eine EU-weite Mindestmaut und den verstärkten Ausbau der Schiene.

Verdoppelung

„Der Lkw-Verkehr auf Österreichs Autobahnen hat in den vergangenen fünf Jahren rund doppelt so stark zugenommen wie das Wirtschaftswachstum. Die rechte Fahrspur ist zur rollenden Lagerhalle geworden, auch ein Zeichen dafür, dass der Lkw-Transport zu billig ist“, fasst VCÖ-Experte Markus Gansterer eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zusammen. Der VCÖ hat österreichweit 196 Zählstellen auf Autobahnen und Schnellstraßen analysiert.

Erschreckende Zahlen

In Kärnten waren die meisten Lkw im Vorjahr auf der A2 bei der Zählstelle Villach unterwegs. Pro Werktag waren hier im Schnitt 6.270 Schwerfahrzeuge unterwegs, um rund 26 Prozent mehr als im Jahr 2013, informiert der VCÖ. Bei Pörtschach und Krumpendorf waren mit jeweils rund 5.500 Schwerfahrzeuge pro Werktag um 22 Prozent mehr unterwegs als vor fünf Jahren, auf der A10 bei Spittel an der Drau mit rund 5.160 um rund 20 Prozent mehr. Auf der A11 nach der Schwerverkehr um fast ein Drittel zu, bei St. Martin und beim Karawankentunnel waren im Schnitt rund 2.200 Schwerfahrzeuge pro Werktag unterwegs.

Schäden

Die negativen Auswirkungen der massiven Zunahme des Lkw-Verkehrs sind zahlreich: Luftverschmutzung, Lärmbelastung für die Anrainerinnen und Anrainer,  Abnützung der Straßen und dadurch verursachte Fahrbahnschäden sowie erhöhte Unfallgefahr. Erst diese Woche hat ein Lkw-Unfall auf der Tauernautobahn zu einem rund 30 Kilometer langen Stau geführt.

Maßnahmen

Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen sowohl auf EU-Ebene als auch in Österreich. In Österreich sind mehr Lkw-Kontrollen nötig. Damit können mehr Lkw, die durch technische Mängel eine Gefahr darstellen, rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen werden. Auch die arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen sind stärker zu kontrollieren, die hohe Toleranzgrenze beim Überschreiten von Tempolimits – für Lkw gilt auf Autobahnen Tempolimit 80 – ist abzuschaffen. „Sozial- und Preisdumping kann nur durch verstärkte Kontrollen eingedämmt werden. Es geht hier auch um faire Wettbewerbsbedingungen für jene Frächter, die sich an die Regeln halten“, so VCÖ-Experte Gansterer.

Weniger Ausbau

Österreich kann zudem durch den rascheren Ausbau der Schieneninfrastruktur, durch mehr betriebliche Gleisanschlüsse und durch die Abschaffung der Steuerbegünstigung auf Diesel dazu beitragen, dass mehr Güter mit der Bahn statt mit Lkw transportiert werden. Gleichzeitig ist beim Ausbau der Autobahnen und Schnellstraßen auf die Bremse zu steigen. „Straßenausbau führt zu mehr Verkehr. Mit dem Ausbau der Autobahnen wurde schon in der Vergangenheit dem Lkw-Transit der rote Teppich ausgerollt“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

Umdenken ist notwendiger denn je

Für das Transitland Österreich sind zudem verstärkte Maßnahmen auf EU-Ebene nötig. Neben dem verstärkten Ausbau der grenzüberschreitenden Bahnverbindungen und dem Abbau bürokratischer Hürden spricht sich der VCÖ auch für eine europaweite Mindestmaut für Lkw aus. „Dass es sich rechnet, Schweine aus Ostdeutschland nach Italien zu transportieren, um dann als Schinken wieder nach Deutschland transportiert zu werden, zeigt, dass der Lkw-Transport in Europa zu billig ist“, verdeutlicht VCÖ-Experte Gansterer

Schwerverkehr

Starke Zunahme des Schwerverkehrs in Kärnten  (Anzahl Kfz > 3,5 Tonnen pro Werktag im Jahr 2018)
  •        A2 Villach: 6.270 pro Werktag (plus 26,4 Prozent)
  •        A2 Pörtschach Ost: 5.520 pro Werktag (plus 22,1 Prozent)
  •        A2 Krumpendorf: 5.480 pro Werktag (plus 22,5 Prozent)
  •        A10 Spittal / Drau: 5.160 pro Werktag (plus 20,4 Prozent)
  •        A2 Grafenstein: 4.410 pro Werktag (plus 21,5 Prozent)
  •        A 11 St. Martin: 2.210 pro Werktag (plus 30,9 Prozent)
  •        A11 Karawankentunnel: 2.170 pro Werktag (plus 31,6 Prozent)
(Quelle: Asfinag, VCÖ 2019)