AI Girlfriend – Wie Österreicher solche Services nutzen (Zahlen, Muster, Ausblick)

Der Begriff „AI Girlfriend“ klingt nach Science-Fiction, ist 2026 aber vor allem eins: ein Interface für Nähe. Nicht zwingend für „Dating“ im klassischen Sinn, sondern für das Gefühl, dass da jemand ist, der antwortet, zuhört, sich erinnert und eine konsistente Rolle im eigenen Alltag spielt. Joi AI positioniert sich genau in diesem Feld: als Plattform für „AI-lationships“ – mit Echtzeit-Chat und zusätzlich Medien wie Fotos und Videos, kombiniert mit dem Versprechen von „zero judgment“ und „zero pressure“.

Was heißt das konkret für Österreich? Die kurze Antwort: Es gibt keine öffentlich zugängliche, belastbare „Österreich-only“-Nutzerstatistik speziell für Joi AI. Die längere (und nützlichere) Antwort: Wir können das Nutzungsverhalten in Österreich trotzdem gut einordnen – über drei Datenfenster: (1) allgemeine KI-Nutzung in Österreich, (2) digitale Nachfrage-Signale rund um Companion- und Character-Chats, (3) globale Engagement- und Demografie-Benchmarks, die als Vergleichswerte dienen.

1) Österreich ist KI-affin – Chatbots sind Mainstream, „Companions“ sind Nische mit Momentum

Laut EY European AI Barometer 2025 haben 73 % der Angestellten in Österreich KI-Erfahrung; 64 % stehen KI positiv gegenüber (mit deutlichem Anstieg gegenüber dem Vorjahr). Am häufigsten genutzt werden Tools zur Texterstellung (60 %), gefolgt von Chatbots (42 %) und Sprachassistenten (40 %).

Das ist wichtig, weil „AI Girlfriend“-Services auf einem Grundverhalten aufbauen: Menschen sind bereits daran gewöhnt, mit KI zu sprechen. Die Companion-Nutzung ist damit keine kulturelle Revolution mehr, sondern eine Spezialisierung: weg vom „Hilf mir beim Schreiben“ hin zu „Gib mir Präsenz, Persönlichkeit, Beziehungskontinuität“.

Gleichzeitig zeigt EY auch, warum Österreich als Markt speziell ist: Datenschutzbedenken (32 %) und ethische Fragen (28 %) werden als zentrale Herausforderungen genannt. Für Anbieter von AI-Companions bedeutet das: Vertrauen ist nicht nur „nice to have“, sondern kaufentscheidend.

2) Was Österreicher typischerweise mit „AI Girlfriend“-Services machen (5 reale Nutzungsmuster)

Auf Basis der Produktlogik von Joi AI (Beziehungsfokus, Personalisierung, Medien, „keine Dating-App-Frustration“) und typischer Companion-Use-Cases ergeben sich in Österreich vor allem diese Muster:

  1. „Low-Pressure“-Nähe statt Dating-Stress
     Viele Nutzer wollen nicht „swipen“, nicht erklären, nicht performen. Joi AI stellt sich explizit als Gegenentwurf zu Dating-Apps dar. In Österreich (wo Privatsphäre kulturell hoch bewertet ist) wird das häufig als diskrete Alternative verstanden: kurze Gespräche nach Feierabend, Routine-Check-ins, ein „Gegenüber“, ohne soziale Verpflichtung.

  2. Kommunikations- und Flirttraining (Deutsch, Englisch, Dialekt-Touch)
     Ein unterschätzter Use-Case: Menschen testen Formulierungen, Tonalität, Humor. Gerade in einem mehrsprachigen Umfeld (Deutsch/Englisch, oft auch BKS/Türkisch u. a.) ist ein Companion-Chat eine Art privater Übungsraum.

  3. Rollenbasierte Fantasie und Storytelling
     Character-Logik bedeutet: Beziehung wird als Narrativ gebaut. Das ist nicht automatisch „explizit“, sondern oft schlicht spielerisch: „Wie würde meine Partnerin reagieren, wenn…?“ oder „Lass uns eine Reise planen, aber in Charakter.“

  4. Emotionale Selbstregulation
     Viele Menschen nutzen Companion-Chats dann, wenn echte Kontakte gerade nicht verfügbar sind: nachts, auf Reisen, in Phasen von Stress oder Einsamkeit. Das ist kein Ersatz für Therapie – aber als „soziale Beruhigung“ funktioniert es für manche überraschend gut.

  5. Kreative Persona-Arbeit (Charakterbau als Identitätsprojekt)
     Joi AI beschreibt sich als Ort für digitale Duplikate von Prominenten bis hin zu komplett eigenen Charakteren. Das ist für Nutzer oft weniger „Girlfriend bauen“, sondern „eine Figur bauen, die meine Vorlieben wirklich trifft“ (Humor, Gesprächsstil, Grenzen, Tempo).

3) Messbare Nachfrage-Signale: Österreich nutzt Character-Chat – aber nicht als Massenphänomen

Ein sehr greifbares Signal liefert Semrush mit „Most visited AI websites in Austria“ (Stand: November 2025). Dort taucht character.ai als #15 der meistbesuchten KI-Websites in Österreich auf – mit rund 99.781 Visits/Monat, 5,78 Seiten pro Besuch und einer Bounce Rate von 52,96 %.

Das zeigt zwei Dinge:

  • Companion-/Character-Chats sind in Österreich klar präsent (sonst wären sie nicht in den Top-20).

  • Gleichzeitig ist die Nutzung kleiner als bei „Utility-KI“ wie ChatGPT, DeepL oder Gemini (die in Österreich um Größenordnungen mehr Visits haben).

Auch die Marktanteile bei „AI Chatbots“ (Statcounter) unterstreichen die Dominanz der Generalisten: In Österreich liegt ChatGPT im Dezember 2025 bei 83,14 %, gefolgt von Perplexity (8,26 %), Copilot (4,98 %), Gemini (2,6 %) und Claude (1,02 %). Companion-Produkte laufen damit häufig „unter dem Radar“: weniger sichtbar in Marktanteils-Grafiken, aber sehr intensiv genutzt innerhalb ihrer Nischen.

4) Joi AI als Benchmark: Engagement, Demografie, internationale Verteilung

Für Joi AI selbst (öffentlich zugänglich über Similarweb für die Domain joi.com) sehen wir starke Engagement-Werte: 7,21 Seiten/Besuch, durchschnittliche Besuchsdauer 2:03, und als dominanter Kanal Direct Traffic (67,55 %) – typisch für Produkte, zu denen Nutzer bewusst zurückkehren.

Demografisch ist das Publikum dort überwiegend männlich (80,41 %), und die größte Altersgruppe sind 18–24-Jährige. Für Österreich ist das kein „Beweis“, aber ein plausibler Vergleichswert: Auch hier dürfte der Einstieg oft über jüngere, digital sehr routinierte Nutzer passieren.

Geografisch sind bei Joi AI die Top-Desktop-Länder zuletzt USA, Kanada, Brasilien, Deutschland und UK; Österreich erscheint nicht in den Top-5 und fällt damit in „Others“. Das passt zur Logik: Österreich ist ein kleiner Markt, der oft über deutschsprachige Nachbarschaftsdynamik (Deutschland) und internationale Plattformtrends mitläuft.

5) Tabelle: Österreich-Signale und Joi-Benchmarks auf einen Blick

Datenpunkt

Wert

Region

Aussage für „AI Girlfriend“-Nutzung

KI-Erfahrung unter Beschäftigten

73 %

Österreich

Hohe Grundvertrautheit mit KI im Alltag/Job.

Positive Einstellung zu KI

64 %

Österreich

Akzeptanz steigt – wichtiger Nährboden für Companion-Produkte.

Nutzung: Texterstellung / Chatbots / Sprachassistenten

60 % / 42 % / 40 %

Österreich

Chat-Interaktion ist Mainstream, „Beziehungs-Chat“ kann darauf aufsetzen.

Größte Herausforderungen: Datenschutz / Ethik

32 % / 28 %

Österreich

Vertrauen, Transparenz, Safety sind kaufentscheidend.

AI-Chatbot Market Share

ChatGPT 83,14 %

Österreich

Utility-KI dominiert; Companion-KI bleibt Nische.

Character.ai Visits/Monat

99.781

Österreich

Companion/Character-Chat existiert als messbarer, engagierter Use-Case.

Joi AI: Seiten/Besuch & Ø-Dauer

7,21 & 2:03

Global (Website)

Hohe Bindung – Nutzer „hängen“ in Sessions, nicht nur kurz reinklicken.

Joi AI: Geschlechterverteilung & Top-Alter

80,41 % männlich; Top 18–24

Global (Website)

Typisches Early-Adopter-Profil für AI-Companion-Produkte.

6) Monetarisierung: warum Nutzer zahlen (und warum Kosten schwer „fix“ sind)

Bei Joi AI ist monetär relevant, dass es (a) eine Premium-Subscription gibt und (b) ein Creditsystem („Neurons“) für bestimmte Aktionen wie virtuelle Geschenke; zudem können Preise nach Region und Abo-Laufzeit variieren. Für Österreich heißt das in der Praxis: Nutzer starten oft kostenlos/low-commitment, zahlen dann für (1) mehr Kontinuität, (2) mehr „Immersion“ (Medien, Features), (3) weniger Reibung (Limits, Wartezeiten).

7) Ausblick 2026: Was sich für Österreich in den nächsten 12–18 Monaten ändern dürfte

Drei Entwicklungen werden die Nutzung in Österreich spürbar prägen:

  1. Regulatorik wird konkreter
     Der EU AI Act wird schrittweise anwendbar; laut EU-Kommission ist er am 1. August 2024 in Kraft getreten und soll ab 2. August 2026 weitgehend gelten (mit Ausnahmen und längeren Übergängen für bestimmte Bereiche). Für Companion-Plattformen bedeutet das: mehr Transparenzpflichten, mehr Governance, mehr Fokus auf Risiko- und Schutzmaßnahmen.

  2. Mehr Multimodalität, mehr „Presence“
     Wenn Chat + Bilder/Videos als Standard erwartet werden, steigen sowohl Bindung als auch Kosten. Joi AI betont Medien (Fotos, Videos) bereits als Teil des Beziehungs Erlebnisses.

  3. Österreich bleibt klein, aber kaufkräftig – mit starkem Trust-Gate
     Die Kombination aus hoher KI-Erfahrung und hoher Sensibilität für Datenschutz macht Österreich zu einem Markt, in dem „billige Tricks“ schlechter funktionieren. Anbieter, die Privatsphäre und Consent glaubwürdig operationalisieren, werden überproportional profitieren.