Hermagor wird zum internationalen Treffpunkt der Namensforscher

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Hermagor-Pressegger See -

Kleine Namen erzählen große Geschichten: Unter dem Thema „Mikrotoponyme als kulturelles Erbe“ findet am 12. und 13. Oktober 2026 im Alpen Adria Hotel & Spa,  Hermagor-Pressegger See, ein internationales Symposium statt. Bereits 2014 war die UNGEGN-Arbeitsgruppe für Exonyme hier zu Gast.

Internationales Symposium widmet sich der Bedeutung und Bewahrung von Mikrotoponymen

Mikrotoponyme sind geografische Namen für kleine Objekte wie einzelne Bauernhöfe und Häuser, Felder, Weiden, Zäune, Steine, Quellen oder Gräben. Vor allem in ländlich geprägten Regionen kommen sie in großer Dichte vor. Sie bilden eine besonders unmittelbare Namenlandschaft und geben Einblick darin, welche Besonderheiten Menschen in ihrer Umgebung wahrgenommen und für wichtig erachtet haben.

Dabei erzählen Mikrotoponyme gleich in zweifacher Hinsicht: über das bezeichnete geografische Objekt und über den kulturellen und wirtschaftlichen Hintergrund jener Menschen, die ihm seinen Namen gaben. Damit sind sie ein wichtiger Bestandteil des immateriellen kulturellen Erbes, wie es auch die UNESCO-Konvention von 2003 festhält und zunehmend die Expertengruppe der Vereinten Nationen für Geografische Namen (UNGEGN) anerkennt.

Namenlandschaft in Gefahr

Gerade im globalen Norden drohen viele dieser Namen in Vergessenheit zu geraten. Mit dem Wandel von agrarisch geprägten zu industriellen und dienstleistungsorientierten Gesellschaften hat die Bedeutung kleinflächiger Landwirtschaft abgenommen. Flächen wurden zusammengelegt und traditionelle Nutzungsformen verschwanden.

Die heute ältere Generation kennt vielfach noch jene Mikrotoponyme, die als wichtige Quellen für die Erforschung früherer Landnutzung und der Wahrnehmung unserer Umwelt dienen können. In den vergangenen Jahren wurden daher zahlreiche Erhebungen durchgeführt. Das Symposium bietet Gelegenheit, Ergebnisse und Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam über die Zukunft dieser besonderen Namenlandschaft zu diskutieren.

Von der Forschung bis zur Bewahrung

Im Mittelpunkt des Symposiums stehen unter anderem der theoretische Hintergrund geografischer Namen und Mikrotoponyme als kulturelles Erbe, internationale Studien und Forschungsergebnisse, dokumentierte Benennungsmotive, die besonderen Anforderungen bei der Standardisierung von Mikrotoponymen sowie Möglichkeiten, traditionelle Namen auch in einer zunehmend urbanisierten Umgebung zu bewahren.

Das Symposium soll nicht nur Vorträge und Meinungsaustausch ermöglichen, sondern auch in eine Veröffentlichung der Ergebnisse münden.

Internationale Fachwelt zu Gast in Hermagor

Das Symposion unter den Auspizien der Niederländisch- und Deutschsprachigen Abteilung (Dutch- and German-Speaking Division, DGSD) der UNGEGN, eines in der Serie der GeoNames-Symposien, wird von deren Vorsitzenden Peter Jordan organisiert, unterstützt vom österreichischen Expertengremium für geographische Namen unter dem Vorsitz von Mag. Dr. Roman Stani-Fertl und mitorganisiert von der ICOS-Arbeitsgruppe für Toponymie wieder unter dem Vorsitz von HR Prof. h.c. Univ.-Doz. Dr. Peter Jordan, der gemeinsamen ICA/IGU-Kommission für Toponymie unter Vorsitz von Matjaž Geršič und Elena Dai Prà sowie der Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See mit ihrem Bürgermeister Leopold Astner.

Die Veranstaltung steht nicht nur DGSD-Mitgliedern offen, sondern allen UNGEGN-Mitgliedern und darüber hinaus allen Interessierten. Konferenzsprache ist Englisch.

Eine ganze Woche im Zeichen der Ortsnamen

Das Symposium findet in Verbindung mit einem dreitägigen gemeinsamen Treffen der UNGEGN Working Group on Place Names as Cultural Heritage (WGPNCH) und der UNGEGN Working Group on Exonyms (WGE) statt. Damit entsteht eine ganze Woche mit Veranstaltungen rund um die Toponymie und zahlreichen Möglichkeiten zum fachlichen Austausch.

Als zusätzliches Angebot ist für die Teilnehmer aller Veranstaltungen eine Exkursion in das viersprachige Kanaltal – Val Canale, Val Cjanâl, Kanalska dolina – geplant. Besonderes Augenmerk gilt dabei der linguistischen Landschaft.