Sensationeller Fossilienfund in Hermagor

Hermagor - Karl-Heinz Oppl und Elias Knapp ist ein sensationeller Fossilienfund gelungen! Denn in den Quarzphylitten des Gailtalkristallings wurden erstmals versteinerte Korallen gefunden. Was macht genau diese Gesteine so besonders? Das Gailtal Journal blickte den Profis über die Schulter.

Vor Millionen Jahren hatte das Gailtal nicht „die Form“, welche es heute hat. Die Karnischen und Gailtaler Alpen trennten viele Kilometer und diverse Funde lassen auf ein subtropisches Klima schließen. Denn wo sonst gedeihen Korallen?
Der kleine „Hobbygeologe“ Elias Knapp nimmt den Fund genauer unter die Lupe

Ein kleines Wunder

In den Karnischen Alpen sind fossile Funde keine Seltenheit, doch wieso ist genau dieses Gestein, welches der 9-jährige Elias gemeinsam mit Karl-Heinz Oppl, gefunden hat, eine solche Besonderheit? „Das „Gailtalkristallin“, welches die Unterlage der Gailtaler Alpen darstellt, ist sehr fossilreich. Millionen verschieferte Versteinerungen wären hier zu finden, nur leider wurden die organischen Strukturen aufgrund des enormen Druckes zerstört. Ich trau mich fast sagen, dass dieser Fund eine weltweite Sensation ist und dass die Korallen für diese Umstände sehr gut erhalten sind“ so Hans-Peter Schönlaub, welcher u.a. im GeoPark Karnische Region mitwirkt.  Das Vorkommen dieser einzigartigen Versteinerungen liegt in metamorph umgewandelten Gesteinen, die nun als kristalline Schiefer vorliegen und daher solche Funde nicht erwarten lassen.

400 Millionen Jahre und 400 Grad

Bernhard Hubmann von der Universität Graz war ebenso anwesend und erläuterte die besonderen Umstände des Fundes. „Die Korallen dürften in der Devonzeit gelebt haben. Der Hinweis erlaubt uns einen Blick in die Erdgeschichte, diese Fossilien existierten vor rund 400 Millionen Jahren.“, erklärt er.
Eine Koryphäe auf dem Gebiet – Bernhard Hubmann
Ein ebenso wichtiger Begleitfund sind auch die Seelilien (ähnlich wie Seeigel), diese überleben den enormen Druck und die rund 400 Grad des hoch erhitzten Gesteines eher, aus diesem Grund sind die „Favositen“, wie sich diese ausgestorbene Korallengattung nennt, interessanter.
Die Präsentation des Gesteines fand im „Woodley-Saal“ am Schloss Lerchenhof statt. Hans Steinwender bewirtete die Anwesenden mit hausgemachten, köstlichen 0km-Produkten

Die Entdeckung

Karl-Heinz Oppl und sein „junger Freund“ Elias sind viel in der Natur unterwegs. So auch an jenem Frühlingstag im Mai 2017, als die beiden am Fuße des Steilhanges hinter Oppls Haus eine besondere Entdeckung machten. „Die Wildbach hatte dort eine Baustelle und schob das Bachbett hoch. Der mit Humus bedeckte Stein ist uns aufgefallen und somit haben wir diesen mitgenommen. Ich informierte die zuständigen Pathologen in Wien doch bekam leider keine Antwort. Leider konnte auch die Baustelle nicht gestoppt werden, daher wurde die große Platte, die freigelegt wurde, beschädigt. Ich habe versucht zu retten, was zu retten ist“, so Karl-Heinz.

„Nicht mit Hacke und Schaufel, sondern mit Lupe, Pinsel und Wasser gelingen solche Funde“ – Karl-Heinz Oppl

Dreamteam: Die Familie Oppl und die Familie Knapp sind gut miteinander befreundet. Elias erkundet gern die Natur mit Karl-Heinz Oppl

Hilfe vom GeoPark Karnische Alpen

Also wandte er sich mit seinem Fund an den GeoPark. Im Sommer 2018 konnte ein weiteres Fossilgestein gefunden werden. „Es ist wichtig, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Jeder alte Fund ist eine Ergänzung zum Neuen, zum Jetzt. Daher liegt uns die Zusammenarbeit mit Laien sehr am Herzen. Fachleute möchten Laien aufklären und z.B. Wanderer dazu ermutigen, Funde bekanntzugeben“, so Hans-Peter Schönlaub.
Bernhard Hubmann und Karl Heinz Oppl

Was passiert nun?

Die rund 400 Millionen Korallen hatten zu Lebzeiten zwar „kein Glück“ (Vermutungen zufolge hat ein Vulkanausbruch diese ums Leben gebracht), dafür aber haben wir das Glück, dass soviel von ihnen übrig geblieben ist. Die versteinerten Korallen, welche zig Millionen Jahre in der Nähe von Hermagor gelegen sind, werden demnächst im Museum zu bewundern sein…