Eisbaden im Gailtal:

Sie trotzen der Kälte

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Seit drei Wintern steigen Heidrun Fieger (48) und Bianca Plunger (57) regelmäßig in eiskaltes Wasser – meist spontan, mindestens einmal pro Woche und von November bis April. Ob im Kirchbacher Bach oder an der Gail: Für die beiden Gailtalerinnen ist das Eisbaden längst mehr als eine Mutprobe. Es ist ein Ritual, das Körper und Geist fordert und zugleich stärkt. „Man fühlt sich danach wie ein neuer Mensch“, meinen sie übereinstimmend.

Inmitten von Raureif und Bergnebel steigen Heidrun und Bianca in die eiskalte Gail

Eisbaden erlebt seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Was früher als Tradition einzelner Winterbadevereine galt, ist heute eine moderne Form der Selbstfürsorge. Die unmittelbare Begegnung mit der Kälte zwingt zur Konzentration, zur bewussten Atmung und zu einer inneren Ruhe, die im Alltag oft verloren geht.
Für Heidrun und Bianca ist genau das der Reiz. „Es ist eine Mischung aus Überwindung, Klarheit und tiefer Lebendigkeit“, meinen sie. Die Kälte schärft die Sinne, der Kopf wird frei, und das Gefühl danach ist „unbeschreiblich leicht“. Ihre Ehemänner Stefan Fieger und Klaus Plunger unterstützen das sportliche Hobby – mit Respekt und Wohlwollen, aber ohne selbst ins Wasser zu steigen. „Zuschauen geht schon, aber mitmachen werden wir sicher nicht“, meinten sie schmunzelnd.

Heidrun Fieger während ihrer Kälteausbildung in der Steiermark

Vorbereitung und Methode

Bevor sie mit dem Eisbaden begonnen haben, ließen sich Heidrun Fieger und Bianca Plunger professionell anleiten. Beide besuchten einen Kurs in Schladming und eigneten sich dort die Grundlagen der sogenannten „WimHofMethode“ an. Diese Methode kombiniert Atemtechniken, bewusste Kälteanwendung und mentale Fokussierung. „Man muss wissen, was man tut und den eigenen Körper gut kennen“, meinen die beiden Kirchbacherinnen. Körperliche Fitness sei eine wichtige Voraussetzung – und die bringen sie mit: sportlich, aktiv, aber ohne Leistungsdruck. Die Methode habe ihnen geholfen, die Kälte nicht als „Feind“, sondern als bewusst gewählte Herausforderung zu sehen. „Es ist faszinierend, wie sehr der Kopf mitentscheidet“, sagen sie übereinstimmend.

Die beiden Kirchbacherinnen sind auch sonst sehr sportlich unterwegs

So läuft ein Badegang ab

Ein typischer Eisbade-Termin dauert rund eine halbe Stunde. Die beiden treffen sich meist kurzfristig, oft erst am Nachmittag oder bei einsetzender Dunkelheit am Kirchbacher Bach. An der Gail bevorzugen sie die Mittagszeit – dort wärmt die Sonne nach dem Bad bereits angenehm. Die Faustregel für die Dauer im Wasser lautet: so viele Minuten wie Grad. Im Winter sind das meist zwei bis drei Minuten. Als Ausrüstung dienen eine Haube als Kopfschutz und Neoprensocken, die das Einsteigen in das kalte Wasser erleichtern.

Gemeinschaft und Wirkung

Eisbaden ist für viele ein Gemeinschaftserlebnis. Das gemeinsame Hineingehen, das kurze Zittern, das Lachen danach – all das verbindet. Auch Heidrun und Bianca schätzen diesen Aspekt. „Allein würden wir es wahrscheinlich nicht so konsequent durchziehen“, geben sie zu. Die Wirkung spüren sie jedes Mal: gesteigerte Leistungsfähigkeit, ein klarer Kopf und ein Gefühl, als würde „der Geist über dem Körper schweben“.

Im Gasthof Golob: Chefin Heidrun im Austausch mit Gailtal Journal Mitarbeiter Wilfried Buchacher

Hinweis:

Eisbaden birgt gesundheitliche Risiken – insbesondere für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und sollte nur nach ärztlicher Rücksprache sowie mit entsprechender Vorbereitung durchgeführt werden.