Nach 100 Jahren: Verhandlungsdurchbruch Almflächen im Grenzgebiet Gailtal/Friaul

Gailtal - Agrarreferent LR Martin Gruber hat die Kärntner Delegation bei den entscheidenden Verhandlungen in den letzten Monaten angeführt und sagt: „Eine Lösung dieses historischen Konflikts  ist jetzt zum Greifen nahe. Damit können wir die Gailtaler Almwirtschaft langfristig absichern. Ich bin zuversichtlich, dass die Vereinbarung bis zum Almauftrieb 2020 bereits steht und damit die Almbauern Sicherheit im Hinblick auf die künftige Bewirtschaftung haben.“

Dieter Mörtl (Bürgermeister Feistritz/Gail), Stefano Mazzolini (Vize-Präsident des Landtags der Region Friaul-Julisch-Ventien), Sebastiano Callari (Finanzlandesrat der Region Friaul-Julisch-Venetien) und Agrarreferent LR Martin Gruber

Historie:

Die sogenannten Überlandgrundstücke entstanden, indem durch die Grenzzeichnung nach dem Friedensvertrag von Saint-Germain die Wirtschaftsgebiete von Gailtaler Agrargemeinschaft durch die neue Festsetzung der Staatsgrenze im Bereich des karnischen Hauptkammes zerschnitten wurden. Anfänglich wurde die Bewirtschaftung der Almen durch zwischenstaatliche Abkommen geschützt. 1939 wurden jedoch die auf italienischem Staatsgebiet liegenden Flächen durch königliche Dekrete enteignet. Die Verhandlung über die Entschädigung bzw. Rückgabe der enteigneten Flächen zog sich über mehrere Jahrzehnte, bis 1973 die enteigneten Agrargemeinschaften, im Zuge der letzten Entschädigungen von Vermögensverlusten, durch einen Staatsvertrag Geld erhielten. Die Bewirtschaftung der enteigneten Gebiete wurde seit 1918 nie ausgesetzt, seit 1949 regelten Pachtverträge die Nutzungen der Überlandgrundstücke.

Lösung zum Greifen nahe

Diese Verträge sind 2016 ausgelaufen und die damalige Regionalregierung hat entschieden, die Flächen öffentlich zur Verpachtung auszuschreiben. Die Gailtaler Almgemeinschaften haben schlussendlich zwar den Zuschlag erhalten, allerdings wurde der Preis für die Pacht durch den Vorgang der Angebotslegung enorm nach oben getrieben. Einige Almgemeinschaften, insbesondere die auf der Feistritzer Alm, wurden dadurch vor existenzbedrohende finanzielle Herausforderungen gestellt. Zwei Jahre lange wurde diese hohe Pacht dennoch gezahlt. Parallel hat man versucht, mit Friaul über eine andere Lösung zu verhandeln. Besonders dafür eingesetzt haben sich der Bürgermeister von Feistritz/Gail Dieter Mörtl sowie der derzeitige 2. Landtagspräsident von Friaul Stefano Mazzolini. Nun ist der Kärntner Delegation, die diese Woche bei einem weiteren Termin mit der Regierung von Friaul-Julisch-Venetien war, ein historischer Durchbruch gelungen. Eine Lösung für diesen 100 Jahre alten Konflikt ist nun zum Greifen nahe.  

Betroffene Gebiete:

  1. Treßdorfer Alpe / Tröpolach-Hermagor (ca. 30 ha in Italien)
  2. Eggeralpe-Zinia / Egg-Hermagor (ca. 7 ha in Italien)
  3. Poludniger Alpe / Egg-Hermagor (5 ha in Italien)
  4. Feistritzer Alpe / Feistritz/Gail (ca. 92 ha in Italien)
  5. Achomitzer Alpe / Feistritz/Gail (ca. 30 ha in Italien)
  6. Göriacher Alpe / Feistritz/Gail (ca. 20 ha in Italien)
  Es handelt sich insgesamt um ca. 100 Mitglieder bzw. Landwirte, die davon betroffen sind.  

Das Ergebnis der Verhandlungen kurz zusammengefasst:

  • Italien hat nun eingewilligt, die Pachtverträge aufzulösen und auf alle noch ausständigen finanziellen Forderungen aus 2019 zu verzichten.
  • Bis 2020 soll eine Vereinbarung zwischen Friaul und dem Land Kärnten geschlossen werden, auf deren Basis die Überlandflächen den betroffenen Almgemeinschaften zu weiteren Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt werden, ohne Einhebung einer Pacht.
  • Zusätzlich werden beide Länder in dieser Vereinbarung eine verstärkte interregionale Zusammenarbeit festlegen, sowohl bei sozio-kulturellen Themen als auch bei anderen grenzüberschreitenden Projekten, die beide Regionen betreffen.
  • Ein Entwurf für diese Vereinbarung wird nun von der Regierung in Friaul ausgearbeitet und dann mit italienischen Zentralregierung in Rom abgestimmt. Danach soll sie zwischen Friaul und Kärnten im Frühjahr 2020 unterzeichnet werden.