35 Prozent der Kinder erhalten Lernunterstützung
In Kärnten gibt es insgesamt rund 62.000 Schülerinnen und Schüler. Etwa 35 Prozent davon – rund 22.000 Kinder und Jugendliche – erhielten im vergangenen Schuljahr Lernunterstützung. Rund 11.000 Schülerinnen und Schüler nutzten bezahlte Nachhilfe, etwa 7.000 erhielten unbezahlte Unterstützung und weitere rund 7.000 nahmen schulische Gratis-Nachhilfe in Anspruch. Der tatsächliche Bedarf liegt laut Studie sogar noch höher. Werden auch jene Kinder berücksichtigt, die keine Nachhilfe erhalten haben, aber einen entsprechenden Bedarf äußerten, ergibt sich ein Anteil von 39 Prozent beziehungsweise rund 24.000 Schülerinnen und Schülern. „Der tatsächliche Gesamtbedarf liegt jedoch bei 39 Prozent bzw. rund 24.000 Schülerinnen und Schülern, wenn auch jene berücksichtigt werden, die zwar keine bezahlte Nachhilfe hatten, aber einen entsprechenden Bedarf äußerten“, erklärt Daniel Weidlitsch, Leiter der Abteilung Bildungspolitik, Jugend und Kultur der AK Kärnten.

Mathematik mit Abstand häufigstes Nachhilfefach
Besonders häufig benötigen Schülerinnen und Schüler Unterstützung in Mathematik. 68 Prozent der Nachhilfeschülerinnen und -schüler erhalten dort Hilfe. Dahinter folgen Deutsch mit 29 Prozent und Fremdsprachen mit 22 Prozent. Für viele Familien ist die zusätzliche Lernunterstützung eine spürbare finanzielle Belastung. 47 Prozent der befragten Eltern geben an, sich durch bezahlte Nachhilfe finanziell sehr stark oder spürbar belastet zu fühlen. Goach warnt deshalb davor, dass schulischer Erfolg zunehmend von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängen könnte: „Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbörsel der Eltern abhängen.“
Nachhilfe belastet auch das Familienleben
36 Prozent der Kärntner Eltern fühlen sich durch Ärger und Konflikte im Zusammenhang mit der Lernbegleitung sehr oder ziemlich belastet. Für Daniel Weidlitsch zeigt sich damit deutlich, dass Nachhilfe und Lernbegleitung nicht nur Geld kosten, sondern auch eine zeitliche und familiäre Belastung darstellen können. Auch in den Antworten der befragten Eltern wird diese Problematik deutlich. Eine Mutter eines Burschen in einer AHS-Unterstufe in Kärnten verweist darauf, dass sich Familien mit höherem Einkommen zusätzliche Unterstützung eher leisten könnten. Eine alleinerziehende, teilzeitbeschäftigte Mutter einer Mittelschülerin schildert zudem, dass neben Beruf und Haushalt auch die Lernbegleitung der Kinder vielfach bei den Eltern liege – obwohl sich manche Familien private Nachhilfe finanziell nicht leisten könnten.
AK sieht Handlungsbedarf bei der Bildungspolitik
Die Arbeiterkammer sieht in den Ergebnissen einen klaren Handlungsauftrag an die Bildungspolitik. Schulen müssten aus Sicht der AK stärker in die Lage versetzt werden, Schülerinnen und Schüler innerhalb des regulären Schulbetriebs individuell zu fördern. Goach fordert deshalb unter anderem einen Ausbau des Chancenbonus, mehr Personal und Zeit für individuelle Förderung sowie einen flächendeckenden Ausbau hochwertiger und beitragsfreier Ganztagsschulen. Auch die Kosten rund um Schule und Unterricht müssten gesenkt werden. Der Chancenbonus sei zwar ein wichtiger Schritt, müsse aus Sicht der AK aber deutlich ausgebaut werden. Mittelfristig fordert die Arbeiterkammer dafür rund 400 Millionen Euro, um Schulen mit besonderen Herausforderungen gezielt und ausreichend auszustatten.
AK-Lernchancen: Günstige Lernunterstützung
Die AK Kärnten bietet mit den AK-Lernchancen eine kostengünstige Lernunterstützung für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen an. Das Angebot umfasst Nachhilfe, Lerncoaching und Mentoring. Mit dem Projekt „Bildungswege entdecken“ unterstützt die AK Kärnten außerdem Schülerinnen, Schüler und Eltern bei der Orientierung im Bildungssystem. Das Angebot reicht von Berufsorientierung und Studieninformation bis hin zu individueller Bildungsberatung und ist kostenlos und barrierefrei.









































