Mehr Bahn, weniger Auto?
„Mehr Bahn bringt weniger Autoverkehr“, sagt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Ähnliche Entwicklungen habe es bereits nach dem Ausbau und der Beschleunigung der Westbahnstrecke im Jahr 2012 gegeben. Auch die Koralmbahn habe zu einer Verlagerung von Autofahrten auf die Bahn geführt, so die Einschätzung des VCÖ. Allerdings wirkten auch andere Faktoren auf das Verkehrsgeschehen. Laut VCÖ haben die infolge des Irankriegs gestiegenen Spritpreise den Autoverkehr allgemein gedämpft. Der deutlich stärkere Rückgang im Korridor der Koralmbahn wird vom VCÖ dennoch als Hinweis auf die Wirkung des verbesserten Bahnangebots gewertet.
Autoverkehr geht zurück, Lkw-Verkehr steigt
In Kärnten zeigt sich ein unterschiedliches Bild bei Pkw und Lkw. Im ersten Halbjahr 2026 ging der Autoverkehr an 53 Prozent der Zählstellen auf dem Autobahn- und Schnellstraßennetz zurück. Gleichzeitig nahm der Lkw-Verkehr an 91 Prozent der Zählstellen zu. Der am stärksten befahrene Abschnitt Kärntens war die A2 bei Pörtschach Ost. Dort wurden im ersten Halbjahr insgesamt rund 7,5 Millionen Kraftfahrzeuge gezählt. Davon entfielen laut VCÖ 89 Prozent auf Pkw.
Unternehmen können Pendler zum Umstieg bewegen
Für den VCÖ ist die Koralmbahn eine wichtige Grundlage, um weitere Autofahrten auf die Bahn zu verlagern. Gleichzeitig brauche es zusätzliche Maßnahmen, damit das Potenzial des neuen Bahnangebots besser ausgeschöpft wird. „Die positive Wirkung der Koralmbahn kann aber durch Begleitmaßnahmen noch deutlich verstärkt werden“, erklärt Schenk. Vor allem Unternehmen könnten beim Pendelverkehr eine wichtige Rolle übernehmen. Denkbar seien etwa Online-Plattformen, Apps oder Gutscheinmodelle, die das Bilden von Fahrgemeinschaften fördern. Auch steuerbegünstigte Öffi-Jobtickets oder Jobräder könnten Beschäftigten angeboten werden. Ergänzend seien Informations- und Bewusstseinsmaßnahmen möglich.
Großes Potenzial bei Fahrgemeinschaften
Auch bei der gemeinsamen Nutzung von Autos sieht der VCÖ noch Spielraum. Nach Angaben des Umweltbundesamts liegt der durchschnittliche Pkw-Besetzungsgrad in Österreich bei 1,14 Personen. Um 100 Menschen zu transportieren, sind damit im Durchschnitt rund 88 Pkw unterwegs. „Das Potenzial für Fahrgemeinschaften ist groß. Damit können nicht nur die Spritkosten deutlich reduziert werden, sondern auch die Verkehrsbelastung auf den Straßen“, betont Schenk.
Auch Ausflugsziele sollen Öffi-Anreise fördern
Nicht nur Unternehmen, sondern auch Freizeiteinrichtungen und Tourismusregionen könnten nach Ansicht des VCÖ stärker auf die Möglichkeiten der öffentlichen Anreise hinweisen. Wichtig sei zunächst eine klare Information darüber, wie Ausflugsziele mit Bahn und Bus erreichbar sind. Zusätzliche Anreize könnten etwa Gutscheine, ermäßigter Eintritt oder andere Vergünstigungen schaffen, wenn Besucherinnen und Besucher öffentlich anreisen.









































