Pkw-Verkehr auf Kärntens Autobahnen und Schnellstraßen im 1. Halbjahr deutlich stärker zurückgegangen als Lkw-Verkehr

Im Juni Lkw-Belastung bereits fast wie im Juni 2019

VCÖ -

Im 1. Halbjahr ging Covid-19 bedingt der Verkehr auf Kärntens Autobahnen deutlich zurück. Was auffällt: Der Rückgang des Pkw-Verkehrs war um ein Vielfaches höher als beim Lkw-Verkehr, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. So waren auf der Karawankenautobahn um 44 Prozent weniger Pkw unterwegs, aber nur um 15 Prozent weniger Lkw. Auch auf der Südautobahn ging der Autoverkehr stärker zurück als der Lkw-Verkehr. Und im Juni war die Belastung durch den Lkw-Verkehr bereits fast auf  dem Niveau vom Juni des Vorjahres. Der VCÖ fordert einen Klimabonus für Betriebe, die ihren Gütertransport auf die Schiene verlagern und ein rasches Ende des Dieselprivilegs.



Die A11 Karawankenautobahn verzeichnete im Vergleich der Autobahnen den drittstärksten Rückgang beim Autoverkehr, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Im 1. Halbjahr waren hier um rund 44 Prozent weniger Pkw unterwegs als im 1. Halbjahr 2019. Den Karawankentunnel durchquerten in den ersten sechs Monaten rund 1,4 Millionen Autos, um 650.000 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Lkw ging nur um 47.000 zurück, das ist ein Minus von 15 Prozent.

Ähnlich die Situation auf der Südautobahn: Während hier um ein Viertel weniger Autos fuhren, nahm der Lkw-Verkehr nur um fünf Prozent ab. So wurden bei Velden mit 4,1 Millionen um 1,5 Millionen weniger Pkw gezählt als im 1. Halbjahr 2019, die Zahl der Lkw ging lediglich um 38.000 auf knapp mehr als 700.000 zurück, berichtet der VCÖ.

 

VCÖ-Experte Schwendinger:


„Zum Rückgang des Autoverkehrs haben vor allem zwei Entwicklungen beigetragen. Zum einen haben mehr Kurzarbeit und weiterhin verstärktes Home-Office den Pendlerverkehr reduziert. Zum anderen gab es weniger Reiseverkehr aus dem Ausland nach und durch Kärnten“, erklärt VCÖ-Experte Schwendinger.

In den vergangenen Wochen hat die Verkehrsbelastung wieder spürbar zugenommen. „Im Juni war in Kärnten die Lkw-Belastung fast wieder so hoch wie im Juni des Vorjahres. Auf Autobahnen ist die rechte Spur de facto wieder eine rollende Lagerhalle“, macht VCÖ-Experte Schwendinger aufmerksam.



Der Dieselpreis ist seit Jahresbeginn um fast 16 Prozent gesunken

damit ist der Transport auf der Straße billiger geworden. Damit droht eine verstärkte Verlagerung von der Schiene auf die Straße, was zu mehr Staus, erhöhter Unfallgefahr sowie mehr Schadstoffen, Treibhausgasen und Lärm führt. „Österreich droht seine Klimaziele deutlich zu verfehlen, wenn der Lkw-Verkehr wieder massiv zunimmt. Ein Verfehlen der Klimaziele kommt wegen der Strafzahlungen und der zunehmenden Klimaschäden teuer. Auch der Güterverkehr muss endlich einen stärkeren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten“, betont VCÖ-Experte Schwendinger.

Klimabonus für Betriebe, die Gütertransport auf Schiene verlagern

Der VCÖ fordert einen Klimabonus für Unternehmen, die ihren Gütertransport auf die Schiene verlagern, betriebliche Gleisanschlüsse sollen stärker unterstützt werden. Zudem ist die Steuerbegünstigung von Diesel – die Mineralölsteuer ist um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper – endlich abzuschaffen. Damit rechnen sich auch Investitionen in eine klimaverträglichere Logistik sowie in alternative Antriebe rascher, betont der VCÖ. Wer sich für langlebige Produkte statt Wegwerfware entscheidet und auf regionale Herkunft achtet, leistet durch das eigene Konsumverhalten einen Beitrag zur Reduktion des Lkw-Verkehrs.




Pkw-Verkehr auf Autobahnen und Schnellstraßen im 1. Halbjahr viel stärker zurückgegangen als Lkw-Verkehr (Änderung Pkw-Verkehr 1. Halbjahr 2020 zu 1. Halbjahr 2019, in Klammer Änderung Lkw-Verkehr 1. Halbjahr 2020 zu 1. Halbjahr 2019)

A13 Brennerautobahn: minus 49 Prozent (minus 16 Prozent)

A6 Nordostautobahn: minus 46 Prozent (minus 5 Prozent)

A11 Karawankenautobahn: minus 44 Prozent (minus 15 Prozent)

A4 Ostautobahn: minus 35 Prozent (minus 12 Prozent)

A10 Tauernautobahn: minus 34 Prozent (minus 14 Prozent)

S16 Arlberg Schnellstraße: minus 32 Prozent (minus 10 Prozent)

A8 Innkreisautobahn: minus 31 Prozent (minus 10 Prozent)

A21 Wiener Außenringautobahn: minus 29 Prozent (minus 10 Prozent)

A12 Inntalautobahn: minus 28 Prozent (minus 12 Prozent)

A14 Rheintalautobahn: minus 28 Prozent (minus 7 Prozent)

A5 Nordautobahn: minus 28 Prozent (minus 7 Prozent)

A2 Südautobahn: minus 28 Prozent (minus 5 Prozent)

A1 Westautobahn: minus 27 Prozent (minus 9 Prozent)

A25 Welserautobahn: minus 26 Prozent (minus 10 Prozent)

A9 Pyhrnautobahn: minus 26 Prozent (minus 9 Prozent)

S35 Brucker Schnellstraße: minus 23 Prozent (minus 11 Prozent)

A3 Südostautobahn: minus 23 Prozent (minus 8 Prozent)

S5 Stockerauer Schnellstraße: minus 23 Prozent (minus 5 Prozent)

S1 Wiener Außenring Schnellstraße: minus 23 Prozent (Keine Änderung)

S33 Kremser Schnellstraße: minus 22 Prozent (minus 4 Prozent)

S4 Mattersburger Schnellstraße: minus 21 Prozent (minus 9 Prozent)

S36 Murtal Schnellstraße: minus 21 Prozent (minus 9 Prozent)

S6 Semmering Schnellstraße: minus 19 Prozent (minus 9 Prozent)

A7 Mühlkreisautobahn: minus 19 Prozent (minus 8 Prozent)

A22 Donauuferautobahn: minus 18 Prozent (minus 7 Prozent)

S2 Wiener Nordrand Schnellstraße: minus 16 Prozent (minus 4 Prozent)

A23 Südosttangente: minus 15 Prozent (minus 11 Prozent)

S31 Burgenland Schnellstraße: minus 11 Prozent (minus 7 Prozent)

Für S3 keine Vergleichswerte verfügbar

Quelle: Asfinag, VCÖ 2020