Mehr als die Hälfte der Verkehrsunfälle in Kärnten im Ortsgebiet

VCÖ -

1.722 Verletzte und vier Todesopfer. Das ist die traurige Bilanz der Verkehrsunfälle im Ortsgebiet, die im Vorjahr in Kärnten passierten. 58 Prozent aller Verkehrsunfälle, bei denen Menschen verletzt wurden, ereigneten sich im Ortsgebiet, macht der VCÖ aufmerksam. Durch verstärkte Verkehrsberuhigung sowie großflächiges Tempo 30 statt 50, wie es in der steirischen Landeshauptstadt Graz seit fast 30 Jahren besteht, kann die Zahl der Verkehrsunfälle im Ortsgebiet deutlich reduziert werden, betont der VCÖ.

Tempo 30 im Ort als Regelgeschwindigkeit, Tempo 50 soll zur Ausnahme werden

Durch den Verkehrsrückgang infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie nahm im Vorjahr die Zahl der Verkehrsunfälle im Ortsgebiet in Kärnten um rund sechs Prozent ab, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Aber die Opferzahl war nach wie vor hoch: 1.722 Menschen wurden verletzt, vier Menschen kamen bei Verkehrsunfällen im Ortsgebiet ums Leben.

„Alle Gemeinden und Städte profitieren von Verkehrsberuhigung sowie mehr Tempo 30 statt 50. Zum einen gibt es weniger Unfälle und der Verkehrslärm nimmt ab. Zum anderen führt Verkehrsberuhigung dazu, dass mehr Wege im Ort zu Fuß und mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Das ist nicht nur gesünder und klimafreundlicher, es kommen die Leute im Ort auch mehr miteinander zum Reden, die Nahversorgung wird gestärkt, der Ortskern belebt“, macht VCÖ-Experte Michael Schwendinger auf die zusätzlichen Vorteile von mehr Verkehrsberuhigung aufmerksam.

Wie kindgerecht ist das Verkehrssystem in ihrer Wohngemeinde?

Vor allem für Kinder und ältere Menschen steigt die Verkehrssicherheit. Der VCÖ befragt nun zum Schulbeginn die Eltern, wie kindgerecht das Verkehrssystem in ihrer Wohngemeinde ist. An der Umfrage kann auch im Internet unter www.vcoe.at teilgenommen werden. Tempo 30 statt 50 reduziert den Anhalteweg, der die Summe aus Reaktions- und Bremsweg ist. Ein Pkw, der bei Tempo 30 einen Anhalteweg von 11 Metern hat, hat bei Tempo 50 einen Anhalteweg von 24 Metern. Nach elf Metern hat das Auto noch eine Geschwindigkeit von 49 km/h, macht der VCÖ aufmerksam. Wird ein Fußgänger mit diesem Tempo angefahren, ist das Risiko schwerster oder gar tödlicher Verletzungen extrem hoch.

„Wo Menschen unterwegs sind, passieren Fehler, beispielsweise durch Ablenkung oder Unachtsamkeit. Niedrigeres Tempo trägt dazu bei, dass auch bei Fehlern noch rechtzeitig gebremst werden kann oder ein Zusammenstoß keine fatalen Folgen hat. Es ist wichtig, dass endlich auch in der Straßenverkehrsordnung der Schutz der Gesundheit und des Lebens absoluten Vorrang bekommt“, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest. Deshalb spricht sich der VCÖ für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit im Ortsgebiet aus, ein höheres Tempo im Ortsgebiet soll nach Prüfung und Genehmigung möglich sein

Steirische Landeshauptstadt sogar österreichweiter Vorreiter bei dieser Regelung

Der VCÖ weist darauf hin, dass die steirische Landeshauptstadt sogar österreichweiter Vorreiter bei dieser Regelung war. Im September 1992 wurde in Graz auf rund 80 Prozent des Straßennetzes Tempo 30 eingeführt. Die Zahl der im Straßenverkehr Verletzten und der Todesopfer ging in der Folge im 3-Jahresschnitt um 25 Prozent zurück. Zum Vergleich: In Klagenfurt gilt auf nur 53 Prozent des Straßennetzes Tempo 30.

VCÖ: Mehr als die Hälfte der Verkehrsunfälle mit Personenschaden passieren im Ortsgebiet (Anzahl Verkehrsunfälle mit Personenschaden im Ortsgebiet in Kärnten, in Klammer Anteil an Verkehrsunfällen)

Jahr 2020: 1.456 Unfälle (57,9 Prozent)

Jahr 2019: 1.555 Unfälle (58,7 Prozent)

Jahr 2018: 1.515 Unfälle (57,5 Prozent)

Jahr 2017: 1.667 Unfälle (58,5 Prozent)

Jahr 2016: 1.744 Unfälle (60,2 Prozent)

Jahr 2015: 1.811 Unfälle (61,1 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2021