Fastentücher in Kärnten: Vortrag widmet sich den ältesten Kunstwerken der Fastentradition

Kärnten -

Ein einzigartiger Brauch in den Alpenländern wird in Kärnten während der Fastenzeit besonders gepflegt: das Aufziehen von Fastentüchern. Diese verhüllen von Aschermittwoch bis zum Mittwoch der Karwoche, in manchen Orten bis zum Karsamstag, den Hochaltar. In rund der Hälfte aller Kärntner Pfarren sind kunstvoll gestaltete Fastentücher in liturgischer Verwendung. Mit etwa 40 historischen Tüchern aus der Zeit vor 1800 verfügt Kärnten über den höchsten Bestand an alten Fastentüchern in Österreich.

Das Baldramsdorfer Fastentuch von 1555 zählt mit 29 Quadratmetern und 40 Szenen zu den größten und kunstvollsten Fastentüchern Kärntens

Am Mittwoch, den 25. März, stehen die Kärntner Fastentücher im Fokus eines Vortrags von Mag. Roland Stadler und Monika Suntinger vom Referat für Tourismusseelsorge. Die Experten präsentieren im Haus der Begegnung in Maria Saal um 19 Uhr in Wort und Bild die bedeutendsten Fastentücher Kärntens aus rund sechs Jahrhunderten. Die beiden Herausgeber der gleichnamigen Broschüre (3. Auflage, 2023) geben dabei einen Überblick über die künstlerische und historische Vielfalt dieser einzigartigen Kulturgüter.

Das Fastentuch von Reichenfels in der Pfarrkirche St. Leonhard aus dem Jahr 1520 zeigt Szenen aus Alten und Neuen Testament und ist ganzjährig zu besichtigen (c) Monika Suntinger

Die ältesten Fastentücher Kärntens

Gurker Fastentuch (1458)
Das älteste und mit 80 Quadratmetern zugleich größte Fastentuch Kärntens befindet sich in Gurk. Es wurde 2019/2020 umfassend restauriert. Das Werk von Meister Konrad von Friesach besteht aus zwei vertikal getrennten Hälften, die eine Mittelnaht verbinden, und zeigt 108 Szenen aus Alten und Neuen Testament.

Haimburger Fastentuch (1504)
Rund ein halbes Jahrhundert später entstand das Fastentuch von Haimburg. Mit 36 Bildfeldern zählt es zu den schönsten Fastentüchern Kärntens. Die nach niederländischem Vorbild gestaltete Landschaft spielt dabei eine zentrale Rolle, die alt- und neutestamentlichen Szenen sind ausgewogen dargestellt.

Reichenfelser Fastentuch (1520)
Das Tuch von Reichenfels in der Pfarrkirche St. Leonhard im Lavanttal ist das erste, das ganzjährig besichtigt werden kann. Es zeigt deutliche Einflüsse künstlerischer Stichvorlagen aus nördlichen Regionen, etwa durch Passionszyklen von Dürer oder Cranach, und betont die neutestamentliche Heilsgeschichte.

Steuerberger Fastentuch (um 1530)
Das Fastentuch aus Steuerberg besticht durch eine ausgewogene Bildkomposition, den effektvollen Farbeinsatz und den Einklang von Form und Ausdruck. Es befindet sich in der Schatzkammer Gurk.

Baldramsdorfer Fastentuch (1555)
Mit rund 29 Quadratmetern und 40 Szenen zählt es zu den größten Fastentüchern Kärntens.

Maria Bichl/Lendorf (16. Jh.)
Das nicht signierte Tuch ähnelt dem Baldramsdorfer Fastentuch und hängt derzeit in der Christkönigskirche in Klagenfurt.

Millstätter Fastentuch (1593)
Mit ca. 48 Quadratmetern ist es das zweitgrößte Fastentuch Kärntens. Es enthält 12 Szenen aus dem Alten und 29 Szenen aus dem Neuen Testament und beeindruckt durch seine bewegte Fernwirkung.

St. Stefan am Krappfeld (1612)
Das älteste Fastentuch im sogenannten „Zentraltyp“-Stil zeigt die Kreuzigung umgeben von Medaillons mit Passionsszenen – eine Darstellung, die ausschließlich in Kärnten zu finden ist.

Sternberger Fastentuch (1629)
Eine Besonderheit: Es wurde vom Protestanten Hans Khevenhüller, Graf von Frankenburg, für die katholische Kirche gestiftet. Das 4,30 x 3,80 Meter große Werk des Villacher Malers Jakob Kazner hängt noch heute am ursprünglichen Platz im Chorbogen.