„In die Welt hinaus…“

Feistritz an der Gail - Ein Symposium mit Erfahrungsaustausch von Experten und Betroffenen fand letzten Donnerstag Abend in der Musikschule in Feistritz an der Gail statt. Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltungen der Singgemeinschaft Oisternig war dies eine kurzweilige Einstimmung zu den Konzerten, die am kommenden Samstag und Sonntag im Hangar Nötsch zu hören sind.

Auf den Spuren der Gailtaler Auswanderer

Musikalisch eröffnet hat der Jugendchor Young Oisternig unter der Leitung von Christina Zwitter. Sie werden auch – sowie das Quartett OisterniX und das Tonc Feinig Trio mit Stefan Thaler und Thomas Käfel – bei den Konzerten am Wochenende gesanglich mit dabei sein.
Die nächste Generation ist bereit
Bürgermeister Dieter Mörtl, Ehrenchorleiter Franz Mörtl, Ehrenobfrau Mag. Annelies Wernitznig und Ehrenobmann Berti Kaiser wurden von Claudia Leitner – sowie auch die zahlreich erschienenen Symposium-Besucher – herzlichst begrüßt.
Mag. Claudia Leitner moderierte durch die geschichtliche Zeitreise

Kompetente Fachleute

Die Thematik des Auswanderns wurde durch vier Fachleute aus vielerlei Augenwinkel betrachtet: So konnten Mag. Dr. Werner Koroschitz (Historiker), Univ.-Doz. DDr. Peter Wiesflecker (Historiker), Mag. Dr. Arnold Mettnitzer (Psychotherapeut und Theologe) und Prof. Mag. Dr. Margit Heissenberger (Verein Weltkärntner) als Vortragende gewonnen werden.

Zitat Dr. Werner Koroschitz:

„Vor 13 Jahren habe ich in Villach eine große Ausstellung organisiert. Das Thema damals: „Der Onkel aus Amerika“. Hierzu habe ich Briefverkehr gesammelt, mich mit vielen Menschen unterhalten und einen Einblick in die Geschichte der Menschen erhalten.“ Geboren ist der Referent 1961, lebt und arbeitet als freiberuflicher Historiker in Villach. Zahlreiche Publikationen und Präsentationen zählen zu seinen kultur- und zeitgeschichtlichen Themen.
Gründer und wissenschaftlicher Leiter des „Vereins Industriekultur und Alltagsgeschichte“

Zitat DDr. Peter Wiesflecker:

Er steht mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen stets zur Seite. Er ist profunder Kenner des Tales und seiner Menschen. Er möchte den Menschen eine Stimme geben. „Um 1903 berichtetet der Pfarrer von St. Stefan von einem „merkwürdigen“ Symptom. Ohne Weiteres verlassen Bauern ihr Zuhause und ziehen nach Amerika, man muss stauen über diese Courage. Alles Zureden und Zurückhalten half damals nichts…“
Studierte Geschichte, Archivwissenschaften und Kirchenrecht in Wien

Zeitzeugen

Sich mit der Auswanderungsthematik verbunden fühlen sich auch der ehem. Chorleiter Franz Mörtl, der „echte“ Auswanderer (der sein Glück über den großen Teich zu finden verhoffte), nämlich Reinhard Leiler und Ehrenobmann Berti Kaiser, der über das Weggehen seines Bruders erzählte. „Man verlässt seine Heimat nicht, weil einem hier gut geht…“
Wenn man selbst betroffen ist, dann erzählt sich´s am Besten

Zitat Dr. Margit Heissenberger:

„Solche Veranstaltungen müssten zur Bewusstseinsbildung in allen Kärntner Gemeinden stattfinden. Das große Auswandern hat es gegeben und begleitet uns heute noch. Nach meiner Rückkehr vom Ausland, habe ich mich genau diesem Thema angenommen. Ich kenne die Vereinigungen der Auslandsösterreicher und Auslandskärntner durch persönliche Besuche und Bindungen sehr gut. Ziel des neugegründeten Vereins „Weltkärntner“ wird es sein, alle Menschen, die sich damals aus verschiedensten Gründen von ihrer Heimat abgewandt haben, zu vereinen. Die ehemalige Leiterin des Kärntner Doppelsextett, studierte Pädagogik und Psychologie und ist seit 2005 die Geschäftsführung der „Initiative für Kärnten“.
„In der Welt zu Hause – in Kärnten daham“

Zitat Dr. Arnold Mettnitzer:

„Heile zuerst mit dem Wort, dann mit der Arznei, dann zuletzt mit dem Messer. Reden statt Pillen schlucken.“ Seine Gedanken über Fern- und Heimweh „Nur, wer die Sehnsucht kennt“ präsentierte der profunde Menschenkenner in atemberaubender Weise. „Jeder Kärntner ist ein Weltkärntner… Wie die Rabinen sagten: Mit jedem Menschen kommt eine neue Welt auf die Welt, unser Reichtum ist das Netzwerk von Beziehungen, die wir im Laufe eines Lebens zu verknüpfen im Stande sind…“
Auch Bürgermeister Dieter Mörtl gab seine Anekdoten in herzhafter Weise preis
Musikalisch vereint werden die Eindrücke des Symposiums mit den beiden Konzerten am 6. und 7. Juli – Samstag und Sonntag am Hangar in Nötsch.