Kärnten -
Beim zweiten Clubgespräch im ÖVP-Landtagsclub diskutieren Experten über die Pflege und Betreuung der Zukunft. Personalmangel gilt als größte Herausforderung in Kärnten.
(v. li.): Daniel Köfler (Pflegekraft), Wilfried Hude (Direktor der Schule für Sozialbetreuungsberufe), ÖVP-Clubobmann Markus Malle, Horst Krainz (Geschäftsführer des Hilfswerk Kärnten)
ÖVP Club (c)
Die Pflege von älteren Menschen zu gewährleisten und zu sichern, wird eine der großen Herausforderungen der Zukunft, davon zeigten sich die Experten beim zweiten Clubgespräch im ÖVP-Landtagsclub überzeugt. Auf Einladung von Clubobmann Markus Malle diskutierten Horst Krainz, Geschäftsführer des Hilfswerk Kärnten, Wilfried Hude, Direktor der Schule für Sozialbetreuungsberufe, und der diplomierte Pfleger Daniel Köfler mögliche Lösungen – allem voran, wie man ausreichend Frauen und auch Männer für den Pflegeberuf gewinnen kann.
Mangel an Pflegekräfte
„Derzeit arbeiten in Österreich 62.000 Menschen in der Pflege, schon in zehn Jahren brauchen wir um 14.000 Pflegekräfte mehr“, kennt Malle die Fakten. Dass der Bedarf „exorbitant zunimmt“, weiß auch Horst Krainz: „Rund 455.000 Menschen beziehen in Österreich Pflegegeld – täglich kommen 27 Personen hinzu.“ Das bedeute statistisch betrachtet, dass man an jedem dritten Tag ein zusätzliches Pflegeheim eröffnen müsste, um den Bedarf an Pflegeplätzen zu decken. Krainz: „Wir brauchen einen Ausgleich zwischen dem Bedarf am Land und dem Fachkräfteangebot in der Stadt, damit wir Pflege zuhause ermöglichen.“
Betreuung im Fokus
Für Wilfried Hude ist entscheidend, zwischen Pflege und Sozialbetreuung zu unterscheiden. „Mindestens drei Viertel der Personen in den ambulanten und stationären Einrichtungen der Altenpflege sind Fachsozialbetreuer“, sagt er. Pflegerische Tätigkeiten nehmen in deren Alltag nur eine geringe Rolle ein. Hude: „Ein alter Mensch ist ja nicht krank.“ Im Berufsalltag muss man deshalb in vielen Institutionen umdenken. „Zwischen den pflegerischen Tätigkeiten findet oft keine Betreuung der Menschen statt“, weiß Hude. „Diesen Teil müssen wir aber ins Blickfeld nehmen.“ Deshalb braucht es ausreichend Personal in den verschiedenen Pflegeberufen – von Heimhilfe bis Pflegefachkraft. Für Krainz ist auch klar: „Wir müssen verschiedene Schulformen und auch Personal aus Drittstaaten zulassen.“ Krainz bringt das Schweizer Ausbildungsmodell ins Gespräch. Diese duale Ausbildung besteht zu 70 Prozent aus Praxis und zeichnet sich durch eine Durchlässigkeit durch horizontale und vertikale Bildungsanschlüsse aus.
Verantwortung nicht bewusst
Dass sich manche Pflegekräfte am Anfang ihrer Verantwortung nicht bewusst sind, glaub Daniel Köfler. „Es braucht mehr Aufklärung, damit die Menschen wissen, worauf sie sich einlassen“, mahnt er. Wenn aber jemand in dem Berufsfeld Fuß fasst, macht er es „mit Herzblut“. „Diese Pflegekräfte verdienen mehr Wertschätzung“, ist Köfler überzeugt. Immerhin sind wir die letzten Stunden ihres Lebens bei den Menschen. Sein Wunsch an die Politik: „Wir brauchen jemanden, der hinter uns steht.“
Voll Zuversicht in die Zukunft
Krainz erwartet sich von der Politik ausreichende Finanzierung von Pflege und der Ausbildung, sowie: „Dass erprobte Projekte fortgesetzt werden, anstatt neue zu starten“, kritisiert Krainz. „Wenn etwas gut funktioniert hat, muss man eine Folgefinanzierung sichern.“ Zuversichtlich blickt Hude in die Zukunft. „Wir werden die Finanzierung lösen“, ist er sich sicher, „weil es gar nicht anders geht.“ Pflegebedürftigkeit sei endlich ein Thema in der Gesellschaft. Dennoch ist für die Sozialsprecherin im ÖVP-Landtagsclub, Silvia Häusl-Benz, klar: „Wir müssen jetzt die Weichen stellen, dass Menschen so lange wie möglich zu Hause altern können.“ Clubobmann Markus Malle ergänzt: „Es wird nicht die einzig richtige Lösung für die Herausforderung der Pflege geben – es braucht ein Bündel an Maßnahmen.“ Die Abgeordneten der Volkspartei werden sich einsetzen, dass Maßnahmen nach und nach auch in die Umsetzung kommen.
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