Radverkehr in Österreich: Höchste Zahl tödlicher Unfälle seit 23 Jahren

Österreich -

Radfahren und E-Biken werden in Österreich immer beliebter. Gleichzeitig steigen aber auch die Risiken: Laut vorläufigen Daten des BMI verunglückten 2025 insgesamt 65 Radfahrende tödlich im Straßenverkehr – der höchste Wert seit 23 Jahren und eine Verdoppelung gegenüber 2024. Darunter waren 31 E-Biker, die mit Abstand höchste Zahl seit Beginn der Erfassung im Jahr 2011.

Im Vorjahr 65 tödlich verunglückte Radfahrende

Immer mehr Verletzte und Alleinunfälle

Die Entwicklung über die Jahre ist besorgniserregend: Während im Jahr 2000 noch 5.974 Radfahrende bei Unfällen verletzt wurden, lag die Zahl 2024 bereits bei 10.093 – ein Anstieg von 69 Prozent. Besonders auffällig ist die Zunahme von Alleinunfällen, die mittlerweile etwa die Hälfte aller Fahrradunfälle ausmachen. Der ÖAMTC empfiehlt daher dringend das Tragen eines Helms, da dies zwar Unfälle nicht verhindert, aber das Risiko schwerer Verletzungen deutlich senkt. Der Entwurf zur 36. StVO-Novelle sieht eine Helmpflicht für E-Biker bis 14 Jahre vor. Aus Sicht des ÖAMTC greift dies zu kurz, denn nur zwei Prozent der Verunglückten fallen in diese Altersgruppe. Eine allgemeine Helmpflicht für E-Biker ohne Strafandrohung wird als sinnvoll erachtet, um möglichst viele Nutzer zum Tragen eines Helms zu motivieren – ähnlich wie beim Skihelm.

Dringender Handlungsbedarf

ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé betont, dass die Sicherheit im Radverkehr dringend erhöht werden muss. Eine wirksame Verbesserung erfordert eine detaillierte Unfallforschung, um die Ursachen gezielt zu bekämpfen. Schlagwörter wie niedrige Tempolimits oder Kennzeichenpflicht seien ohne tiefergehende Analyse wenig zielführend. Im Vorjahr waren die tödlichen Unfälle relativ gleichmäßig zwischen Ortsgebieten (35 Todesopfer) und Freiland (29 Todesopfer) verteilt. Die meisten Unfälle ereigneten sich bei Alleinunfällen oder an Kreuzungen. Auffällig ist zudem, dass in 43 Prozent der Fälle eine Vorrangverletzung als Hauptunfallursache genannt wurde – eine Verdreifachung gegenüber 2024.

Maßnahmen für mehr Sicherheit im Radverkehr

Das Unfallgeschehen ist komplex und betrifft alle Verkehrsteilnehmer. Eigenverschulden spielte in rund zwei Drittel der tödlichen Rad- und E-Bike-Unfälle eine Rolle. Der ÖAMTC empfiehlt daher ein Bündel an Maßnahmen:

  • Ausbau der Fahrradinfrastruktur

  • Schulung und Training: Fahrkönnen kann in Kursen gezielt verbessert werden

  • Kontrollen und Überwachung: Alkohol, Drogen, technische Ausstattung, insbesondere illegales E-Bike-Tuning

  • Bewusstseinsbildung: Verkehrsregeln, Helmtrageverhalten und Sicherheitskultur