Unkraut vergeht nicht: Warum wilde Gärten so wertvoll sind

Österreich/ Kärnten -

Mit den ersten warmen Tagen beginnt für viele Hobbygärtner die Gartensaison. Beete werden gesäubert, Rasenflächen begradigt und „Störenfriede“ entfernt. Doch was oft als ordentliche Gartenpflege gilt, kann für zahlreiche Tierarten den Verlust wichtiger Lebensgrundlagen bedeuten. Anlässlich des Tags des Unkrauts am 28. März ruft der Naturschutzbund dazu auf, Wildkräuter unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Brennessel, Gundelrebe und Löwenzahn: Indem man Unkräutern wie diesen Platz im Garten einräumt, betreibt man aktiven Naturschutz

Ein strukturreicher Garten ist nicht nur schön anzusehen, er dient auch als Lebensraum für viele heimische Arten. Wildkräuter, die häufig als „Unkraut“ bezeichnet werden, erfüllen zentrale ökologische Funktionen:

Artenvielfalt braucht Ecken und Kanten

Sie bieten Nahrung, Schutz und Entwicklungsräume für Insekten, Vögel und andere Organismen. Gerade in intensiv genutzten Kulturlandschaften sind naturnahe Gartenbereiche zu wichtigen Rückzugsorten geworden. Viele Insektenarten sind hochspezialisiert und auf bestimmte Pflanzen angewiesen. Fehlen diese Pflanzen, verschwinden auch die Tiere. Ein klassisches Beispiel ist die Brennnessel: Ohne sie gäbe es kaum noch Tagpfauenauge oder Landkärtchen, deren Raupen fast ausschließlich ihre Blätter fressen.

Frühblüher als Rettungsanker für Bestäuber

Bereits im zeitigen Frühjahr entscheidet sich, wie gut Bestäuber durch das Jahr kommen. Pflanzen wie Gundelrebe, Günsel oder verschiedene Ehrenpreisarten liefern Pollen und Nektar, wenn das Blütenangebot noch begrenzt ist. Auch der Löwenzahn ist eine der wichtigsten Nahrungsquellen für Hummeln und Wildbienen im Frühling. Später im Jahr übernehmen Disteln eine ähnliche Rolle. Die Blüten der Gewöhnlichen Kratzdistel werden intensiv von Insekten besucht, während ihre Samen zahlreichen Vogelarten als Nahrung dienen. Dieses Zusammenspiel zeigt exemplarisch, wie eng Pflanzen und Tiere miteinander verbunden sind.

Unscheinbar, aber ökologisch bedeutsam

Auch weniger auffällige Arten wie Vogelmiere oder Wilde Möhre leisten viel für die Biodiversität. Die Vogelmiere blüht sehr früh und versorgt Insekten, wenn andere Pflanzen noch keine Ressourcen bieten. Ihre Samen dienen gleichzeitig Vögeln als energiereiche Futterquelle. Die Wilde Möhre lockt mit ihren Doldenblüten Wildbienen, Käfer und Schwebfliegen an. Letztere tragen durch ihre larvenbedingte Blattlausbekämpfung wesentlich zur natürlichen Schädlingsregulation bei.

Unkraut in Kulinarik und Heilkunde

Viele Wildpflanzen sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch kulinarisch oder heilkundlich interessant. Löwenzahnblätter bereichern Salate, Giersch lässt sich als Wildgemüse verwenden, und Wegerich-Arten sind für ihre reizlindernden Eigenschaften bekannt. „Wildkräuter sind keine Störenfriede, sondern tragende Elemente der Artenvielfalt“, betont Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas. „Wer ihnen Raum lässt, betreibt aktiven Naturschutz im eigenen Garten.“