Warum eine Kuh aus dem Gailtal für Aufsehen sorgt

Nötsch -

Auf einer Almwiese in Nötsch im Gailtal nahm eine Geschichte ihren Anfang, die heute internationale Aufmerksamkeit erhält. Die Braunvieh-Kuh Veronika nutzte einen Besen gezielt als Werkzeug – angepasst an Körperstelle und Aufgabe. Ein Verhalten, das in dieser Form bisher nur bei Menschenaffen dokumentiert worden war.

Witgar Wiegeles Kuh Veronika nutzt einen Besen zum Kratzen

Der aufmerksame Blick von Witgar Wiegele

Entdeckt wurde Veronikas ungewöhnliches Verhalten von Witgar Wiegele, Biobauer, Müller und Bäcker aus Nötsch sowie Nachfahre des Kärntner Malers Franz Wiegele. Wiegele hält Veronika nicht zur Milch- oder Fleischproduktion, sondern als Haustier. Bereits vor rund zehn Jahren beobachtete er, wie sie gezielt Äste aufhob, um sich an schwer erreichbaren Stellen zu kratzen – ein Verhalten, das ihn stutzig machte und schließlich dokumentiert wurde.

Wissenschaft aus Wien trifft Almwiese

Der wissenschaftliche Impuls kam, als ein Video von Veronika Alice Auersperg erreichte, Professorin am Messerli Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Antonio J. Osuna-Mascaró untersuchte sie das Verhalten der Kuh direkt vor Ort in Nötsch. In gezielten Experimenten zeigte sich: Veronika wählte das Werkzeugende (Borsten oder Stiel) bewusst und passte ihre Technik an unterschiedliche Körperregionen an.

Mehr als ein Einzelfall

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht und gelten als seltener Beleg für flexible Werkzeugnutzung bei Rindern. Der Fall Veronika zeigt, wie sehr tierische Fähigkeiten oft übersehen werden – besonders bei Tieren, die wir vor allem unter dem Aspekt ihrer Nützlichkeit betrachten. Und er macht deutlich, dass bedeutende Erkenntnisse nicht nur im Labor entstehen, sondern auch auf einer Almwiese im Gailtal.

Forschungsartikel 

Vetmeduni : Nur eine dumme Kuh! – oder?

Video 

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