AK-Studie Wohnkosten: Steigende Belastung für Kärntner Mieter:innen

Kärnten -

Die aktuelle Studie der Arbeiterkammer Kärnten, ausgewertet durch Joanneum Research, zeigt, dass Mieter:innen besonders stark von steigenden Preisen betroffen sind, während Eigentümer:innen teilweise stabilere Kosten erleben. AK-Präsident Günther Goach warnt: „Für viele Menschen ist die Wohnung zu einem finanziellen Dauerstress geworden. Wenn ein Großteil des Einkommens für Miete und Betriebskosten draufgeht, bleibt am Monatsende kaum Luft zum Leben.“

Im Kärnten-Vergleich ist Wohnen in Hermagor und Völkermarkt am günstigsten

Für die Studie wurden 1.050 Kärntner Haushalte im Jahr 2025 befragt. Neben Mietwohnungen wurden erstmals verstärkt Eigentum und Eigenheime berücksichtigt, um die Auswirkungen der anhaltenden Teuerung umfassend abzubilden. Die Ergebnisse zeigen: Je niedriger das Einkommen, desto größer ist der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Budget. In den niedrigsten Einkommensgruppen müssen Haushalte teilweise mehr als die Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen.

Hermagor im Vergleich günstiges Pflaster

Die Studie zeigt, dass die privaten Quadratmeterpreise inklusive Betriebskosten seit 2023 kärntenweit um durchschnittlich 14,41 Prozent auf 12,7 Euro gestiegen sind. Geförderter Wohnbau verzeichnet einen Anstieg von 10,47 Prozent auf 9,5 Euro. Eric Kirschner von Joanneum Research erklärt: „Wo Genossenschaften stark vertreten sind, steigen die Preise langsamer. Fehlt dieses Gegengewicht, ziehen die privaten Mieten wesentlich schneller an.“ Besonders hohe Wohnkosten werden weiterhin im Zentralraum rund um Klagenfurt und Villach festgestellt, doch auch regionale Zentren wie Feldkirchen geraten zunehmend unter Preisdruck. Die günstigsten Mieten gibt es im Bezirk Völkermarkt und Hermagor.

Energiepreise wirken weiterhin nach

Obwohl die Energiepreise zuletzt leicht gesunken sind, liegen sie noch deutlich über dem Vorkrisenniveau. Viele Mieter:innen spüren die Folgen erst zeitverzögert über Heiz- oder Betriebskostenabrechnungen. Michael Tschamer, Leiter des AK-Referats Mietrecht & Wohnen, erklärt: „Schlechte Dämmung oder veraltete Gebäude treffen am Ende jene, die dort wohnen, und nicht jene, die über Investitionen entscheiden.“

Zufriedenheit sinkt – Belastung steigt

Die Mehrheit der Haushalte ist zwar grundsätzlich zufrieden mit ihrer Wohnsituation, doch besonders im genossenschaftlichen Wohnbau sinkt die Zufriedenheit. Gründe sind steigende Nachzahlungen, Sanierungsrückstände und laufende Kosten. Goach betont: „Transparenz, planbare Kosten und längere Mietverträge sind entscheidend, damit Wohnen wieder Sicherheit bedeutet.“ Im privaten Mietbereich sind mehr als die Hälfte der Verträge befristet, zudem müssen fast alle Privatmieter:innen hohe Kautionen leisten. AK-Direktorin Susanne Kißlinger warnt: „Die Kombination aus steigenden Preisen und unsicheren Verträgen erhöht den Druck besonders für junge Haushalte und Alleinverdienende. Leistbares Wohnen entscheidet darüber, ob Menschen in Kärnten bleiben können.“

AK fordert gezielte Maßnahmen

Die Arbeiterkammer Kärnten empfiehlt unter anderem:

  • Sicherstellung des finanziellen Spielraums gemeinnütziger Wohnbaugenossenschaften, um leistbaren Wohnraum zu schaffen.

  • Ausbau von qualitativ hochwertigem Wohnraum, vor allem 3- und 4-Zimmer-Wohnungen ab 70 m².

  • Strategische Sicherung von Bauflächen, insbesondere entlang der Koralmbahn, um Regionen besser erreichbar zu machen.

  • Ausbau von Wohnraum durch gemeinnützige Bauvereinigungen auch außerhalb des Zentralraums durch Bestandsverdichtung und gut angebundene Randlagen.

  • Regelmäßige Evaluation und gegebenenfalls Anpassung der Wohnbeihilfe des Landes Kärnten.

  • Transparente Abrechnungen und frühzeitige Informationen über Nachzahlungen im genossenschaftlichen Wohnbau.

  • Abschaffung befristeter Mietverträge bei gewerblicher Vermietung.