Radwegbenützungspflicht aufheben und auch temporäre Radwege einrichten

Coronakrise macht sichtbar, dass viele Gehsteige und Radwege zu schmal sind

VCÖ - Einen Meter Abstand halten. Diese sehr wichtige Maßnahme, um das Coronovirus eindämmen zu können, macht deutlich, dass viele Gehsteige in Österreich viel zu schmal sind, stellt der VCÖ fest. Auch etliche Radwege sind nicht breit genug, um ausreichend Abstand halten zu können. Der VCÖ spricht sich dafür aus, dass während der Coronakrise die Radwegbenützungspflicht aufgehoben wird. Auch die Einrichtung temporärer Radwege ist eine Möglichkeit, mehr Platz fürs Radfahren zur schaffen.


Wer jetzt notwendige Wege zurückzulegen hat – zur Arbeit, um Einkäufe zu erledigen oder um anderen zu helfen – sollte diese wenn möglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad machen. Denn damit wird in den öffentlichen Verkehrsmitteln Platz für jene frei, die diese benötigen. Und im Unterschied zum Auto ist das Fahrrad platzsparend und verursacht keine gesundheitsschädlichen Schadstoffe.  

Wichtig ist,

dass beim Gehen und Radfahren der Mindestabstand von einem Meter eingehalten wird. „Die Coronakrise macht nun sehr deutlich sichtbar, dass häufig die Gehwege zu schmal sind. Wenn sich auf schmalen Gehsteigen zwei Personen begegnen, ist der Abstand nur einzuhalten, wenn eine Person die Straße betritt“, macht VCÖ-Sprecher Christian Gratzer aufmerksam. Dabei wurde bereits vor vielen Jahren eine Regelbreite von zwei Metern als Standard für Gehsteige festgelegt, die Mindestbreite beträgt laut ÖNORM 1,50 Meter. „Doch derzeit wird auf vielen Straßen den parkenden Autos mehr Platz eingeräumt, als den Bürgerinnen und Bürgern, die zu Fuß gehen“, so VCÖ-Sprecher Gratzer.  
  •     In den Gemeinden und Städten ist nach der Coronakrise eine umfassende Behebung der Mängel in der Infrastruktur für Fußgängerinnen und Fußgänger nötig. Der Bund sollte dabei die Kommunen unterstützen, betont der VCÖ. Dieses klimaverträgliche Infrastrukturprogramm schafft und sichert zudem vor Ort Arbeitsplätze, weil Gehsteigverbreiterungen von lokalen, kleineren Baufirmen umgesetzt werden können.
  Auch zahlreiche Radwege sind zu schmal. Gerade für Familien mit Kindern sind kurze Radfahrten derzeit eine der wenigen Möglichkeiten, dass Kinder in die frische Luft kommen und sich bewegen können. „Drei Wochen Schulunterricht zu Hause, keine Freundinnen und Freunde treffen können, Spielplätze sind gesperrt und der gewohnte Sport ist auch nicht möglich. All das stellt Kinder vor eine große Herausforderung und natürlich auch ihre Eltern, die neben der Kinderbetreuung oft zusätzlich Home-Office zu machen haben. Die Möglichkeit, mit den Kindern eine Radfahrt machen zu können, ist in dieser Situation für Familien sehr wichtig“, so VCÖ-Sprecher Gratzer.  
  •     Um für Familien mit Kindern mehr Platz auf den Radwegen zu schaffen, kann die Radwegbenützungspflicht aufgehoben werden. Eine Möglichkeit ist zudem die Schaffung von temporären Radwegen. Dabei werden Fahrbahnen für den Kfz-Verkehr gesperrt.  Bogota hat seit Beginn der Coronakrise 112 Kilometer Straßen in temporäre Radwege umgewandelt. „In einer außergewöhnlichen Situation sind auch außergewöhnliche Maßnahmen nötig“, stellt VCÖ-Sprecher Gratzer abschließend fest.
 

Der „VCÖ – Mobilität mit Zukunft“

ist eine auf Mobilität und Transport spezialisierte, gemeinwohlorientierte Organisation. Ziel des VCÖ ist ein ökologisch verträgliches, ökonomisch effizientes und sozial gerechtes Verkehrssystem. Die Sichtweise des VCÖ ist global orientiert, themenübergreifend und berücksichtigt die Interessen zukünftiger Generationen.