Eine Lesachtalerin, die Stimme und Gemeinschaft verbindet

Lesachtal -

Seit mehr als zwei Jahrzehnten prägt Hemma Hohenwarter den Dorfladen in Birnbaum – als verlässliche Verkäuferin, als Zuhörerin und als jemand, der das soziale Leben im Ort mitträgt. Doch ihre eigentliche Leidenschaft schlägt im Takt der Musik: Seit ihrer Kindheit begleitet sie das Singen, heute ist sie eine der prägenden Stimmen im Gemischten Chor St. Jakob im Lesachtal. Familie, Arbeit, Chor – drei Konstanten, die ihr Leben im Lesachtal formen und erfüllen.

Hemma, wie sie viele kennen: offen, freundlich und geerdet

Hemma Hohenwarter (52) lebt in Kornat bei Birnbaum und ist seit 27 Jahren im Dorfladen Birnbaum tätig – jener Nahversorger, der für viele im Tal mehr ist als ein Geschäft: Treffpunkt, Informationsbörse und Ort für ein freundliches Wort zwischendurch. Aufgewachsen auf der Nostra und in Kornat, besuchte sie die Volksschule in Kornat, anschließend die Hauptschule St. Lorenzen und die LLA in Lienz. Nach ihrer Einzelhandelslehre bei Klaus Steinwender in Mauthen führte sie ihr Weg ins Schweizer Gastgewerbe. Zurück in der Heimat arbeitete sie bis zur Geburt ihrer ersten Tochter im Lagerhaus Kötschach, bevor sie 1999 im Dorfladen Birnbaum ihre berufliche Heimat fand. Seit 31 Jahren ist sie mit ihrem Mann Martin verheiratet, einem Forstfacharbeiter aus Kreuth bei Kötschach-Mauthen. Dieser arbeitet bei der Firma Raphael Gressel in Mauthen bzw. im Plöckengebiet. Zur Familie gehören die Töchter Simone (Elementarpädagogin im Kindergarten Presseggersee) und Natalie (arbeitet bei „Kristler Gwand“ Kötschach). Besonders schätzt Hemma die Momente, in denen alle gemeinsam zuhause sind. Auch ihre Eltern, Josefine und Anton Webhofer, leben im Haus – ein Mehrgenerationenalltag, der für sie selbstverständlich und wertvoll ist.

Gailtal Journal: Wurde Ihnen das Singen schon früh in die Wiege gelegt?

Ja, das kann man so sagen. Ich habe bereits als 12 Jährige im Kirchenchor Kornat begonnen und bin dadurch sehr früh mit Musik und Gemeinschaft in Berührung gekommen. Das Singen hat mich mein ganzes Leben begleitet. Heute stehe ich selbst nicht mehr so im Vordergrund, aber ich unterstütze meine ältere Tochter Simone, wenn sie bei kirchlichen Feiern oder organisatorischen Dingen Hilfe braucht. Es ist schön, wenn man im Hintergrund etwas beitragen kann.

Der Gemischte Chor St. Jakob vor dem Lindwurm – Musik trifft Landeshauptstadt

Was bedeutet Ihnen das Singen im Gemischten Chor St. Jakob?

Der Chor ist für mich ein Fixpunkt im Leben. Was als Aushilfe begann, ist zu einem wöchentlichen Termin geworden, auf den ich mich freue. Das gemeinsame Singen, die Harmonie in der Gruppe und die vielen schönen Auftritte geben mir Kraft. Musik macht das Herz leichter und lässt Sorgen kleiner wirken. Ich bin seit 25 Jahren dabei und singe den Sopran, seit vielen Jahren bin ich auch für die PR-Arbeit und Schriftführertätigkeiten zuständig.

Das „Mussenfest“ ist jedes Jahr ein besonderer Höhepunkt?

Ja, absolut. Auch wenn die Vorbereitung viel Zeit und Energie kostet, ist es jedes Jahr ein unvergessliches Fest. Viele Freunde, Sängerkollegen und Gäste kommen zu Fuß, mit dem Rad oder zu Pferd auf den Blumenberg. Diese Mischung aus Natur, Musik und Gemeinschaft macht das Fest so einzigartig.

Hemma mit ihrem Mann Martin und den Töchtern Simone und Natalie

Wie erleben Sie den Alltag im Dorfladen Birnbaum?

Ich arbeite sehr gern dort. Man kennt die Menschen, ihre Geschichten, ihre Freuden und Sorgen. Der Dorfladen ist ein Ort, an dem man sich begegnet – besonders wichtig, seit es kein Gasthaus mehr gibt. Mir gefällt es, wenn ich mit kleinen Gesten oder einem Gespräch jemandem den Tag ein Stück heller machen kann.

Sie sind im Lesachtal tief verwurzelt. Was bedeutet Ihnen das?

Ich bin dankbar, in einer so schönen und ruhigen Gegend zu leben. Manchmal werden wir als „Hinterwäldler“ bezeichnet, aber das trifft uns nicht. Wir leben dort, wo andere bewusst Urlaub machen. Diese Natur, diese Gemeinschaft – das ist ein großes Geschenk.