Anlässlich dieses Jubiläums lud der Verein „Wir für Obervellach“ zu einer literarisch-musikalischen Begegnung.

100 Jahre Ingeborg Bachmann

Obervellach -

Bei extremer Sommerhitze trafen sich am Freitagnachmittag, dem 19. Juni, etwa 70 kulturinteressierte Gäste beim Bachmann-Brunnen in Obervellach, um sich dort mit Freunden und Bekannten unter dem Titel „Vor-Ort-Gedanken“ auf Augenhöhe auszutauschen.

Beim Festakt anlässlich „100 Jahre Ingeborg Bachmann“ in Obervellach (von links): Engelbert Obernosterer, Judith Rauter (WFO), Inge Lasser, Brigitta Huemer, Rudi Lasser, Herbert Unterberger, Claudia Rosenwirth-Fendre und Doris Lasser

Ein Brunnen als Zeichen der Erinnerung

Bürgermeister DI Leopold Astner wies in seiner Begrüßung auf die wertvolle Tatsache hin, dass die Entstehung des bereits im Juni 2018 enthüllten „Bachmann-Brunnens“ darin begründet liegt, dass sich die elterlichen Wurzeln von Ingeborg Bachmann (1926–1973), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, in Obervellach bei Hermagor finden. „Dem anwesenden heimischen Bildhauer Herbert Unterberger ist mit diesem Erinnerungsbrunnen ein wahres Meisterwerk gelungen, das laufend von zahlreichen Besuchern gerne bestaunt wird.“

Bürgermeister DI Leopold Astner bei der Begrüßung zum „Bachmann-Brunnen“ (c) Hans Jost
Enthüllung Bachmann-Brunnen im Juli 2018 mit Bildhauer Herbert Unterberger und Isolde Moser (Schwester von Ingeborg Bachmann) (c) Hans Jost

Botschaften

Die Gailtaler Schriftstellerin Claudia Rosenwirth-Fendre, u. a. auch Kuratorin der Jahresausstellung 2026 im Evangelischen Forum Fresach, appellierte in ihrer Festrede speziell an die Schülerinnen des Bundesschulzentrums Hermagor, sich das dokumentierte Schicksal von Ingeborg Bachmann in ihrer Maturazeit, das heißt unmittelbar nach Kriegsende 1945, vor Augen zu führen. „Ingeborg Bachmann war damals eine intelligente, aber doch mutig aufbegehrende junge Frau, der die unmittelbaren Folgen und Verwirrungen des soeben erst erfolgten Kriegsendes nicht verborgen blieben. Es war ein Frieden, von dem man nicht viel merkte. Vor diesem Hintergrund formten sich Ingeborgs Zukunftsvisionen und doch auch ihre Kraft zum Widerstand.“

Claudia Rosenwirth-Fendre appellierte in ihrer Festrede an die Schülerinnen, sich mit dem Schicksal Ingeborg Bachmanns nach 1945 auseinanderzusetzen (c) Hans Jost

Überaus gekonnt rezitierte anschließend Schriftstellerkollegin Brigitta Huemer das Gedicht „Böhmen liegt am Meer“.

Brigitta Huemer rezitierte das Gedicht „Böhmen liegt am Meer“ (c) Hans Jost

Eine zum Nachdenken anregende literarische Zitatencollage präsentierten abschließend insgesamt elf Schülerinnen und Schüler der HLW des BSC Hermagor unter der Leitung von Mag.a Doris Lasser.

HLW-Schüler:innen des BSC Hermagor (c) Hans Jost

Die musikalische Umrahmung gestaltete Silke Neuwirth mit ihrer Formation „Silksonic“.

Silke Neuwirth („Silksonic“) (c) Hans Jost

Bildhauer Herbert Unterberger erklärt sein Werk: „Wer aus dem Brunnen mit Wasser aus dem Spitzegelmassiv trinkt, verbeugt sich automatisch vor Ingeborg Bachmann. Es war für mich eine große Ehre und Freude, den Gedenkstein aus Krastaler Marmor für Ingeborg Bachmann zu gestalten. Die Inschrift ‚Wohin aber gehen wir‘ ist auf verschiedenste Weise mit Ingeborg Bachmann zu verbinden.“

Bildhauer Herbert Unterberger (c) Hans Jost

Mit dabei auch

Vizebürgermeisterin Irmi Hartlieb, Rudi Lasser als Moderator, Künstlerin Inge Lasser als Sprecherin des Vereines „Wir für Obervellach“, die beiden Hermagorer Ehrenbürger Literat Engelbert Obernosterer (90) und Bildhauer Herbert Unterberger (82), Literatin Irmgard Janschitz, Architekt DI Dr. Herwig Ronacher, WK-Obmann Hannes Stattmann, VIA-Intendantin Helga Pöcheim, Pfarrerin Mag. Veronika Ambrosch, ÖAV-Urgestein Dr. Hermann Verderber u. v. a. .

Impressionen vom Bachmann-Jubiläum