Wenn Schule zur Belastung wird: Immer mehr Teenager verweigern den Unterricht

Kärnten/ Österreich -

Während das Schuljahr in seine finale Phase geht, rückt ein belastendes Thema für viele Familien stärker in den Fokus: die Verweigerung des Schulbesuchs durch Kinder und Jugendliche. Für Eltern bedeutet diese Situation oft große Sorge und Hilflosigkeit, für die Betroffenen selbst ist sie meist mit erheblichem psychischem Druck verbunden.

Schulverweigerung: Mobbing und Ausgrenzung ist der Hauptgrund, warum besonders Teenager oft den Schulbesuch verweigern

Schulverweigerung zählt zu häufigsten Beratungsthemen

Wie die Beratungsstelle Rat auf Draht berichtet, gehört Schulverweigerung zu den häufigsten Themen in der Elternberatung. Im Jahr 2025 wurden dazu insgesamt 77 Beratungen geführt, im Jahr davor waren es 93. Bereits im ersten Quartal 2026 kamen weitere 27 Gespräche hinzu. Auch bei Kindern und Jugendlichen selbst spielt das Thema eine wichtige Rolle: Über die Notrufnummer 147 stieg die Zahl der Beratungen von 83 im Jahr 2024 auf 98 im Jahr 2025 – ein Plus von rund 18 Prozent.

Vielfältige Ursachen für Schulverweigerung

„Die Gründe, weshalb sich Kinder weigern, in die Schule zu gehen, sind sehr unterschiedlich“, erklärt Barbara Binder, Psychotherapeutin und Beraterin bei elternseite.at. Am häufigsten genannt werden Mobbing und Ausgrenzung, gefolgt von Leistungsdruck und Überforderung. Auch psychische Belastungen wie Depressionen oder Angstzustände, familiäre Konflikte, belastende Lebensereignisse, fehlende Motivation sowie Probleme im Schulumfeld können eine Rolle spielen. Ebenso werden Lernschwierigkeiten oder Teilleistungsstörungen als Ursachen genannt. „Wir ergründen in den Gesprächen gemeinsam die Ursachen und bieten Ideen für Handlungsmöglichkeiten an“, erklärt Birgit Satke, Leiterin des Beratungsteams von Rat auf Draht. Gleichzeitig betont Binder, dass gelegentliche Schulunlust normal sei. Sorge bereiten sollten jedoch wiederkehrende oder länger andauernde Verweigerungen, die sich meist schleichend entwickeln.

Besonders Teenager betroffen

Die Beratungszahlen zeigen, dass vor allem Jugendliche im Teenageralter betroffen sind. Bei elternseite.at betrafen 61 Beratungen im Jahr 2025 die Altersgruppe der 11- bis 18-Jährigen. Auch die Notrufnummer 147 verzeichnete die meisten Gespräche in den Altersgruppen der 15- bis 18-Jährigen sowie der 11- bis 14-Jährigen. Auffällig sind zudem Unterschiede beim Geschlecht: In den Elternberatungen wurde häufiger über Jungen gesprochen, während sich bei der Notrufnummer deutlich mehr Mädchen und junge Frauen meldeten.

Wie Eltern reagieren sollten

Die Expert:innen von Rat auf Draht empfehlen Eltern, Verständnis zu zeigen und gemeinsam mit dem Kind nach Lösungen zu suchen. Vorwürfe seien in dieser Situation wenig hilfreich, da der Leidensdruck bei den Betroffenen meist hoch sei. Wichtig sei zudem der Austausch mit Lehrkräften sowie eine kritische Reflexion des eigenen Erziehungsverhaltens. Bei anhaltenden Problemen sollte professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden.

Beratungsgespräche sind über elternseite.at jederzeit möglich. Zusätzlich bietet Rat auf Draht gemeinsam mit dem Bildungsministerium eine Hotline für Schulpsychologie unter 0800 211 320 an.