„Ich kenne hier jede Kuh beim Namen“

Bischofalm -

Warum eine 19-jährige Neuseeländerin ihren Sommer ausgerechnet auf einer Kärntner Alm verbringt, erfahren in diesem Beitrag. Schließlich trifft man hoch oben auf unseren Almen nicht jeden Tag auf Neuseeländer…

Käseanschnitt: Josef mit drei Urlauberkindern und Doreen sowie Sarah mit dem Cello

Seit Anfang Juni verbringt die 19-jährige Sarah Patricia Artmann aus Wellington ihren ersten Almsommer auf der Bischofalm im Gailtal. Im Interview erzählt sie, wie sie auf die Alm gekommen ist, was sie an der Arbeit fasziniert und warum sie den Wert von Lebensmitteln heute mit ganz anderen Augen sieht.

Sarah, wie kommt eine junge Frau aus Wellington in Neuseeland auf die Bischofalm im Gailtal?

Meine Mutter ist aus Deutschland, mein Vater aus Neuseeland. Als Kind habe ich oft meine deutsche Familie besucht. Wir sind viel wandern gegangen und dabei habe ich zum ersten Mal Almen gesehen und erlebt. Das war für mich etwas ganz Besonderes, denn in Neuseeland gibt es keine Almen.

Hirte Hans, Sarah und Doreen

Während eines Praktikums in einem landwirtschaftlichen Betrieb – ich besuchte eine Waldorfschule in Neuseeland – hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, Kühe zu melken. So bin ich direkt mit der Landwirtschaft in Berührung gekommen. Das hat mich so fasziniert, dass ich nach meiner Schulausbildung ein halbes Jahr auf verschiedenen Milchfarmen in Neuseeland gearbeitet habe, um mehr über die Milchwirtschaft zu erfahren. Meine Mutter wollte als junge Frau selbst immer einmal auf einer Alm arbeiten,  hat diesen Wunsch aber nie verwirklichen können. Deshalb hat sie mich bei meinem Vorhaben sehr unterstützt. Ich liebe die Berge, ich mag Kühe sehr gerne und das Käsen finde ich unglaublich spannend. Über die Onlineplattform „Almwirtschaft“ habe ich nach einer passenden Stelle gesucht und sie schließlich hier im Gailtal auf der Bischofalm gefunden.

Wie sieht dein Alltag auf der Bischofalm aus?

Ich arbeite gemeinsam mit drei anderen Personen: Hans ist der Hirte, Josef ist Käser und Almchef und Doreen ist die zweite Sennerin.

Zu meinen Aufgaben gehört es, morgens und abends die Kühe zu melken, sie auf die Weide zu treiben und später wieder zum Melken zu holen. Abwechselnd mit Doreen unterstütze ich Josef in der Käserei beim Käsen, Buttern und bei der Käsepflege. Manchmal koche ich auch das Mittagessen für unser vierköpfiges Team oder bewirte Wanderer und Mountainbiker, die auf die Alm kommen.

Was gefällt dir an der Arbeit auf der Alm am besten?

In dem Milchkuhbetrieb in Neuseeland gab es so viele Kühe, dass man unmöglich jede einzelne kennen konnte. Hier auf der Bischofalm ist das ganz anders. Ich finde es total schön, jede Kuh kennenzulernen und sie mit ihrem Namen anzusprechen.

Wenn man die Kühe auf die Weide treibt, ist man draußen, genießt die Berge und verbringt Zeit mit den Tieren. Es ist aber wirklich schwer zu sagen, was mir am besten gefällt, denn ich finde eigentlich alles richtig schön. Das Buttermodeln ist so angenehm ruhig. Beim Käse drehen und putzen ist es ein tolles Gefühl, einen ganzen Laib Käse in den Händen zu halten. Und wenn ich Gäste bewirte, lerne ich viele interessante Menschen kennen.

Ganz besonders finde ich es, den gesamten Käseherstellungsprozess mitzuerleben und zu verstehen, wie viel Arbeit dahintersteckt. Dadurch schätze ich Lebensmittel heute viel mehr und habe eine große Wertschätzung dafür entwickelt.

Du bist schon viel herumgekommen. Was hast du vor deinem Almsommer gemacht?

Nachdem ich die Schule abgeschlossen hatte, habe ich mir einen Bus gekauft und bin durch ganz Neuseeland gereist. Zwischendurch habe ich viel Woofing* gemacht und im Winter in einem Café gearbeitet. Bevor ich auf die Bischofalm gekommen bin, war ich drei Monate auf einem Bio-Milchbetrieb mit rund 180 Kühen in Neuseeland beschäftigt und habe dort gemolken.

  • Anmerkung der Redaktion: Woofing ist ein freiwilliger Aufenthalt auf ökologischen Bauernhöfen, bei dem man durch Mithilfe praktische Erfahrungen in nachhaltiger Landwirtschaft sammelt und im Austausch Unterkunft und Verpflegung erhält.

Video!

Dank Sarah erklangen ab und an auch Cello-Klänge auf der Alm:

Zieht es dich nächsten Sommer wieder auf die Alm?

Ja, auf jeden Fall! Ich möchte unbedingt noch einmal einen Almsommer machen. Ob es wieder die Bischofalm wird, weiss ich aber noch nicht – als Besucherin werde ich hierher jedenfalls zurückkehren!

Josef und Barbara Warmuth mit Sarah in der Mitte