Vergiftete Gänsegeier: Waren Wölfe das eigentliche Ziel?

Lesachtal -

Kürzlich sorgte ein ungewöhnlicher Fund im Bereich St. Lorenzen im Lesachtal für Rätselraten: Sechs verendete Gänsegeier wurden aufgefunden. Wenig später konnte – wie zunächst vermutet – eine Vergiftung nachgewiesen werden. (Wir haben berichtet) Nun liegen neue Erkenntnisse vor. Demnach besteht der Verdacht, dass eigentlich Wölfe das Ziel der Vergiftung gewesen sein könnten.

Zumindest drei der verendeten Tiere hatten Fleisch von Rotwild im Magen – waren Wölfe das Ziel der Vergiftung?

Daraufhin untersuchte das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) die Nahrungsreste in den Mägen der verendeten Tiere. Laut Angaben des WWF konnte dabei bei zumindest drei Vögel Fleisch von Rotwild nachgewiesen werden. 

Gezielter Giftanschlag oder Zufall?

Vergiftungen zählen historisch zu den wesentlichen Ursachen für die Ausrottung des Wolfs in Österreich. Zudem wird berichtet, dass bereits im April in Italien insgesamt 18 Wölfe durch das in der EU verbotene Carbofuran vergiftet wurden. Ein gezielter Anschlag auf die Geier kann zwar nicht ausgeschlossen werden, derzeit spricht jedoch vieles für einen Kollateralschaden, wie Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich, erklärt.

Hochgiftiges Nervengift

Das hochgiftige Nervengift Carbofuran ist in der Europäischen Union seit 2008 verboten. Dennoch wird es bis heute immer wieder illegal eingesetzt. Bereits kleinste Mengen können für Menschen, Haustiere und Wildtiere lebensgefährlich sein. BirdLife und der WWF fordern daher mehr Ressourcen für die Ermittlungsbehörden sowie eine konsequente Verfolgung von Wildtierkriminalität.