Erstmals in Österreich: Fruchtbarkeitserhalt bei sehr jungen Krebspatientinnen in Innsbruck

Klinik Innsbruck -

An der Klinik Innsbruck wurde erstmals in Österreich die Fertilitätsprotektion als Bestandteil der Krebstherapie auch bei Kindern unter zehn Jahren umgesetzt. Da dank moderner Medizin heute glücklicherweise rund 80 Prozent der an Krebs erkrankten Kinder ihre Erkrankung überleben, rücken die langfristigen Folgen der Behandlung zunehmend stärker in den Fokus – insbesondere die mögliche Beeinträchtigung der späteren Fruchtbarkeit. Die Klinik erweitert damit einen bislang vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen etablierten Ansatz nun auch auf sehr junge Patientinnen.

Derzeit sind die Kosten für den Eingriff und die laufende Kryokonservierung von Patient:innen selbst zu tragen. Für Kinder bzw. deren Eltern besteht derzeit nach Anfrage und individueller Beurteilung die Möglichkeit zur Unterstützung von der Kinderkrebshilfe

Neue Option

Im Zentrum der Methode steht die Kryokonservierung von Eierstockgewebe, das nach der Entnahme eingefroren und zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingesetzt werden kann. In Österreich wurde dieser Eingriff am Landeskrankenhaus Innsbruck erstmals 2025 bei einem sechsjährigen Mädchen und 2026 bei einem vierjährigen Kind durchgeführt. Das Verfahren ermöglicht es, später die Pubertätsentwicklung zu unterstützen oder im Erwachsenenalter eine mögliche Schwangerschaft zu erleichtern. Laut der Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin ist diese Form besonders bei Mädchen relevant, da Eizellen bereits von Geburt an im Eierstockgewebe vorhanden sind.

Bedeutung von Aufklärung und interdisziplinärer Zusammenarbeit

Medizinerinnen und Mediziner betonen die zentrale Rolle der frühzeitigen Information von Eltern. Chemotherapien und Bestrahlungen können die Fruchtbarkeit dauerhaft schädigen, weshalb die Entscheidung über mögliche Schutzmaßnahmen möglichst vor Therapiebeginn getroffen werden sollte. Eine retrospektive Auswertung der Medizinische Universität Innsbruck über 18 Jahre mit Daten von rund 500 Kindern zeigt, dass entsprechende Maßnahmen bisher nur selten im Kindes- und Jugendalter umgesetzt wurden. Auch die Innsbrucker Kinderklinik hebt hervor, dass eine umfassende Beratung entscheidend ist, um betroffene Familien rechtzeitig über Möglichkeiten zur Fertilitätsprotektion zu informieren.

Forschung, Versorgung und gesellschaftliche Dimension

Parallel dazu beteiligt sich die Kinderonkologie Innsbruck an internationalen Studien, die die Auswirkungen moderner Krebstherapien auf die Fruchtbarkeit systematisch untersuchen. Ziel ist eine verbesserte, evidenzbasierte Beratung und eine langfristige Nachbeobachtung der betroffenen Kinder. Die Maßnahmen sind dabei Teil der klinischen Routine und greifen nicht in die Krebstherapie selbst ein. Während die Kosten für Eingriff und Kryokonservierung derzeit von Patientinnen und Patienten getragen werden müssen, kann im Einzelfall Unterstützung durch die Kinderkrebshilfe erfolgen. Vertreterinnen der Politik betonen zudem die gesellschaftliche Bedeutung: Fertilitätsprotektion wird als Beitrag zu Lebensqualität, Selbstbestimmung und Chancengerechtigkeit verstanden.