Von schartigen Messern und röhrenden Hirschen

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Möderndorf -

Schwangere Mädchen, hoher Besuch und die Moral der Gailtaler ist besser als Frisur. Engelbert Obernosterers „Paolo Santonino“ erfährt im August vor dem Schloss Möderndorf seine Neuauflage.

„Paolo Santonino” - Michael Buchacher, Sekretär des Patriarchen von Aquileia, visitiert als Begleitung des Bischofs von Caorle das Gailtal

Für deftige Einlagen ist nicht allein das Original Osram (Matteo Obernosterer) zuständig. „Fressen, saufen, raufen und dann Kinder taufen“ zeigt das Sittengemälde zwischen Kirche und Bett. Paolo Santonino (Michael Buchacher), Sekretär des Patriarchen von Aquileia, visitiert als Begleitung des Bischofs von Caorle (Bernd Herta) das Gailtal und dient Engelbert Obernosterer als Rahmen für sein urig kritisches Sittengemälde.

Damals wie heute

Kernstück ist das auch heute aktuelle Thema: Gewalt durch und an Menschen, besonders an Frauen. Zudem hat Santonino in seinem Reisetagebuch allerlei über Sitten, Kleidung, Essen, einzelne Persönlichkeiten und kulturelle Eigenheiten festgehalten. Diese Aufzeichnungen korrelieren mit dem Heute und zeigen so ein Bild unserer Alltagswelt und wie sie gegen Ende des 15. Jahrhunderts ausgesehen hat.

„Die Predigt des Bischofs Pietro Carlo“ – Günther Marizzi. Leider ist Marizzi nicht mehr im Ensemble, heuer übernimmt Bernd Herta die Rolle des Bischofs

Grausam haben sie gewütet…

In fünf Aufzügen fiebert das Publikum mit Paola von Gonzaga (Tina Pugelj), dem vergewaltigten Mädchen Agnes (Alexandra Schellander), der naiv lüsternen Burgfrau Barbara (Maria Jury), die vom lehrreichen Sticken röhrender Hirsche erzählt. Unterbrochen von Santonino, der über so viel „ersticktes Leben“ nur seufzen kann. Wenn der Fuhrmann Pankratz (Hans Peter Kreuzberger) erscheint, wird es für den Grafen Leonhard (Erhard Obernosterer) ungemütlich. Der Bischof, ein harter, kalter Kirchenfürst empfiehlt gebieterisch den Untertanen Keuschheit und Askese und teilt nicht die Ansichten des Ortspfarrers (Oswald Jury). Über das Lachen der Frauen ärgert sich Burgherr Vend (Günther Schreibmajer). Am Ende geht es zum großen Rittermahl, wo Pankratz an seinem „Unfalltod“ selbst schuld ist und der Horumburger (Herbert Waldner) kräftig aufmischt.

„Pankratz“ – Hans Peter Kreuzberger mit den Wachmännern Peter Wiedner und David Wölbitsch
Graf Leonhard von Görz in aggressiver Aufregung“ – Erhard Obernosterer
„Paola von Gonzaga und Zofe Notburga“ – Elisabeth Bachmann und Tina Pugelj
„Burgherr Vend und seine Küchenchefin“ – Günther Schreibmajer und Lissi Mosser

Ein Kultstück zum 90er

Die neu gegründete „Theatergruppe Gailtal“ gratuliert so dem Autor Engelbert Obernosterer zum Neunziger, indem sie „seinen Santonino“ – ein Kultstück, im August 2026 vor dem Schloss Möderndorf und in Lienz in der Spitalskirche aufführt. Der „Santonino 2026“ wird jedenfalls mit einigen interessanten Neuerungen (musikalische Einlagen) und Neubesetzungen dem Publikum präsentiert. Trotzdem einige Akteure bereits 2024 mitgespielt haben, sind die Proben, die bereits im Feber begonnen haben, durchaus herausfordernd. „Das Sittenbild hat unglaublich feine Nuancen, die im Spiel tragend sind. Engelbert bleibt eben auch bei diesem mittelalterlichen Stoff der schon bekannte Obernosterer“, so der Regisseur Werner Wölbitsch.


Tickets und Termine

Tickets sind Online über www.santonino.at und bei den Raiffeisenkassen Hermagor und Kötschach erhältlich.

Premiere: Am Freitag, 7. August, um 20:30 Uhr vor dem Schloss Möderndorf
Zweite Aufführung: Am Samstag, 8. August, um 20:30 Uhr

Spitalskirche/BORG Lienz:
Am Donnerstag, 13. August, um 20:30 Uhr und am Freitag, 14. August, um 20:30 Uhr