Spezialmedizin unter Druck: Sorge um die Zukunft der Interventionellen Radiologie

Kärnten -

Mit Sorge kommentieren der Präsident der Kärntner Ärztekammer Dr. Markus Opriessnig und der Sprecher der Kärntner Spitalsärztinnen und Spitalsärzte Vizepräsident Dr. Maximilian Miksch die aktuelle Entwicklung im Department für Interventionelle Radiologie. „Es ist bedauerlich, dass der engagierte und erfolgreiche Leiter dieser Einheit, OA Dott. Luca De Paoli, das Klinikum Klagenfurt verlässt.

Es sei ein Alarmzeichen für das Kärntner Gesundheitswesen, wenn hoch motivierte Ärztinnen und Ärzte an den Rahmenbedingungen scheitern und sich stattdessen neue Aufgaben suchen

Seit 2014 steht er der Kärntner Bevölkerung zur Verfügung und er hat diese Aufgabe 2024 mit hohen Zielen und unermüdlichem Fleiß angetreten. Nun musste er erkennen, dass er und sein Team nicht zeitgemäß und situationserforderlich unterstützt werden, um dauerhaft den selbst gestellten hohen Anforderungen für Qualität, Verlässlichkeit und Verfügbarkeit im Sinne der Patientinnen und Patienten gerecht werden zu können“, teilt die Kammerspitze mit.

Unverzichtbar im Notfall

Dr. Miksch warnt davor, dass die KABEG und die Gesundheitspolitik diesen personellen Abgang in seiner fachlichen Dimension unterschätzen. „Es handelt sich um ein vergleichsweise kleines Department, aber es hat eine unglaublich große Bedeutung für schwerst erkrankte oder verletzte Patientinnen und Patienten. Das gesamte Team um Dott. De Paoli steht 24/7 für alle interventionellen Notfälle im Klinikum Klagenfurt/WS der Kärntner Bevölkerung verlässlich zur Verfügung.“ Interventionelle Radiologinnen und Radiologen können über feine Katheter und Mikrokatheter Engstellen in Blutgefäßen weiten, Stents einsetzen oder Blutungen verschließen. Im akuten Schlaganfall kann eine rasche Wiedereröffnung eines verschlossenen Hirngefäßes schwere Folgen verhindern. In Notfällen können lebensbedrohliche Blutungen gestillt werden.

Medizinischer Fortschritt in Gefahr

„Viele Interventionen, die man früher über mehrstündige, aufwendige und risikoreiche Operationen durchgeführt hat, können heute vergleichsweise schnell, risikoarm und organerhaltend bewerkstelligt werden“, betont Dr. Miksch. Auch in der Krebsmedizin spielt die Interventionelle Radiologie eine immer größere Rolle. Patientinnen und Patienten bleiben damit aufwendige Therapien erspart. Dr. Miksch weist darauf hin, dass die Interventionelle Radiologie eines jener Fachgebiete ist, in dem die positiven Wirkungen des medizinischen Fortschrittes in besonderem Maße spürbar werden. „Es ist daher fatal, wenn in Kärnten das einzige Department für diese Spezialisierung ihren fachlichen Leiter verliert und darüber hinaus auch seine Zukunft in Frage gestellt ist, weil der Personalmangel so groß ist. Ein gutes Gesundheitssystem muss daher im Interesse der Patientinnen und Patienten in den Ausbau der Interventionellen Radiologie investieren. Umso bedauerlicher ist es, dass wir in Kärnten gerade das Gegenteil erleben“, ziehen Dr. Opriessnig und Dr. Miksch ein trauriges Fazit.

Ruf nach raschem Handeln

Sie appellieren abschließend an die zuständigen Stellen, rasch Klarheit zu schaffen und die nachhaltige Sicherstellung der interventionell-radiologischen Versorgung in Kärnten zu gewährleisten. Eine leistungsfähige interventionell-radiologische Infrastruktur ist ein unverzichtbarer Baustein einer modernen Gesundheitsversorgung und liegt im Interesse aller Kärntnerinnen und Kärntner.