Depression und Suizidprävention: Kärnten hilft!

Kärnten -

„Die Coronapandemie schlägt in allen Lebensbereichen auf – nicht zuletzt im psychosozialen Bereich. Corona ist eine immense Herausforderung für unsere mentale und psychische Gesundheit. Vor allem Jugendliche leiden“, machte heute, Mittwoch, im Rahmen einer Pressekonferenz Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner deutlich. „Je länger die Krise andauert, desto größer werden die psychischen Belastungen.

Depression "Wir helfen dir!"vl: Primarius Dr. Herwig Oberlerchner, LHStvin Dr.in Beate Prettner, Franz Wutte (Leiter Gesundheitsland Kärnten)

Kindern und Jugendlichen fehlen die sozialen Kontakte; ihnen fällt die Decke auf den Kopf; Konflikte mit Eltern sind vorprogrammiert; das Fehlen konkreter (Schul)-Strukturen hat sie müde und antriebslos gemacht; Erschöpfung; Ängste; Essstörungen; das Spektrum ist groß. Leider kommt es auch wieder zu erhöhten Suizidraten“, informierte Prettner.

Suizidrate

Während in den ersten Coronamonaten des Jahres 2020 die Zahlen im Bereich der psychischen Gesundheit, im Themenfeld der Süchte und im Bereich der Suizide merklich zurückgegangen seien, würden die Zahlen mit Fortdauer der Coronakrise nun wieder deutlich im Steigen sein: „Konkret heißt das: Im Jahr 2020 sind die Suizide zurückgegangen. Für heuer müssen wir leider wieder mit einer Gesamtzahl wie im Jahr 2019 rechnen: Wir gehen also auf das Niveau der Vor-Corona-Zeit zurück“, erklärte Prettner. Ein Detail gab Primarius Herwig Oberlerchner bekannt: „Während der Lockdown-Phasen hat sich die Suizidrate jeweils halbiert. Und: Im Lockdown hat sich nie eine Frau das Leben genommen.

Im Jahr 2019 wurden 108 Suizide registriert. Mit Stand heute, 15. 12., sind es im Jahr 2021 bislang 103“, so Oberlerchner. Das heißt, im heurigen Jahr ist die Zahl wieder gestiegen, auch unter der vulnerablen Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 15 bis 24 Jahren: „Das war mitunter der Grund dafür, eine Online-Initiative zu starten. Als Vorbild dafür diente uns das sehr erfolgreiche Südtiroler Best Practice Modell ‚Du bist nicht allein‘: In den vergangenen Monaten wurde daher intensiv an der Kärntner Kampagne ‚Wir helfen Dir!‘ gearbeitet“, erklärten die Gesundheitsreferentin und Experte Oberlerchner. Es ist ein Projekt, das sich besonders an junge Menschen richtet. „Wir wollen diese jungen Menschen bei ihren emotionalen Krisen und ihren Problemen abholen.“

Jugendliche erreichen

Wie der Leiter des Gesundheitslandes Kärnten, Franz Wutte, informierte, setze die Kampagne „niederschwellig dort an, wo man die Jugendlichen tatsächlich erreichen kann. Es gibt auch kurze Videos mit Tipps, wie man von einer emotionalen Zuspitzung wieder schnell runterkommen kann.“ Laut Wutte könne man sich auf diesem Online-Weg völlig anonym Rat und Hilfe holen. „Außerdem werden wohnortnahe Kontakt angegeben und immer wieder auf die Krisenhotline 142 verwiesen.“ Die Homepage ist mit dem heutigen Tag unter www.wir-helfen-dir.at onlinegegangen. „Parallel dazu starten wir ab Jänner Workshops in Schulen zu Themen wie Krisenbewältigung, Stressbewältigung, aber auch Trauerbewältigung. Es wird auch Vorträge für Pädagoginnen und Pädagogen sowie Fortbildungsreihen für Institutionen geben“, so Wutte.

Wie Prettner betonte, sei die Onlinekampagne „Wir helfen Dir!“ eine Maßnahme von mehreren neuen Projekten, die im heurigen Jahr auf die Beine gestellt wurden. Prettner erinnerte in diesem Zusammenhang an die zwei großen und erfolgreich laufenden Projekte „Mobiler Familiencoach“ und „Kärntner Soziallotse“. Zudem machte Prettner einen Blick in die Zukunft: „Wir werden im nächsten Jahr eine meiner Herzensprojekte – nämlich die psychiatrischen Ambulatorien – realisieren. Es sind vier geplant: zwei für Kinder und zwei für Erwachsene; jeweils zwei in Klagenfurt und Villach.“ Laut der Gesundheitsreferentin gehe die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie davon aus, dass jeder dritte Mensch in Österreich zumindest einmal in seinem Leben an einer psychischen Erkrankung leidet. „Sorgen macht vor allem auch die Tatsache, dass immer mehr junge Menschen, auch Kinder, an der Seele erkranken. Daher ist es auch so wichtig, zwei psychiatrische Ambulatorien speziell für Kinder zu realisieren“, betonte Prettner.