Deutsch – Slowenisch – Windisch

Hermagor, Schloss Möderndorf -

Historische Betrachtung, Wertschätzung und Sichtbarmachung von Minderheitensprachen und Kulturkontakten im GailtalMuseum.

Zahlreiche Gäste und Persönlichkeiten aus der Region beim Vortrag „Deutsch – Slowenisch – Windisch“ im GailtalMuseum

Am Donnerstagabend, 20. August 2026, zeigte sich BH Dr. Heinz Pansi in seiner Funktion als Obmann des Förderungsvereines GailtalMuseum bei seiner Begrüßung sehr erfreut über das große Publikumsinteresse an der Veranstaltung „Deutsch-Slowenisch-Windisch“.

Hochinteressante Spiegelung der Geschichte des Gailtales

Der renommierte Gailtaler Historiker Priv.-Doz. Mag. DDr. Peter Wiesflecker präsentierte vor zahlreichen interessierten Zuhörern aus der Region eine hochinteressante Spiegelung der Geschichte des Gailtales im Spannungsverhältnis und in der Wechselwirkung von Sprache, Politik und Identität. Der Vortrag beleuchtete die Bedeutung der Sprache und der Mehrsprachigkeit in unserer Region aus mehreren Blickwinkeln.

In seiner Einleitung nahm Wiesflecker Bezug auf Ingeborg Bachmanns literarische Darstellung der „Windischen“ sowie auf das kürzlich erschienene Buch über die Via Iulia Augusta von Hannes Guggenberger und Helga Pöcheim, ein wertvolles Segment der Regionsgeschichte.

VIA-Intendantin Mag. Helga Pöcheim und Priv.-Doz. Mag. DDr. Peter Wiesflecker

Darüber hinaus präsentierte der Vortragende auch eine absolute Rarität, nämlich die erste und einzige Bibelübersetzung von Jurij Dalmatin ins Slowenische, bei der auch Windisch synonym verwendet wurde.

Historie

Das Gailtal ist historisch eine „région de passage“, also eine Durchgangsregion, die seit jeher von Menschen, Tieren oder Gütern auf ihrem Weg zu einem anderen Ort durchquert wird. In der Geographie und Migrationsforschung bezeichnet der Begriff Gebiete, die bei Reisen, Handel oder Wildtierwanderungen durchquert werden.

Allein schon der Begriff „Windisch“ wurde im Laufe der Jahrhunderte höchst unterschiedlich verwendet. Dies ist bis heute so geblieben. Soziale und nationale Differenzierung bestimmten die Sprache und den Sprachgebrauch, sei es durch sozialen Aufstieg und den Wechsel von Sprache oder auch durch den politischen Rahmen bis hin zur Marginalisierung einer Sprache, so des Slowenischen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Kennzeichnend für das Untere Gailtal ist jedoch im Besonderen, dass Sprache und nationale Identität nicht deckungsgleich sein müssen, sondern regionale Identität durch zahlreiche Faktoren und Facetten bestimmt ist.

Bemerkenswert: Vom Unteren Gailtal aus waren seinerzeit die windischen Säumer entlang der bekannten Handelsroute Richtung Salzburg unterwegs und sprachen, arbeitsbedingt, mehrere Sprachen wie eben Deutsch, Slowenisch und Windisch. Die Struktur des „Windischen“ ist gleich wie beim Slowenischen, allerdings durchzogen mit sogenannten Lehnwörtern aus dem Deutschen oder dem Italienischen.

Das Instrument der Sprache gab und gibt den Menschen viele Möglichkeiten, sich positiv in jeder Richtung weiterzuentwickeln und zu behaupten, wie die Geschichte des Gailtales eindrucksvoll beweist.

zBH Dr. Heinz Pansi mit Priv.-Doz. Mag. DDr. Peter Wiesflecker

Gäste

Mit dabei Stadtrat Mag. Karl Tillian, Stadtrat Hannes Burgstaller, Literatin Claudia Rosenwirth-Fendre, VIA-Intendantin Helga Pöcheim, Baumeister DI Bernhard und Mag. Jutta Loik, Architekt DI Werner Moritsch, Chorleiter Edmund Wassermann, Pferdezucht-Pionier Janko Zwitter, Dr. Ludwig und Pepca Druml, Notar Dr. Johann Lederer, Neurologe Dr. Klemens Fheodoroff, Ex-Bürgermeister Hans Ferlitsch u. v. a.

Zum Vortragenden

Priv.-Doz. Mag. DDr. Peter Wiesflecker (61) ist Historiker und Archivar am Steiermärkischen Landesarchiv in Graz, wo er die Sondersammlungen leitet, und Lehrbeauftragter an den Universitäten Graz, Wien und Klagenfurt.