Kein Masterplan – aber ein Weg zurück zum Glauben

Treßdorf -

Der gebürtige Obergailtaler Christian Ranacher (53) lebt heute in der Schweiz. Er spricht offen über seinen Lebensweg, seine Familie, seinen Glauben – und darüber, wie eine schwere Diagnose sein Leben neu geordnet hat. Kein Bericht des Mitleids, sondern einer der Klarheit, der Dankbarkeit und der Kraft.

Christian Ranacher mit seinen Eltern Reinhold und Josefine aus Treßdorf

Christian Ranacher stammt aus Treßdorf im Oberen Gailtal. Seine Eltern Reinhold (ehemaliger HS Lehrer in Kötschach-Mauthen) und Josefine Ranacher sowie seine Geschwister Marion, Andrea, Martin und Stefan prägen bis heute seine Verbundenheit zur Heimat. Viele Jahre verbrachte er mit seiner Familie die Sommerurlaube im Gailtal. Das Wandern rund um die Straniger Alm, eine „Kaspressknödelsuppe“ und das Schwimmen in der Gail gehören für ihn zu den schönsten Erinnerungen. „Mit Papa und Mama oder den Brüdern und Schwestern zusammen zu sein – das ist schön“, sagt er. Beruflich führte ihn sein Weg früh nach Liechtenstein. Nach dem Studium in Innsbruck begann er bei Hilti als Controller, entwickelte internationale Vergütungssysteme und reiste beruflich um die Welt – von Brasilien über Mexiko und die USA bis nach Japan und Russland. Es folgte ein Wechsel zur Zumtobel Gruppe als globaler Leiter aller Personalabteilungen, bevor er 2019 zu Hilti zurückkehrte und zwei Jahre in Norwegen arbeitete. Heute ist er für Arbeitssicherheit und Nachhaltigkeit in der Konzernzentrale in Schaan verantwortlich und in eine Organisation mit über 2000 Mitarbeiter eingebunden.

Führungskraft bei Hilti und gebürtiger Obergailtaler – Christian Ranacher

Die Diagnose – ein Einschnitt, der alles verändert

Kurz vor seinem 50. Geburtstag erhielt Christian eine schwere Diagnose: eine aggressive Form von Schilddrüsenkrebs, die mehrere Operationen und Behandlungen notwendig machte. „Es gibt keinen Masterplan, wie man mit einer solchen Situation umgeht.“ Vier Operationen in zwölf Monaten, Bestrahlung – und die Erkenntnis, dass die Erkrankung ihn langfristig begleiten wird. In dieser Zeit wurde seine zweite Ehefrau, eine Ärztin, zu einer entscheidenden Stütze. Sie veranlasste die erste Untersuchung – ein Schritt, ohne den er heute nicht mehr leben würde. Auch seine Kinder, Eltern, Geschwister, Freunde und Hilti stehen eng an seiner Seite. Seit fünfzehn Monaten erhält er eine moderne Immuntherapie. „Der Krebs ist da, er wird auch bleiben, aber wir hoffen alle kein Begleiter. Leben mit Krebs ist das Motto“.

Aufnahme im Rahmen der Preisverleihung zum Great Place To Work

Was er für sich mitgenommen hat

Christian hat in dieser Zeit versucht vieles neu zu ordnen: Er hat gelernt, dass es Stärke bedeutet, um Hilfe zu bitten, und dass Beziehungen wichtiger sind als berufliche Erfolge. Er spricht offen darüber, dass er lange zu viel Zeit der Arbeit geopfert hat – und zu wenig seiner Familie, seinen Kindern und seinen Freunden. Er hat erkannt, wer er wirklich sein will, und dass sein Glaube an Gott und Jesus ihm Kraft gibt. Diese spirituelle Klarheit begleitet ihn heute bewusst durch den Alltag. Wichtig ist ihm noch klarzumachen, dass das Vertrauen in die moderne Medizin genauso wichtig ist wie der Glaube. Als Kernsätze bleiben für ihn zwei Gedanken: „Geht offen miteinander um, eine Krebserkrankung sollte kein Tabu sein – nicht als Mensch und auch nicht als Mitarbeiter“ und „Um Hilfe bitten ist eine Stärke“. In den sozialen Medien (YouTube) gibt es zudem ein Gespräch, das Christian Ranacher gemeinsam mit einem befreundeten Personalvermittler zu diesem Thema geführt hat. Das Gailtal Journal bedankt sich herzlich für das offene Interview – ein Schritt, der Mut machen soll!

An der Gail gemeinsam mit seinem jüngsten Bruder Stefan