100 Jahre Schneerosenkirche in Hermagor

Hermagor -

Dieses Jubiläum wurde am Sonntag 28. Juni 2026 mit einem Festgottesdienst und zahlreichen Ehrengästen würdig gefeiert.


Vor 100 Jahren, am 11. Juli 1926, wurde die Evangelische Schneerosenkirche in Hermagor feierlich eingeweiht. Für heutige Verhältnisse unvorstellbar war bei den Bauarbeiten der persönliche körperliche Einsatz der Mitglieder des damaligen Kirchenbau-Komitees in der schwierigen Zwischenkriegszeit, aber unbeirrbar durch die Kraft des Glaubens und durch die Opferbereitschaft wurde ein sehr wertvolles Miteinander gelebt, das schlussendlich durch die legendäre Schneerosen-Idee doch zum Ziel führte.

Die Schneerosenkirche prägt seit 100 Jahren das evangelische Leben in Hermagor

Begegnungs-Gespräche

Bereits am Samstag-Nachmittag trafen sich zahlreiche Gläubige und Interessierte in der Kirche zur Begegnung mit Bischöfin Cornelia Richter. Moderator Arno Kronhofer, selbst bekennender Katholik und damit Beispiel gelebter Ökumene, animierte die anwesenden Gäste zu offenen Gesprächen über verschiedenste aktuelle Themen, wobei auch die Tatsache der aktuellen Kirchen-Austritte oder die noch immer nicht voll aufgearbeiteten Geschehnisse während der NS-Herrschaft ungeschminkt im Fokus standen.

Bischöfin Cornelia Richter

Ingeborg Bachmann

Zeitgleich und eng mit dem Bau der Schneerosenkirche verbunden sind auch die Jugendjahre der großen Kärntner Literatin Ingeborg Bachmann (1926-1973), die nur wenige Tage nach der Einweihung der Schneerosenkirche geboren wurde und ihre Wurzeln in Obervellach bei Hermagor hatte. Ihr leider viel zu kurzes Leben war leider auch von den Problemen und Verwerfungen der Zwischenkriegsjahre stark geprägt.

Festgottesdienst

Mit etwa 300 interessierten Besuchern war die Schneerosenkirche an diesem glutheißen Jubiläums-Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt. Es gab dafür mindestens drei gute Gründe: Dass die Evangelische Kirche Österreichs mit Bischöfin Cornelia Richter seit heuer weiblich geführt wird, ist überaus erfreulich. Und dass auch die Kärntner Superintendentur mit Andrea Mattioli auch von einer Frau besetzt ist, verspricht für alle Alltags- und Glaubens-Themen sowie im praktizierten Kärntner Miteinander viel positive Transparenz und Offenheit. Ergänzt wird darüberhinaus das „Evangelische weibliche Triumvirat“ noch durch Margarethe Prinz-Büchl als neue Kärntner Superintendential-Kuratorin aus Fresach, die ihre Arbeit im Sinne der Aktivitäten ihrer Vorgängerin Helli Thelesklaf aus Hermagor entsprechend weiterentwickelt und, angepasst an die neuen Herausforderungen, fortsetzt.

Predigt mit klaren Botschaften

Erfrischend klar, mutig und voll motivierend beantwortete Bischöfin Cornelia Richter in ihrer Festpredigt u.a. die provokante Frage „Wir haben eh alles, uns geht es doch gut, wozu also Kirche?“ Die klare Antwort liegt im Alltag. Allein die täglichen Berichterstattungen über aktuelle globale Krisen, Kriege und Fehl-Entwicklungen, toxisch gemischt mit FakeNews und dem Molloch KI, wecken ganz stark den mentalen Hunger nach Halt, nach Zuversicht, nach Ehrlichkeit und nach Geborgenheit. All das bietet ein stabiler Glaube, ein stilles Gebet, ein Gespräch auf Augenhöhe und die Zuversicht, dass wir sicher über alle Klippen geführt werden. Mit dem gemeinsamen Lied „Nun danket alle Gott“, musikalisch begleitet durch Diözesankantor Martin Lehmann an der Orgel, und das Ensemble des Blasmusikvereins Vellach unter Hans Grolitsch, fand der Festgottesdienst seinen Abschluss.

Rund 300 Besucher feierten das 100-jährige Bestehen der Schneerosenkirche

Chronik der Schneerosenkirche

Der derzeitige evangelische Pfarrer Reinhard Ambrosch führte die zahlreichen Besucher im Rahmen der Jubiläumsfeier mit einer eindrucksvollen Chronik durch die Entstehungsgeschichte der Schneerosenkirche. Er erinnerte an die großen Herausforderungen beim Kirchenbau in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg und zeigte auf, mit welchem Glauben, Zusammenhalt und persönlichem Einsatz die damaligen Gemeindemitglieder das Gotteshaus verwirklichten. Seine Ausführungen spannten den Bogen von den Anfängen der Pfarrgemeinde bis zum heutigen Jubiläum und machten deutlich, welch besonderen Stellenwert die Schneerosenkirche seit nunmehr 100 Jahren für Hermagor und die gesamte Region einnimmt.

Superintendentin Andrea MattioliAndrea Mattioli mit Pfarrer Reinhard Ambrosch

Grußworte und Ehrengäste

Seitens der Stadtgemeinde Hermagor überbrachte Bürgermeister Leopold Astner Grußbotschaften, mit dem Hinweis auf die unvorstellbaren Leistungen, die die Menschen seinerzeit im Zuge der Bauarbeiten geleistet haben. Die Grüße der Kärntner Landesregierung an die Evang.Pfarrgemeinde Hermagor/Watschig definierte Landtagsabgeordneter Luca Burgstaller. Dass gelebte Ökumene in Hermagor erfreulich angenehm und konstruktiv stattfindet, bestätigte der röm-katholische Stadtpfarrer Georg Granig; ergänzt durch Grußworte von Hans Grollitsch von der Life Church Hermagor. Wie engagiert und aktiv der Christliche Missionsverein in Hermagor arbeitet, erörterte Vorstand Thomas Dullnig.

Erinnerungen und Dank

Aufhorchen ließ Karlheinz Essl (87), Enkel des Kirchenbauers Georg Essl, bei mit seinen familiären Erinnerungen. „Verglichen mit der heutigen hektischen Zeit, voll KI-beeinflusst, hatten unsere Vorfahren mit der Gewissheit >an Gottes Segen ist alles Gelegen< sehr realistische Ziele, so auch beim Kirchenbau. Der Glaube hat ihnen Kraft und Ausdauer gegeben.“ Kurator Karl Wassertheurer, bedankte sich in seiner Festansprache bei allen Helfern und Helferinnen, die innerhalb der letzten 10 Jahre etwa 3.000 Stunden an unentgeltlicher Arbeit im Zuge der vielen Vorbereitungen für die 100-Jahre-Feier geleistet haben. Insgesamt wurden in dieser Zeitspanne etwa 300.000 Euro in Renovierungen, Um- und Ausbauten sowie in aktuelle Anschaffungen investiert. Wassertheurer, der altersbedingt Anfang 2027 seine Funktion zurücklegt, nominierte bei dieser Gelegenheit auch schon seine bisherige Vertreterin Angelika Schwilk als Nachfolgerin.

Kurator Karl Wassertheurer mit Karlheinz Essl

Mitgefeiert haben

Bischöfin Cornelia Richter, Superintendentin Andrea Mattioli, Superintendential-Kuratorin Margarethe Prinz-Büchl, Vorgängerin Helli Thelesklaf, Pfarrer Reinhard und Veronika Ambrosch, Pfarrerin Dagmar Wagner-Rauka, Pfarrer i.R. Reinhard Beham, Wilhelm Mooshammer, Hans Hecht, Stadtpfarrer Georg Granig, Kuratoren Karl Wassertheurer, Horst Hochenwarter, Herbert Neuwirth, Jakob Kirchler, Josef Fian, Renate Mösslacher, Armin Bachmann, Heide und Hans Grollitsch, Gerda Herzog mit Grußworten von Rektorin Astrid Körner (Diakonie), Vorgänger Hubert Stotter, Thomas Winkler, Manfred Jost (BH), Josef Reinitzhuber, Bgm.Leopold Astner, LAbg Luca Burgstaller, Stadträte Irmi Hartlieb, Hannes Burgstaller und Karl Tillian u.v.a. Ein Mundart-Gedicht aus eigener Feder präsentierte Anni Wurian.

Festzug

Am Festzug von der Kirche zum Rathaus beteiligten sich die Stadtkapelle Hermagor, die Bürger- und Goldhaubenfrauen, die Obergailtaler Trachtengruppe, Stadtpolitik und Verwaltung und FF Hermagor. Die Festmahlzeit am Jubiläums-Sonntag, geschaffen von „Gailtal Glut“ Jonas Zimmermann fand im Stadtsaal Hermagor statt.

Die Bürgerfrauen Hermagor nahmen gemeinsam mit zahlreichen Vereinen und Ehrengästen am Festzug durch Hermagor teil
Der Blasmusikverein Vellach Stadtkapelle Hermagor

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