Ein Sir in der Politik – verbindend statt spaltend

St. Stefan -

Hans Ferlitsch, geboren 1946 in St. Stefan im Gailtal, prägte über Jahrzehnte die Kommunal-, Landes- und Bundespolitik: 32 Jahre Bürgermeister, 15 Jahre Landtagsabgeordneter, Präsident des Kärntner Gemeindebundes und kurzzeitig Mitglied des Bundesrates. Sein politisches Wirken formte nicht nur seine Heimatgemeinde, sondern das gesamte Kärntner Gemeindewesen. Stets getragen von Pragmatismus, Weitblick und einem ausgeprägten Sinn für das Gemeinsame.

Hans Ferlitsch, der im Mai seinen 80. Geburtstag feiert, begann seinen beruflichen Weg als Maschinenschlosser und wechselte später in den Landesdienst. Politisch engagierte er sich früh, wurde 1973 SPÖ Ortsobmann und war von 1993 bis 2007 Bezirksparteivorsitzender der SPÖ Hermagor. 1985 wurde er zum Bürgermeister von St. Stefan im Gailtal gewählt und blieb es 32 Jahre lang. Parallel dazu wirkte er im Bundesrat und anschließend 15 Jahre im Kärntner Landtag, zuletzt als Zweiter Landtagspräsident. Als Präsident des Kärntner Gemeindebundes (1996–2011) sowie Vizepräsident des österreichischen Gemeindebundes setzte er wichtige Impulse für die kommunale Entwicklung. Drei Jahre lang stand er zudem dem Roten Kreuz Hermagor als Obmann vor. In seiner Gemeinde prägte er Projekte wie das Bildungszentrum, das Pflegeheim, die Tagesstätte für Kinder mit besonderen Bedürfnissen sowie langfristige Hochwasserschutzmaßnahmen. Nicht zu vergessen zahlreiche Projekte im Feuerwehr- und Kulturwesen. 2009 wurde ihm das Große Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Privat ist er seit 1965 mit Elfriede verheiratet, Vater eines Sohnes (Hans, geboren 1966) und einer Tochter (Marion, geboren 1967) und es gibt fünf Enkelkinder. Heuer feiert nicht nur er selbst den 80er, sondern auch seine Frau – und sein Sohn den 60er. Alle Jubiläen werden bewusst im kleinen Rahmen begangen, da er nicht mehr in der Öffentlichkeit steht.

Ferlitsch mit seinem langjährigen Wegbegleiter Max Rauscher und Staatssekretärin a. D. Brigitte Ederer

Gailtal Journal: Welches ihrer Projekte steht für Sie persönlich am stärksten für Ihre Zeit als Bürgermeister?

Ich wollte eine Gemeinde schaffen, in der sich alle wohlfühlen. Dazu gehören das Bildungszentrum für die Jugend, das Sozialzentrum für ältere Menschen, Umweltprojekte wie Abwasser, Altstoffsammelzentrum und Hochwasserschutz sowie der Umbau des Gemeindebades zum Naturbad. Viele EU‑Projekte und die Modernisierung der Feuerwehren und des Gemeindezentrums rundeten diese Arbeit ab.

Welche politische Ebene hat Sie am nachhaltigsten geprägt – und warum?

Am stärksten geprägt hat mich die Gemeindepolitik – das direkte Gespräch, getragen von Vertrauen und Ehrlichkeit. Wertvoll waren auch der Austausch mit Bürgermeisterkollegen und die Erfahrungen in der Bundespolitik, etwa als Bundesrat oder Landtagspräsident.

Ferlitsch mit Frau Elfriede bei einem Besuch von LH Peter Kaiser

Welche Bedeutung hatte ihre Familie während ihrer politischen Laufbahn?

Die vielen Termine machten es oft schwer, allem gerecht zu werden. Meine Frau Elfi, unsere Kinder und später die Enkelkinder zeigten großes Verständnis. Wenn es möglich war, verbrachten wir gemeinsame Tage am Meer oder in der Natur. Unsere runden Geburtstage feiern wir heuer im Familienkreis.

Wie hat sich der politische Stil seit Ihren Anfangsjahren verändert?

Früher standen persönliche Gespräche, Empathie und gemeinsames Suchen nach Lösungen im Mittelpunkt. Heute dominieren oft der schriftliche Austausch und die schnelle Umsetzung. Trotz veränderter Rahmenbedingungen sollte der Mensch weiterhin im Zentrum politischen Handelns stehen. Ich möchte mit großem Dank erwähnen, dass stets gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Bediensteten, den politischen Mitbewerbern und einem Großteil der Bevölkerung bestanden hat.

Ein besonderes Jahr für die Familie Ferlitsch – drei runde Jubiläen

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der heute in die Kommunalpolitik einsteigen möchte?

Man sollte Zeit, Offenheit und Lernbereitschaft mitbringen. Wichtig ist, den Menschen zuzuhören, Anliegen ernst zu nehmen und Lösungen zu suchen. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann Verantwortung übernehmen und einen wertvollen Beitrag zum Gemeinwohl leisten.