Seit vielen Jahren leben Wilma und Eddi Bracmort in Weißbriach, wo sie lange Zeit eine Pension betrieben und heute noch Dauermieter beherbergen. Als Wilma im Jänner des Vorjahres ihren 70. Geburtstag feierte, überraschte ihr Sohn sie mit einer Einladung nach Venezuela, seiner neuen Heimat. Die Reise startete in Laibach, führte über Istanbul und schließlich nach Caracas, die Hauptstadt Venezuelas. Schon bei der Einreise zeigte sich, dass das Land strenge Regeln hat: Rückflugticket, Reisezweck und genaue Adresse mussten vorgelegt werden. Doch die Wiedersehensfreude mit Sohn Antoine (33) und der Schwiegertochter Alejandra (32) ließ alle Formalitäten rasch vergessen. Er arbeitet für eine deutsche Firma als Webdesigner, Blockchain-Techniker sowie Analyst und spricht fünf Sprachen. Seine Frau Alejandra hat eine Modeboutique und in Kürze wird sich bereits der erste Nachwuchs einstellen.

Lechería – das „Venedig Venezuelas“
Nach einem kurzen Inlandsflug erreichten die Bracmorts ihr erstes Ziel: Lechería, eine moderne Küstenstadt im Norden des Landes. Die vielen breiten Kanäle brachten ihr den Beinamen „Venedig Venezuelas“ ein. Der Name Lechería bedeutet wörtlich „die Molkerei“ – eine Erinnerung an frühere Verkaufsstellen für Ziegenmilch, die hier einst standen. In dieser karibischen Kulisse feierte die Familie Wilmas 70. Geburtstag: unter freiem Sternenhimmel, mit Musik, Tanz und einer warmen Meeresbrise. „Es war ein unvergesslicher Abend“, erzählt Wilma.
Uruyén – ein Ort voller Kraft und Stille
Nach einigen Tagen ging es zurück nach Caracas und weiter in den Süden, nach Puerto Ordaz. Von dort brachte eine kleine Maschine – eine „Cessna“ – die Reisenden in das abgelegene Uruyén, mitten im Canaima Nationalpark. Die Landung auf einer kleinen Piste inmitten von Savanne, Tafelbergen und dichten Wäldern war bereits ein Erlebnis. Doch die Landschaft übertraf alles: „Von diesem Ort ging eine so große Kraft und Energie aus. Ich spürte eine innere Ruhe, alles andere war plötzlich weit weg“, erinnert sich Wilma. Mehrere Hubschrauberflüge machten die Dimensionen des Nationalparks sichtbar – und führten auch in die Nähe des Salto Ángel, des mit 979 Metern höchsten Wasserfalls der Welt.
Ein Land voller Herzlichkeit – trotz großer Herausforderungen
Während ihres vierwöchigen Aufenthalts fühlten sich Wilma und Eddi stets sicher und willkommen. Die Menschen waren alle freundlich und wir fühlten uns zu keiner Zeit irgendwo in Gefahr“, sagt sie. Das Land ist dabei nicht so, wie es in den Medien oft dargestellt wird – vor Ort erlebten sie eine überraschend friedliche und entspannte Atmosphäre. Gleichzeitig sahen sie aber auch ein Land, das trotz seiner rund 30 Millionen Einwohner und seines enormen Rohstoffreichtums mit Armut, Misswirtschaft, Korruption und hoher Inflation kämpft. Für Wilma Bracmort war diese Reise mehr als ein Urlaub: Es war ein Geschenk ihres Sohnes, das sie tief berührt hat. „Wenn ich noch einmal die Gelegenheit bekomme, werde ich Uruyén sicher wieder besuchen“, sagt sie abschließend.











































